Aufsatz 
Waren die ersten Christen Kommunisten?
Entstehung
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Dies muß erwieſen werden. Das iſt aber nicht ſchwer. Zu erweiſen iſt es aus der Apoſtel⸗ geſchichte ſelbſt.

Sogleich nach der zweiten der angeführten Stellen heißt es(Ap. Geſch. 4, 36. 37):Joſes aber, mit dem Zunamen von den Apoſteln genannt Barnabas, das heißt ein Sohn des Troſtes, vom Geſchlecht ein Levit aus Cypern, der hatte einen Acker, und verkaufte ihn, und brachte das Geld, und legte es zu der Apoſtel Füßen.

Wäre die Einrichtung eine bindende geweſen, hätte der Verkauf der Güter mit zu den noth⸗ wendigen Bedingungen des Eintritts in die Gemeinde gehört: ſo wäre nicht der mindeſte Grund vor⸗ handen geweſen, einen Einzelnen zu nennen, der dieſe Bedingung erfüllt hätte. Ohne Zweifel gab Barnabas der Gemeinde ein beſonders großes Geſchenk, und darum iſt er hier genannt. Darum empfing er gewiß auch damals ſchon großes Lob.

Unmittelbar darauf folgt nun in der Apoſtelgeſchichte(Kap. 5) die Geſchichte von Ananias. Dieſer, ein Mitglied der chriſtlichen Gemeinde, wollte, ſo haben wir uns vorzuſtellen, ähnliches Lob wie Barnabas erlangen; er verkaufte alſo auch einen Theil ſeiner Güter. Er behielt von dem Gelde etwas für ſich zurück, und brachte das übrige den Apoſteln, ſo als wäre es der volle Ertrag des Verkauften. Petrus durchſchaute ihn; machte ihm wegen ſeiner Lüge harte Vorwürfe; ſetzte(Vs. 4) hinzu:Hätteſt du ihn(den Acker) doch wohl mögen behalten, da du ihn hatteſt, und da er verkauft war, war es auch in deiner Hand; nämlich es ſtand dir frei, was du mit dem erlösten Gelde machen wollteſt.

Hier zeigt es ſich ganz klar: Ein Glied der Gemeinde war nicht genöthigt, ſeine Güter weder alle, noch auch einen Theil zu verkaufen und den Erlös als Eigenthum der ganzen Ge⸗ meinde zu geben; alſo es beſtand bei der erſten Chriſtengemeinde zu Jeruſalem keine Gütergemeinſchaft.

Die angeführten Ausdrücke in Kap. 2. 44. 45 und 4, 34. 35 ſind alſo, wie wir oben geſagt, nicht buchſtäblich zu faſſen. Sondern es war ſo, wie es Lisco in ſeiner Bibelausgabe richtig erklärt: Die Macht ihrer Liebe ließ ſie freiwillig, ohne Zwang von außen, ihre Güter, liegende Gründe, und Habe, andre Beſitzthümer, dahingeben, woraus eine gemeinſchaftliche Kaſſe zur nöthigen Unter⸗ ſtützung der Hilfsbedürftigen gebildet ward; völlige Gütergemeinſchaft, und ſomit Aufhebung des beſondern Eigenthums fand nicht ſtatt.

Dies wird beſtätigt durch die richtig erklärte Stelle Ap. Geſch. 4, 32:Die Menge aber der Gläubigen war ein Herz und eine Seele; auch keiner ſagte von ſeinen Gütern, daß ſie ſein wären, ſondern es war ihnen alles gemein.

Bei völliger Gütergemeinſchaft, bei Aufhebung alles Sonderbeſitzes, hätte es nicht heißen können von ſeinen Gütern. Da es ſo heißt, ſo gehörten ſie immerhin noch ihm, dem Einzelnen. Der Sinn iſt: Jeder ſah die ihm gehörenden Güter nicht als ſein ausſchließliches Eigenthum an, ſondern als ihm von Gott zur Verwaltung anvertraut, und den Ertrag verwendete er zum gemeinen Nutzen.

Deutlicher noch als aus der Luther'ſchen überſetzung geht dies aus einigen andern hervor, die ſich hier näher als Luther an den griechiſchen Ürtext anſchließen. Vulgata: Nec qnisquam eorum, quae possidebat, aliquid suum esse dicebat. van: Und nicht Einer nannte von ſeinem

Vermögen noch etwas ſein. Franzöſiſch(Oſtervald): Et personne ne disait que ce qu'il Mittlere Bürgerſchule. 2