Aufsatz 
Aus der Geschichte der Selektenschule : der ältesten höheren Schule Frankfurts am Main / von Karl Breuer
Entstehung
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Eine besondere Aufgabe der Schule ist in dieser Zeit der Not die Beschaffung einerHilfsbücherei, die die Schulbücher zum großen Teil den Schülern leihweise gegen geringes Entgelt zur Verfügung stellt. Dieser Aufgabe hat der Verein sein besonderes Augenmerk zugewandt und der Hilfsbücherei einmal größere Mittel zugewandt, sodann aber wurde diese durch das Mitglied unseres Vereins, Herrn Direktor Hornung, in einer vorbildlichen Weise geordnet, gebunden und katalogisiert und dauernd gepflegt, sodaß dieselbe musterhaft dasteht und segensreich wirkt. Inzwischen wurde durch den den höheren Schulen gesetzlich zu- stehenden Anteil vom Schulgeld ihrer Schüler die Hilfsbücherei stark vergrößert(ca. 1900 Bände), sodaß sie in dieser Zeit wirtschaftlicher Nöte ihre segensreiche Wirksamkeit noch wesentlich erweitern konnte.

Neben Werkunterricht und Hilfsbücherei bedürften unser blühender Stenographie-Kursus für eine stenographische Bibliothek und Buchprämien für besonders eifrige Stenographen, sowie unser emsig schaf- fendes Schul-Orchester für Noten und Saiten warmherzige Hilfe des Vereins. Durch Vermittlung des Ver- eins machen alle in der Kurzschrift fortgeschrittenen Schüler kostenlos einen Schreibmaschinenkursus von drei bis vier Monaten durch.

Die dritte Aufgabe des Vereins kommt den beiden ersten an Bedeutung gleich und unterscheidet ihn noch mehr von allen übrigen Vereinen: das ist seine Volksbildungsarbeit. Jede Schule hat heute in der Zeit größter geistiger Not des Vaterlandes die ernste Verpflichtung, die von ihr verwalteten geistigen Werte über den Kreis der Schüler hinaus auszustrahlen! Ein Brennpunkt geistiger Fortbildung für alle diejenigen zu werden, die außerhalb des Schulunterrichts stehen, ohne Unterschied des Alters, des Geschlechts, der sozialen Stellung. Wie will der Verein diese schwere Aufgabe erfüllen, die hohen idealen Schwung für Lehrer und Lernende verlangt? Der Lehrer verzichtet nicht nur auf jede finanzielle Auswirkung, sondern will aus der Fülle'seines Fachwissens, seines guten Willens und seiner Liebe zu seinem Volke denen mitteilen, die gleichen guten Willens sind, zu empfangen und sich fortzubilden trotz der alles erschwerenden Not. Die Volksbildung des Vereins lebt wie in früheren Zeiten von der Karitas. Sämtliche Veranstaltungen des Vereins sind daher grundsätzlich unentgeltlich und für einen durch Raum und Interesse beschränkten Kreis bestimmt

Wir haben begonnen mit Vorträgen, die auf einer geistigen Höhe verschiedener Grade standen und durch Bild und Film ergänzt wurden. Indem wir versuchten, jedem verständlich zu bleiben, haben wir einen Stamm von treuen Besuchern herangezogen. Den Herren Rednern, die ihre Kraft in warmherziger Weise unserem volksbildnerischen Streben zur Verfügung stellten, gebührt in besonderer Weise wärm- ster Dank.

Hier die Liste der bisherigen Vorträge:

Schuliahr 1920.

1. 16. Januar 1921: Lehrfilm-Vorführungen der Deutschen Urania G. m. b. H.

2. 24. Februar 1921: Von der Wunderscheibe bis zum Laufbild. Vortrag von Dr. ing. G. Büttner.

3. 13. März 1921: Capri. Vortrag mit Lichtbildern von Direktor Dr. K. Breuer.

4. 18. Mai 1921: Auswahl und Ausbildung der erfinderisch Begabten. Redner: Dr. Horst, Neckar- Gemünd.

Schuljahr 1921.

1. 25. Oktober 1921: Dante. Vortrag mit Licht bildern. Redner: Schriftsteller K. Heydecker.

2. 11. November 1921: Literarische Einflüsse Dantes auf Michelangelo. Vortrag mit Lichtbildern von Dr. L. Pfeil.

3. 25. November 1921: Die Reiform des Unterhaltungsfilms. Vortrag mit Filmvorführung von Direk- tor Dr. K. Preuer.

4. 8. Dezember 1921: Paris; ein historischer Gang durch die Stadt. Vortrag mit Lichtbildern von Studienrat Grote.

5. 13. Januar 1922: Räuberunwesen am Ende des 18. und zu Anfang des 19 Jahrhunderts. Vortrag von Studienrat A. Schmitt.

6. 27. Januar 1922: Häuser und Menschen aus dem alten Frankfurt. Vortrag mit Lichtbildern von Diplomkaufmann Bernhardt.

7. 10. März 1922: Mittelalterliche Madonnenbilder. Vortrag mit Lichtbildern von Zeichenlehrer W. Maurer.

Schuliahr 1922.

1. 24. November 1922: Longfellow: Ein amerikanisches Dichterbild. Vortrag von Direktor Dr. K. Breuer. 2. 8. Dezember 1922: Beethoven. Vortrag von stud. phil. Krebs unter Mitwirkung eines Künstler- quartetts. 3. 15. Dezember 1922: Die Bedeutung des städtischen Berufsamtes in der wirtschaftlich Zeit. Vortrag von A. Menne, Direktor des städtischen Berufsamtes. en Not der 4. 16. Februar 1923: Die künstlerische und ästhetische Rechtfertigung des Baro Lichtbildern von stud. jur. O. Breuer. aroot. Vortras mit 5. 1. März 1923: Hermann Löns. Vortrag von Stadtschulrat Henze unter musikalisch itwi von Herrn und Frau Dr. Bardorf. cher Mitwirhung