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deren Bestimmung verschieden gedeutet wird; sie soll als Aufenthaltsraum für Büssende, auch zur Armenspeisung, gedient haben. Die Basilika war dreischiffig(über der Erde erhalten ist nur das im Grundriss schwarz ange— gebene). Die Seitenschiffe waren vom Mittelschiff durch je 5 Backsteinpfeiler getrennt. Der Abschluss gegen das Presbyterium mag in der Art eines Lettners, wovon Spuren noch sichtbar sind, oder durch eine Säulenstellung ge-— bildet worden sein. In kreuzförmiger Anlage ist unter dem Chor, einem Teil des Mittelschiffs und unter den kapellenartigen Anbauten die Krypta noch erhalten.(Näheres über diesen kunstgeschichtlich wichtigen Bau im hess. Kunstdenkmälerwerk: Schäfer, Kreis Erbach; Adamy, die Einhard-Basilika zu Steinbach und Schneider, die karol. Basilika zu Steinbach, in den Annalen d. Vereins f. Nass. Altertumskunde).
Von grösseren Dimensionen war die ebenfalls von Einhard errichtete Basilika zu Seligenstadt, welche, durch Umbau entstellt, nur noch im Mauerkern die Pfeiler-— basilika, in ganz ähnlicher Anlage und Ausführung wie zu Steinbach zeigt.(Näheres im hess. Kunstdenkmälerwerk: Schäfer, Kreis Offenbach.) Ob hier ein Querschiff vor- handen war, ist nicht mehr festzustellen. Spuren eines Atriums mit Cantharus wurden bei neueren Umbauten vor der Westseite vorgefunden. Beibehalten wurde bei diesen Bauten im wesentlichen von den italienischen— vielleicht ravennatischen— Vorbildern die Anlage des Grundrisses, während den örtlichen Verhältnissen durch Verwendung geeigneter Materialien und Herstellung des Mauerwerks nach römischer Technik, die sich hier ein- gebürgert hatte, Rechnung getragen wurde.
Auch in der Bildung der Einzelheiten ist eine Ahn- lichkeit vorhanden, die darin besteht, dass der für Ravenna charakteristische und dort bei allen christ- lichen Bauten vorkommende Kämpfer sich bei einigen karolingisch-deutschen Bauten ebenfalls vorfindet. In der Form eines verkröpften Architraves kommt ein Kämpfer


