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Vorabend des Weltendes befand, ſo hielt man Alles, was nur zur Fortſetzung der Welt diente, für unnütz. Das Eigenthum war unterſagt.“
In Schloſſer's Weltgeſchichte für das deutſche Volk(ſowohl in der unter Mitwirkung des Verfaſſers von Kriegk bearbeiteten, Bd. IV S. 245, als auch in der neuen, von Jäger und Creizenach revidirten Ausgabe, Bd. III S. 388) ſteht:„Die Schüler des Gekreuzigten predigten ſeine Lehre mit verdoppeltem Eifer, gewannen ihr immer mehr Anhänger, und ſtifteten überall Gemeinden der Gläubigen, die ſich in Bruderliebe vereinten, ſich gegenſeitig unterſtützten, eine Art von Güter⸗ gemeinſchaft unter ſich einführten, und unerſchütterlich feſthielten an den Worten ihres Herrn und Meiſters.“
Hören wir nun auch einige entgegengeſetzte Stimmen.
Olshauſen, bibl. Commentar, Aufl. 2 Bd. II S. 646:„Was hier dieſes altchriſtliche Inſtitut anlangt, ſo können wir ſeit Mosheim's Unterſuchung die alte Anſicht als antiquirt betrachten, der zufolge jeder Beſitz unter den Chriſten aufgehört hatte.“
Neander, Geſchichte der Pflanzung und Leitung der chriſtlichen Kirche durch die Apoſtel, Aufl. 5 S. 28 f.:„Es war ſeit alter Zeit eine herrſchende Anſicht, daß der Geiſt der Bruderliebe dieſe erſten Chriſten getrieben habe, allem irdiſchen Eigenthum zu entſagen und eine vollſtändige Gütergemeinſchaft unter einander einzuführen.— Es läßt ſich aber eine ſolche Verſchmelzung alles Eigenthums in eine gänzliche Gütergemeinſchaft nicht wohl denken.“
Hundeshagen, in Herzog's Real⸗Encyklopädie(Communismus und Socialismus) Bd. III S. 25:„Durch ein mehr als tauſendjähriges Vorurtheil iſt alſo auch die erſte Chriſtengemeinde unter die communiſtiſchen Organismen eingereiht worden.“
Sudhoff, Geſchichte der chriſtlichen Kirche, S. 20:„Unſere Socialiſten und Communiſten — haben ſich einen chriſtlichen Titel zu erwerben gemeint, indem ſie ſich auf den Communismus der älteſten Kirche Gottes beriefen. Von ſolch äußerlicher Gütergemeinſchaft iſt in der Mutterkirche zu Jeruſalem Nichts zu finden.“
Übrigens iſt die Frage gar nicht immer eine bloß theoretiſche geblieben, oder es war ihre Be⸗ antwortung nicht immer bloß eine Sache der reinen Wißbegier. Es haben ſie im Laufe der Jahr⸗ hunderte manche bejaht, und ſie haben, zum Theil gerade weil ſie die Einrichtung der Gütergemein⸗ ſchaft als die urſprünglich chriſtliche anſahen, ſich bemüht, ſie, in engerem oder weiterem Kreiſe, ins Leben zu rufen. So in früherer Zeit einige Mönchsorden, in der Zeit der Reformation Thomas Münzer, die Wiedertäufer in Münſter, zum Theil die Libertiner in Genf, in unſerm Jahrhundert beſonders einige Württemberger und Franzoſen.
Andree(Nord⸗Amerika, 1851, S. 730 f.) ſagt:„Bei den in Zoar(in Ohio) angeſiedelten Schwaben beſteht noch Gütergemeinſchaft; ihr Vermögen beträgt nahezu eine Million. Die Mündigen wählen alle Jahre einen Vorſteher mit drei Aufſehern, von denen der erſte die Feldarbeiten leitet, der zweite das Bauweſen, der dritte Handel und Gewerbe. Nach ihrer Anweiſung und nach gemein⸗ ſchaftlicher Beſprechung wird gruppenweiſe gearbeitet; das Horn ruft zur Arbeit und zum Eſſen. Jeden Morgen iſt Geſang und Gebet mit Clavierbegleitung. Die Kinder werden vom dritten Jahre an in zwei Erziehungshäuſern von Frauen erzogen. Der Stifter der Gemeinde, Bäumler, iſt zugleich


