Aufsatz 
Waren die ersten Christen Kommunisten?
Entstehung
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Verhältnis des Eigenthums. Völlige Gütergemeinſchaft konnte, ſchon weil die Chriſten mitten unter Andersgläubigen lebten, damals noch nicht eingeführt werden, aber jene Gründung einer Hülfskaſſe war ein Anfang dazu; und wo Chriſten wahrhaft chriſtlich leben wollen, da heben ſie, ſind ſie anders nicht durch äußere Verhältniſſe verhindert, ebenſo wie den Unterſchied zwiſchen Freien und Sklaven, ſo auch den zwiſchen Reichen und Armen auf; ſie führen völlige Gütergemeinſchaft ein. Und daß dies noch nicht häufig geſchehen, und daß es, wo es geſchehen, meiſt nicht von langem Beſtand war, zeigt nur, daß der wahre chriſtliche Geiſt, der Geiſt Chriſti, noch ſehr wenig in den Herzen der Menſchen die Herrſchaft erlangt hat. So unſere Gegner.

Was ſagen wir nun darauf? Was über die Sklaverei geäußert iſt, dem ſtimmen wir bei. Ob es aber, wie jene glauben, im Sinne Chriſti ſelbſt lag, daß bei den Menſchen das Sonder⸗ eigenthum aufgehoben werde, darüber müſſen wir die Evangelien zu Rathe ziehen; wir müſſen ſehen, welche Ausſprüche Jeſu ſelbſt auf die eine oder die andere Anſicht hinweiſen, und auch was uns ſein ganzes Auftreten unter den Menſchen darüber ſagt.

Es könnten uns vielleicht Stellen angeführt werden, wo Jeſus gegen das Sammeln von irdiſchen Schätzen und gegen die Reichen ſpricht. Alſo etwa Matth. 5, 19:Ihr ſollt euch nicht Schätze ſammeln auf Erden. Mark. 10, 23:Wie ſchwerlich werden die Reichen in das Reich Gottes kommen. Mark. 10, 25:Es iſt leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr(wahr⸗ ſcheinlich: ein ſchmales Pförtchen für Fußgänger an der Seite eines Stadtthores) gehe, als daß ein Reicher ins Reich Gottes komme. Luk. 12, 15:Sehet zu und hütet euch vor dem Geiz, denn niemand lebet davon, daß er viele Güter hat. Oder auch das Gleichnis von dem reichen Manne, der nicht reich war in Gott(Luk. 12, 1621).

Aber Jeſus ſpricht hier nur von dem irdiſchen Sinn, von dem Sinn eines ſolchen Menſchen, deſſen hauptſächlichſtes Streben das nach Reichthum iſt. Den Jüngern, die ſich über einen jener Ausſprüche entſetzen, ſagt er erklärend und beruhigend(Mark. 10, 24):Wie ſchwer iſt es, daß die, ſo ihr Vertrauen auf Reichthum ſetzen(alſo nicht gerade alle die, welche großes Ver⸗ mögen beſitzen) ins Reich Gottes kommen. Alſſo nicht gegen den Beſitz an ſich geht ſeine Rede.

Oder man könnte uns den reichen Jüngling vorführen, dem Jeſus(Matth. 19, 21) ſagt: Willſt du vollkommen ſein, ſo gehe hin, verkaufe, was du haſt, und gibs den Armen, ſo wirſt du einen Schatz im Himmel haben; und komm, und folge mir nach. Aber dieſem Jüngling, der in ſeiner ſelbſtgerechten Verblendung meinte, alle göttlichen Gebote von ſeiner Jugend an erfüllt zu haben, und der nun etwas Außergewöhnliches hören will, wodurch er das ewige Leben gewinnen könne, thut Jeſus nur ſeinen Willen und ſagt ihm etwas Außergewöhnliches. Er faßt ihn bei ſeiner ſchwachen Seite an und bringt ihn ſomit zum Bewußtſein, wie viel ihm noch fehle. Den Andern, die er zu ſeiner Nachfolge aufrief, ſeinen Apoſteln, hat er nicht das Gebot gegeben, alles zu verkaufen und das Geld den Armen zu geben; auch dem Zachäus hat er das nicht geboten, auch nicht ſeinen Freunden in Bethanien. Was Jeſus hier dem reichen Jünglinge ſagt, kann nicht als Regel gelten, nicht als Bedingung ſeiner Nachfolge.

Sein Reich warnicht von dieſer Welt, und alles, was er ſagte, bezog ſich auf dasHimmel⸗ reich, das nahe herbeigekommen. Aber nicht auf ein äußeres Reich, nicht auf äußere Staatsein⸗