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außer sich zu halten und objektiv darzustellen; denn er ist frei von jeder Tendenz und»weder durch Leidenschaft noch durch Abstraktion angespannt«. Er besitzt jetzt die innere Ruhe und Unbefangenheit, die der Künstler braucht, um durch seine Schöpfung eine reine ästhetische Wirkung hervorzurufen.
Ih seinen Jugenddramen trat er mit seinen eigenen Stimmungen, Leidenschaften und Reflexionen zu sehr in den Vordergrund. Er stand nicht über seinem Gegenstand, zu deutlich verriet er seine persönliche Anteilnahme, seine schwärmerische Begeisterung und seinen Haß. Er verfolgte mit seinen Werken bestimmte Tendenzen, er wollte gegen die politischen und sozialen Zustände seiner Zeit protestieren und Begeisterung für sein phantastisches Ideal von Freiheit, Glück und Vollkommenheit erwecken. Der unreife Künstler suchte also durch den Stoff zu wirken und stieß daher so viele ab.
Niemand hat härter über seine Jugendwerke geurteilt als Schiller selbst, und seine scharfe Kritk verschont auch den»Don Karlos« nicht, der trotz aller Fortschritte hinsichtlich der künstlerischen Form denselben Mangel an Objektivität aufweist. Die späteren Dramen des Dichters zeigen dagegen die hohe Ruhe, die edle Einfalt und stille Größe, die dem reifen Kunstwerk eigen sind, und diese Ruhe ist der Ausdruck der inneren Harmonie, zu der Schiller durch die neue befreiende Welt- anschauung geführt worden ist.
Mit seiner Objektivität und seiner geläuterten Auffassung vom Wesen des Schönen hängt auch der kunstvolle, harmonisch gegliederte Bau seiner Meisterdramen zusammen. Während er früher, von subjektiven, außerhalb des poetischen Gegen- standes liegenden Gesichtspunkten geleitet, auf einzelne Szenen eine besondere Sorgfalt verwandte, ist ihm später der innere Zusammenhang aller Teile des Dramas das Wichtigste. Sein Werk soll als Ganzes wirken, es soll als ein lebendiger Organismus erscheinen, in dem jedes Glied für den Bestand des Ganzen notwendig und nur aus diesem heraus verständlich ist. Demgemäß finden wir in Schillers späteren Dramen keine auffallenden Kompositionsmängel, nichts Episodenhaftes, nichts, was nur den Zweck hätte, des Dichters subjektive Gedanken und Stimmungen auszudrücken. Alles erscheint natürlich und notwendig. Die Handlung zeigt Einheit und Geschlossenheit, die Charaktere sind anschaulich und lebenswahr gezeichnet, die Motivierung ist lückenlos und natürlich.
Die in Schillers Meisterdramen hervortretende Objektivität und Anschaulichkeit verrät den Einfluß der Dichter, die gerade wegen dieser Vorzüge von jeher bewundert worden sind, der Griechen, Shakespeares und Goethes. Durch das Studium dieser Meister, für die ihm früher das volle Verständnis gefehlt hatte, klärte und vertiefte Schiller seine Anschauung von dem Wesen und der Aufgabe der Dichtkunst und gewann einen Maßstab für die Beurteilung seiner bisherigen poetischen Leistungen. Im Verkehr mit Goethe trat ihm in voller Anschaulichkeit eine ursprüngliche Dichternatur entgegen, die von seiner eigenen so verschieden war und ihn mit Staunen und Bewunderung erfüllte. Je tiefer er in das Wesen


