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Und als ihr der ersehnte Kampf winkt, findet sie sich selbst wieder und gerät in Begeisterung:
»Schlacht und Kampf!
Jetzt ist die Seele ihrer Bande frei.«
Johannas späterer Fall veranschaulicht die Wahrheit, daß»die menschliche Natur eines konsequenten Idealismus gar nicht fähig ist«, weil dieser eine fortwährende Begeisterung erfordert.
Realisten und Idealisten treten uns in Schillers Meisterdramen auch sonst noch mehrfach entgegen, auch ein Phantast begegnet uns in der Figur des Mortimer.
Realismus und Idealismus sind, sofern sie sich völlig konsequent zeigen, was freilich selten der Fall ist, einseitige Geistesrichtungen. In ihrer harmonischen Verbindung sieht Schiller das Ideal des Menschentums, und er zeigt sich in seinen späteren Dramen als sentimentalischer Dichter besonders darin, daß er dies Ideal der»schönen Seele«, in der Sinnlichkeit und Vernunft übereinstimmen, darstellt; und zwar nimmt seine Darstellung die Formen an, die er in der oben genannten Abhandlung über die Poesie unterscheidet, die satirische, elegische und idyllische, und vermeidet die Fehler, vor denen er dort warnt: Die Abneigung des Dichters gegen die von ihm dargestellte Wirklichkeit darf keine sinnliche Quelle haben, sondern muß in seiner Begeisterung für das sittliche Ideal begründet sein. Die pathetische(ernste) Satire muß den Ton der Erbitterung und Strafe meiden, der für die Poesie zu ernst ist. Diesen ästhetischen Forderungen entspricht Schiller in seinen späteren Dramen überall da, wo er als Satiriker die Menschen zeichnet, wie sie in der Regel sind, nämlich von äußeren Zwecken und sinnlichen Leidenschaften beherrscht. Er beurteilt die Wirklichkeit nicht mehr wie früher direkt, indem er selbst das Wort ergreift, sondern indirekt, indem er ihr das Ideal in anschaulicher Verkörperung entgegensetzt. Dies Verfahren tritt besonders deutlich im»Wallenstein« zu Tage: Der Dichter beleuchtet den Charakter der Realisten, die bei allem nur ihren Vorteil im Auge haben, indem er ihnen zwei Idealisten gegenüberstellt, die sich von der sittlichen Idee bestimmen lassen und in ihrem Wesen dem Ideal entsprechen. Max und Thekla erscheinen in ihrer natürlichen Unschuld und inneren Harmonie als»schöne Seelen«. Ihnen ist das Gute zugleich Gegenstand der Neigung. Max'»schönen Charakter« kennzeichnet Wallenstein treffend in den Worten:
»Du konntest spielend deine Pflichten üben, Jedwedem schönen Trieb Genüge tun, Mit ungeteiltem Herzen immer handeln.«
Aber für solche edlen Menschen ist kein Raum in der wirklichen Welt, die vom Nutzen regiert wird; sie müssen darin zu Grunde gehen, wenn sie ihr Selbst nicht verlieren wollen.
Bei Thekla finden wir, entsprechend der Anschauung des Dichters von der weiblichen Natur, die innere Einheit reiner und stärker ausgeprägt als bei Max. Dieser schwankt einen Augenblick, als er zwischen»Sinnenglück und Seelenfrieden«


