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Wie plastisch sind dort die Vertreter des Wallensteinschen Heeres und der Held selbst, um den sich jene gruppieren, dargestellt, wie treu ist hier das Schweizervolk und die es umgebende Natur gemalt!
Aber seine sentimentalische Dichternatur verleugnet Schiller auch in seinen Meisterdramen nicht. Er kann sich nicht auf die ideenlose Wiedergabe der konkreten Wirklichkeit beschränken.»Um nicht in Plattheit zu versinken«, vermeidet er den konsequenten Realismus, der nichts weiter als ein möglichst treues Abbild des wirklichen Lebens mit allen seinen zufälligen Schranken geben will. Schiller läßt in den einzelnen, zufälligen und wechselnden Erscheinungen die allgemeinen, notwendigen und ewigen Gesetze hervorleuchten; er stellt die wahre Wirklichkeit dar, die dem oberflächlichen Blick verborgen bleibt, aber sich dem tiefer sehenden Dichterauge offenbart. Seine poetischen Gestalten sind zwar, wie es das Wesen der Poesie erfordert, anschauliche, lebenswahre Individuen, aber zugleich Typen, in denen sich das allgemein Menschliche, der Charakter der Gattung spiegelt. Sie entsprechen, wie sich zeigen wird, den Anschauungen über die Menschennatur, die der Dichter in seinen philosophischen Schriften niedergelegt hat.
Am Schlusse der Abhandlung»Uber naive und sentimentalische Dichtung« unterscheidet Schiller auf Grund des Gegensatzes zwischen Natur und Geist, Sinnlichkeit und Vernunft, der ja in seiner von Kant übernommenen Psychologie die größte Rolle spielt, zwei Hauptklassen menschlicher Charaktere, die Realisten und Idealisten. Zu dieser Unterscheidung gelangt er, indem er von dem naiven und sentimentalischen Dichter absondert, was beide Poetisches haben.
Der Realist, bei dem die Sinnlichkeit überwiegt, nimmt stets auf die realen Verhältnisse Rücksicht. Er läßt sich vorwiegend durch äußere Ursachen und Zwecke bestimmen, nur daß jene nicht zufällig und diese nicht augenblicklich sind. Die freiwillige Unterwerfung unter die ewigen Gesetze der Natur, eine reiche Erfahrung und ein glücklicher Instinkt für das Zweckmäßige und Heilsame bewahren ihn vor bedeutenden Fehlern und geben seinem Tun Stetigkeit und zeitlichen Wert, wenn es ihm auch an moralischer Größe gebricht.
Der Idealist läßt sich nicht durch reale Ursachen und Zwecke, sondern durch Vernunftideen leiten. Er fragt weniger nach den Folgen als nach den Beweg- gründen einer Tat, nämlich danach, ob sie aus der freien Vernunft hervorgeht. Weil er sich rein aus sich selbst bestimmt, zeigen seine Handlungen Selbständigkeit und Größe; da er aber die Erfahrung zu wenig berücksichtigt und, um der Idee zu folgen, sich begeistern muß, was der menschlichen Natur auf die Dauer unmöglich ist, so ist er nicht sicher vor schweren Fehltritten.
Eine Karikatur des Realisten ist der»gemeine Empiriker«, der völlig von den augenblicklichen Naturtrieben beherrscht wird und nur das ist, was die äußeren Eindrücke zufällig aus ihm machen. Das Extrem des Idealisten ist der Phantast, der aus bloßer Willkür und Laune sich über Natur und Erfahrung hinwegsetzt und


