Aufsatz 
Ravenna : seine Kunstdenkmäler und deren Stellung in der deutschen Kunstgeschichte / von Karl bronner
Entstehung
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manchmal in dieser Periode vor,(u. A. auch in der Pfalzkapelle zu Aachen) die ravennatische Form aber zeigt am auffallendsten unter den kirchlichen Gebäuden die Justinuskirche in Höchst am Main. Diese 3schiffige Säulenbasilika wurde(nach Lotz und Schneider, die Baudenkmäler im Regierungsbezirk Wiesbaden) 790 über dem Leichnam des Martyrers Justinus erbaut, geriet 1090 in Verfall und wurde dann mehrfach verändert. Die Arkadur des Mittel- schiffes blieb erhalten, sie zeigt auf jeder Seite fünf Säulen, deren Basen hohe, attische, die Kapitäle aber eigenthümliche, korinthi- sierende Form zeigen.

Diese zehn Kapitäle sind unter sich beinahe völlig gleich, nur zeigen einige zwischen den nicht aus- geschnittenen Akanthus- blättern, eine gewundene Leiste, ein Kerbscehnittor- nament oder ein eigenartig geformtes Blatt(siehe Ab- bildung). Die sich ver- Fig. 20. Höchst a M. Justinuskirche. jüngende Säulenschäfte von

Kapitäl mit Kämpfer. gedrungener Eorm(5: 1) haben eine leichte Ausbauchung. Zur Aufnahme der Scheidebogen sind über den Kapitälen die schon erwähnten eigenartigen Kämpfer angebracht. Ihre Grundform ist der der ravennatischen sehr ähnlich, in Höchst setzt sich die untere Grundfläche der abgekürzten Pyramide unmittelbar auf das Kapitäl auf, während in Ravenna ein niederes Prisma zur Vermittlung eingeschaltet ist. Die 4 schrägen Seitenflächen sind durch Auskehlungen verziert. Dieselbe Art der Verwendung des Kämpfers zeigen die Fundstücke