— 18—
lung genug hat, nicht zu fangen ſuchen, ſondern ſie in ihrem Leben beobachten.
Aber auch in einer früheren Lebensperiode werden die Thiere von ihm beobachtet: der rechte Schmetterlingsſammler iſt auch ein Raupenzüchter. Beim Aufſuchen der Raupen hat er auf ſo manche Zeichen zu achten; ſeine Beobachtungs⸗ kraft wird geſtärkt. Er muß die Nahrung der Raupen ken⸗ nen, es wird ſomit ſeine Kenntniß des zweiten Naturreiches gemehrt. Er muß ſeine Raupen täglich mit Futter ver⸗ ſehen; es iſt das eine beſtändige Sorge, die, ich möchte ſagen, Treue erfordert. Und wie viele Naturbeobachtungen ergeben ſich ihm! Er ſieht, wie die Thiere ſich häuten, wie ſie ſich einpuppen, wie die Puppe durchſcheinender wird. Und welche Freude, wenn dann eines Morgens in der Schachtel friſch und ſchön der Schmetterling ſitzt! Auch manche in andrer Beziehung recht belehrende Erfahrung kann er hierbei machen. Die Puppenhülle iſt ſchon geſprengt, bereits iſt der Kopf des Schmetterlings zu ſehen und die Fühlhörner beginnen ihr Spiel und die Füße des vorderen Paares ſuchen einen Stützpunkt. Der Knabe kann es kaum erwarten, den Vogel ganz enthüllt zu ſehen; er will ihm behülflich ſein, ihm die Mühe erleichtern: er ſchält ihn vollends aus ſeiner Hülſe. Was iſt der Erfolg? Schlaff hängen die Flügel am Leibe herunter, ſie bilden ſich nicht aus, der Schmetterling bleibt ein Krüppel. Liegt nicht hierin eine große Lehre, die Lehre nämlich, man dürfe nicht zu viel Hülfe leiſten, man müſſe der eigenen Anſtrengung das Nöthige überlaſſen? Und läßt ſich nicht dieſe Lehre auf die Verhält⸗ niſſe der Menſchen übertragen?—„Aber,“ wird mir ein⸗ gewendet,„ein Knabe denkt doch noch nicht ſo weit.“ Nun, ſo kann ich verſichern, daß ich einen Knaben gekannt habe, der gerade aus einem ſolchen verunglückten Hülfsverſuche,


