Aufsatz 
Waren die ersten Christen Kommunisten?
Entstehung
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Prediger, Richter und Arzt. Dieſe communiſtiſche Anſiedelung hält ſich, weil ſie eine religiöſe Unter⸗ lage hat, während andere communiſtiſche Niederlaſſungen, denen ſolche Unterlage fehlte, bald wieder zerfielen.

Im Jahre 1805 verließ der Württemberger Rapp mit einer Anzahl gleichgeſinnter Lands⸗ leute ſein Vaterland, in dem, wie er glaubte, die rechte chriſtliche Lehre und alſo auch das rechte chriſtliche Leben nicht zu finden ſei, und zog nach Nordamerika. Dort gründete er eine Anſiedelung. Sie wollten nach dem Sinne der erſten Chriſten leben. Das angekaufte Land wurde zur Bearbeitung, nicht zum Beſitz, den Einzelnen vertheilt; jeder Anſiedler bekam ein Haus, auch nicht zum Eigenthum, ſondern nur um es zu bewohnen; der Ertrag der Ernte und der ſonſtigen Arbeit floß in eine gemein⸗ ſame Kaſſe; aus dieſer bekam jeder, was er brauchte; ein beſonderes Eigenthum, oder etwas, das ihm eigen gehörte, hatte keiner.

Beiläufig obgleich dies nicht eigentlich zur Sache gehört ſei bemerkt, daß der Zuſtand der einzelnen Mitglieder weit entfernt war von dem der Freiheit. Jeder mußte zu einer beſtimmten Stunde an die Arbeit gehen und ſie bis zu einer beſtimmten Stunde fortſetzen. Rapp war, obwohl er ſich ſogenannte Beiſitzer der Verwaltung gewählt hatte, doch thatſächlich Alleinherr. Dieſer Zuſtand der Unfreiheit wurde doch auch, wie ein ſchwerer Druck, ſchmerzlich empfunden. Sobald(im J. 1847) Rapp geſtorben war, hielten die Männer eine Verſammlung und beſchloſſen, die Häuſer und Ländereien, und was die Gemeinde ſonſt noch beſaß, zu vertheilen, ſo daß von da an jeder ſein Sondereigenthum hatte, mit dem er ſchalten konnte, wie es ihm gut ſchien.

Auch einige franzöſiſche Lehrer des Kommunismus oder Socialismus, wie Cabet, Proudhon, Lamennais, ſuchen mehr oder weniger eine Begründung ihres Lehrgebäudes durch das Chriſtenthum, wie ſie es auffaſſen, zu gewinnen.

Woher nun, ſo fragen wir, hatten dieſe Männer, woher hatte z. B. Rapp die Meinung ge⸗ ſchöpft, Gütergemeinſchaft ſei eine Einrichtung bei den erſten Chriſten geweſen? Woher wußte Schloſſer oder die Bearbeiter ſeines Werkes, daß die Schüler Jeſuüberall Gemeinden gründeten, dieeine Art von Gütergemeinſchaft unter ſich einführten?

Prüfen wir dies genauer.

Bald nach der Mitte des erſten Jahrhunderts unſerer Zeitrechnung gab es größere Chriſten⸗ gemeinden, außer in Jeruſalem, z. B. in Antiochia in Syrien, in Galatien, Koloſſä und Epheſus in Kleinaſien, in Theſſalonich und Philippi in Macedonien, in Korinth, in Rom. Welche Kenntnis ſchöpfen wir nun aus unſerer ſicherſten Quelle, dem Neuen Teſtamente, über dieſe Gemeinden?

Die antiocheniſche Gemeinde ſandte im Jahre 43, bei Gelegenheit einer Theuerung in Paläſtina, den dortigen Glaubensgenoſſen eine Liebesgabe. Ap. Geſch. 10, 29. 30 leſen wir:Unter den Jüngern beſchloß ein jeglicher, nach dem er vermochte, zu ſenden eine Handreichung den Brüdern, die in Judäa wohnten, wie ſie denn auch thaten, und ſchickten es zu den AÄlteſten durch die Hand des Barnabas und Saulus. Alſo ein jeglicher nach dem er vermochte, oder nach Maßgabe ſeines Vermögens. Alſo hatte ohne Zweifel der Eine ein größeres, der Andere ein geringeres Vermögen; alſo beſtand keine Gleichheit der Güter, und gewiß auch keineArt von Gütergemeinſchaft.

An die andern Gemeinden beſitzen wir Briefe des Apoſtels Paulus.

Den Galatern ſchreibt dieſer(Gal. 6, 6):Der aber unterrichtet wird mit dem Wort, der theile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet, alſo dem chriſtlichen Lehrer. Ein ſolcher, der dies