Schmetterling oder eine Münze richtig zu beſtimmen; er begnügt ſich nicht mit Oberflächlichem, Allgemeinem, nicht mit hohlen Phraſen. Dieſe Gründlichkeit und Genauigkeit, dieſe Gewiſſenhaftigkeit, an die er ſich bei ſeiner Liebhaberei gewöhnt hat, wird er ſpäter in andern Verhältniſſen des Lebens ſehr wohl brauchen können.
Der Sammler erwirbt ſich Kenntniſſe. Vorerſt zwar nur in einem einzelnen Fache des Wiſſens. Aber die ver⸗ ſchiedenen Fächer ſind ja nicht ohne Zuſammenhang unter einander. Wer Raupen ſucht, lernt auch die Pflanzen kennen, die dieſen zur Nahrung dienen; wer Verſteinerungen ſammelt, wird mit den Gebirgsarten, in welchen ſich dieſe finden, bekannt; der Briefmarkenſammler erweitert einiger⸗ maßen ſein geographiſches Wiſſen; der Münzſammler ſein geſchichtliches, auch kunſtgeſchichtliches.
Eine Hauptſache endlich iſt die, daß alle dieſe günſtigen Erfolge auf dem Boden der Freiheit erwachſen. Man nöthige einen Knaben, ſich z. B. eine Sammlung von Konchylien anzulegen, ſie zu beſtimmen, zu ordnen: dann wird er es ohne Luſt, wie etwas Befohlenes, thun, ja ſein inneres Widerſtreben wird gemehrt durch das ihm ſelbſt vielleicht nicht völlig klare, aber doch in ihm ſchlummernde richtige Gefühl, daß die Nöthigung hier nicht, wie wohl bei einer Schulaufgabe, eine berechtigte ſei. Es wird nichts Gedeihliches zu Tage gefördert werden. Man laſſe ihn aber ſeiner freien Neigung folgen, und ſtehe ihm nur höchſtens dann, wenn ein Rath gerne angenommen wird, berathend zur Seite: dann iſt alles anders. Dann, und nur dann allein, wird nicht nur, was das wenigſte iſt, die Sammlung ihren guten Fortgang haben, ſondern auch der Sammler ſelbſt wird, dadurch daß er ſelbſt denkt und ſinnt und handelt, zunehmen an Bildung, namentlich auch des Charakters. Dem Knaben


