Aufsatz 
Waren die ersten Christen Kommunisten?
Entstehung
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that, der dem Lehrerallerlei Gutes mittheilte, mußte doch auch Güter haben, mußte eigenes Ver⸗ mögen beſitzen. Zu vergleichen iſt Röm. 15, 27:So die Heiden ihrer(der ihnen von Jeruſalem zugekommenen) geiſtlichen Gaben theilhaftig werden, iſt es billig, daß ſie ihnen auch in leiblichen Gütern Dienſt erweiſen.

Eph. 4, 28 leſen wir die Mahnung des Apoſtels:Wer geſtohlen hat, der ſtehle nicht mehr, ſondern arbeite und ſchaffe mit den Händen etwas Gutes, auf daß er habe zu geben dem Dürftigen. Wo von Dürftigen die Rede iſt, kann keine Gütergemeinſchaft beſtanden haben.

An ſeinen Schüler Timotheus, den Vorſteher der Gemeinde zu Epheſus, ſchreibt Paulus (1 Tim. 6, 17):Den Reichen von dieſer Welt gebiete, daß ſie nicht ſtolz ſeien, auch nicht hoffen auf den ungewiſſen Reichthum, ſondern auf den lebendigen Gott. Alſo gab es Reiche unter den Chriſten zu Epheſus, alſo war da keine Gütergemeinſchaft.

Im zweiten Briefe an die Theſſalonicher heißt es(3, 11. 12):Wir hören, daß etliche unter euch wandeln unordentlich, und arbeiten nicht, ſondern treiben Vorwitz. Solchen aber gebieten wir, und ermahnen ſie, durch unſern Herrn Jeſum Chriſtum, daß ſie mit ſtillem Weſen arbeiten und ihr eigen Brot eſſen. Ihr eigenes Brot, alſo das ihnen als Lohn ihrer Arbeit zum beſondern Eigenthum gewordene. Auch hiermit verträgt ſich die Einrichtung der Gütergemeinſchaft nicht.

Die Korinther fordert Paulus auf, eine Liebesgabe nach Jeruſalem zu ſenden. Er räth ihnen(1 Kor. 16, 2):Auf jeglichen erſten Tage der Woche lege bei ſich ſelbſt ein jeglicher unter euch, und ſammle, was ihm gut dünkt.

Auch aus Stellen in den Briefen der andern Apoſtel und Schüler Jeſu zeigt ſich klar, daß bei denen, an welche dieſe Briefe gerichtet waren, keine Gütergemeinſchaft herſchte.

Petrus ſchreibt an kleinaſiatiſche Gemeinden(1 Petr. 4, 9):Seid gaſtfrei ohne Murmeln (ohne Unwillen, ohne ärgerlich zu ſein). Wären die Güter Eigenthum der ganzen Gemeinden geweſen, ſo hätte es ſich von ſelbſt verſtanden, daß der Fremde vom gemeinſamen Gute wäre ver⸗ pflegt worden.

Bei Johannes ſteht im erſten, wahrſcheinlich auch an kleinaſiatiſche Gemeinden geſchriebenen Briefe(3, 17):Wenn aber jemand dieſer Welt Güter hat, und ſiehet ſeinen Bruder darben, und ſchließt ſein Herz vor ihm zu, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm?

Jakobus, der an Judenchriſten in verſchiedenen Ländern(hin und her) ſchreibt, mißbilligt es(2, 2 4), wenn man bei den Verſammlungen einen Unterſchied zwiſchen Reichen und Armen machen und jenen beſſere Plätze anweiſen wollte; er tadelt(5, 4) ſcharf diejenigen Reichen, die ihrer Tagearbeiter Lohn verkürzen.

An all dieſen Stellen iſt von Sondereigenthum, an manchen iſt von Reichen und Armen die Rede. Es iſt klar: in allen jenen Gemeinden iſt keine Spur von Kommunismus zu finden, es herſchte auch nicht einmal eineArt von Gütergemeinſchaft. Jener Ausdruck in dem ſonſt ſo treff⸗ lichen Schloſſer'ſchen Geſchichtswerke iſt ein Fehler, der die Leſer leicht irreführen könnte.

Oder wird vielleicht jene Behauptung, die wir in Schloſſer leſen, durch andere, nichtchriſtliche Berichte bekräftigt? Die Quellen fließen hier nur ſehr dürftig. Tacitus, der bei Gelegenheit des Brandes von Rom unter Nero auf die Chriſten zu ſprechen kommt(Annal. 15, 44), drückt ſich nur ſehr allgemein aus; er wirft den Chriſten verderblichen Aberglauben und Feindſchaft gegen das menſchliche Geſchlecht vor; von ihren Lebenseinrichtungen ſagt er nichts. Der jüngere Plinius, um