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Allerdings beſtand noch keine vollkommene Gütergemeinſchaft; aber jenes theilweiſe Verkaufen von Gütern, jene Gründung einer offenbar im Verhältnis zum Vermögen der Einzelnen ſehr bedeu⸗ tenden Hülfskaſſe zeigt doch ein Streben nach Aufhebung der Vermögensunterſchiede; und wenn (Ap. Geſch. 4, 32) keiner von ſeinen Gütern ſagte, daß ſie ſein ſeien; wenn jeder ſie als ihm von Gott nur zur Verwaltung anvertraut betrachtete: ſo war nur noch ein Schritt übrig zur Verwaltung des ganzen Vermögens der Gemeinde durch einzelne von der Gemeinde dazu beſtimmte Männer, alſo zur völligen Aufhebung des Sondereigenthums, zur wahren Gütergemeinſchaft. Und dieſen Schritt würde die Gemeinde gethan haben, wenn ſie ſich ganz nach dem Sinne des Stifters weiter ent⸗ wickelt hätte.
So wäre alſo zurückzugehen auf Chriſtus ſelbſt. Und in der That ſtempeln ihn manche zu einem Lehrer des Kommunismus. Wir werden prüfen nüſſen, welchen Grund ſie dazu haben.
Vorerſt aber wollen wir unſere Gegner in ihrem Einwurfe noch fortfahren laſſen. Sie ſagen uns etwa folgendes.
Das Chriſtenthum will keine Einrichtung, die aus ſeinem Geiſte hervorgeht, mit Gewalt herbei⸗ führen, keine Einrichtung, die ſich mit ſeinem Geiſte nicht verträgt, mit Gewalt abſchaffen; es über⸗ läßt dies der allmählichen ruhigen Einwirkung des rechten chriſtlichen Sinnes auf die Gemüther der Menſchen. So iſt z. B. die Sklaverei, die offenbar dem Chriſtenthume widerſtreitet, im Laufe der Zeit allmählich überall da, wo chriſtlicher Sinn lebendig geworden iſt, abgeſchafft worden. In der Zeit der Apoſtel aber finden wir unter den Chriſten Sklaven und Sklavenbeſitzer. Zu den letzteren gehörte Philemon in Koloſſä. Ihm war ſein Sklave Oneſimus entlaufen und dieſer war zu Paulus nach Rom gekommen. Paulus, der als Chriſt die Sklaverei gewiß nicht billigen konnte, befahl ihm dennoch, zu ſeinem Herrn in das alte Verhältnis zurückzukehren; er gab ihm einen Brief an ſeinen Herrn mit, den wir noch beſitzen. In dieſem Briefe heißt es(Vs. 14), Philemon möge ihn„nun nicht mehr als einen Knecht, ſondern mehr denn einen Knecht, einen lieben Bruder“ wieder annehmen. Es iſt hiermit aber noch gar nicht geſagt, daß er ihm wirklich die Freiheit geben, daß er ihn zum Freigelaſſenen machen ſolle.— Auch an andern Stellen der apoſtoliſchen Briefe iſt von Knechten, d. h. hier überall Sklaven, die Rede. So ſagt Paulus 1 Kor. 7, 21:„Biſt du ein Knecht be⸗ rufen, ſorge dir nicht“; d. h. wenn du als ein Sklave den Ruf Gottes, zu ihm zu kommen, gehört haſt, ſo laß dich dies nicht kümmern; dieſes Verhältnis ſteht deinem Seligwerden nicht im Wege. Eph. 6, 5 heißt es:„Ihr Knechte, ſeid gehorſam euren leiblichen Herrn.“ An Timotheus ſchreibt derſelbe Apoſtel(Tim. 6, 1):„Die Knechte, ſo unter dem Joch ſind, ſollen ihre Herren aller Ehre werth halten.“ Und Petrus ermahnt(1 Petr. 2, 18):„Ihr Knechte, ſeid unterthan mit aller Furcht den Herren.“ Alſo die Sklaven, die Chriſten waren, ſollten ſich nicht mit Gewalt aus dieſem Zuſtande loslöſen.— Daß aber die Apoſtel die Sklaverei an ſich nicht billigten, geht auch aus einigen Stellen deutlich hervor. Nach der erſten der angeführten pauliniſchen Stellen leſen wir (1 Kor. 7, 4):„Doch kannſt du frei werden, ſo brauche dies viel lieber.“ Und in dem Epheſer⸗ briefe ruft Paulus(6, 9), nachdem er die Sklaven ermahnt hat, den Herren zu, die Sklaven menſchlich zu behandeln, und zu bedenken, daß ſie ſelbſt auch einen Herrn im Himmel haben.— Obgleich nun alſo die Apoſtel, als Chriſten, natürlich die Sklaverei nicht billigten, rüttelten ſie doch nicht an dieſer damals beſtehenden Einrichtung, ſondern ſie überließen ihre Abſchaffung der Zeit und dem tieferen Eindringen des chriſtlichen Geiſtes in die Menſchheit. Ebenſo iſt es nun mit dem


