Aufsatz 
Aus der Geschichte der Selektenschule : der ältesten höheren Schule Frankfurts am Main / von Karl Breuer
Entstehung
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Ueber die

Aufgaben des Selektenschulvereins. sprach in einer Mitglieder-Versammlung v. 22. II. 24 der Direktor:

Deer Selektenschulverein E. V. unterscheidet sich wesentlich von allen anderen Schulvereinen durch seine Zusammensetzung, seine Aufgaben und sein Ziel. Hr ist sich ausdrücklich seiner Notwendigkeit bewußt und sucht diese auch in seiner stillen, aber sehr intensiven und ununterbrochenen Arbeit zu beweisen.

Die erste Aufgabe des Vereins ist der feste und einheitliche Zusammenschluß möglichst aller Schüler- Eltern und aller ehemaligen Selektenschüler zu einem starken Block von Interessenten der Schule. Die Mit- gliedschaft fast restlos aller Schüler-Eltern ist Tatsache und beweist, wie verständnisvoll unsere Eltern dem neuen Aufbau des katholischen Gymnasiums gegenüberstehen. Die ehemaligen Schüler sind erst teil- weise und in noch unzureichender Weise Mitglieder des Vereins; seine Erklärung findet dies in mannig- facher Hinsicht: Unbekanntsein mit dem Verein und seiner dringenden Notwendigkeit, Entfremdung von der Schule infolge der Jahre, Verbindung mit einer anderen Schule infolge des bisherigen zwangsweisen Ueberganges in diese andere Schule, durch wirtschaftliche Not hervorgerufene Interesselosigkeit und Un- vermôgen u. a. Hier liegt also ein wichtiges Arbeitsfeld des Vereins, die ehemaligen Schüler der alten Selektenschule in größerer Zahl zu gewinnen. Diejenigen, die jetzt unsere ganze Anstalt durchlaufen, wer- den beim Abgang gleich für unseren Verein gewonnen. Allerdings gehört die geringere Zahl der ehemaligen Schüler zu den besten, tatkräftigsten und weitschauendsten Mitgliedern. Sollte ein alter Selekten- schüler diese Zeilen lesen, so seien diese eine herzliche un d dringende Bitte zum Beitritt in den Verein.

Das Band, das alle Mitglieder umschließt, ist wohl das festeste, da es die auf gemeinsamer und uner- schütterlicher Weltanschauung beruhende Erkenntnis von der Notwendigkeit einer Erziehung ist, die eine harmonische Ausbildung für den schweren Diesseitskampf, wie für das hohe Jenseitsziel gewährleistet.

Die zweite Aufgabe des Vereins ist die tätige Mithilfe und Beratung beim Umbau und Aufbau der neuen Selektenschule zur Wahrung des lebendigen Zusammenhanges der Schule mit den im praktischen Leben stehenden Kreisen der Schüler. Da wir entsprechend den wirtschaftlichen und erzieherischen Notwen- digkeiten dem Reform-Aufbau der Anstalt alle die Erfahrungen zugute lassen kommen wollen, die sich aus der letzten Vergangenheit für eine moderne Erziehung ergeben. so haben wir dem wissenschaftlichen Unter- richt der Schule den Werkunterricht angegliedert: 1. Tonarbeiten(für Erd-, Heimat- und Naturkunde). 2. Papp- und Buchbinderarbeit, 3. Schreinerei, 4. Druckerei, 5. Metallarbeiten. Hier galt und gilt es, eine drei- fache Aufgabe bei der Einrichtung der Werkstätten zu erfüllen: 1. Einrichtung derselben, 2. Lehrplan, 3. harmonische Verbindung der einzelnen Zweige mit dem wissenschaftlichen Unterricht. Bei der ersten und zweiten Aufgabe konnten wir uns oft auf die Erfahrungen der letzten 25 Jahre an anderen Anstalten stützen. Jedoch kamen uns hier bei den für unsere Anstalt besonders gelagerten Verhältnissen und bei den der Zeit- not entsprechenden Interessen in wertvollster und uneigennütziger Weise die Mitglieder unseres Vereins mit Rat und Tat zu Hilre. Männer, wie Direktor A. Brecht(Adlerwerke), Direktor H. Schauer(Hartmann & Braun), Direktor A. riornung(Pintsch A.-G.), Kaufmann W. Weil, Kaufmann P. Kirschbaum, Ingenieur Nl. Gachot, Krankenkassen-Vorsteher H. Wolf seien in Lankbarkeit hier genannt, da sie in hervorragender und vorbildlicher Weise andere Mitglieder des Vereins für die Durchführung notwendiger Aufgaben be- geisterten und selbst autfs tatkräftigste uns Hilfe angedcihen ließen.

Im engen Kreise der Fachlehrer haben wir die Lehrpläne beraten und aufgebaut, wobei wir uns die Ratschläge der Fachmitglieder des Vereins stets angelegen sein ließen. Dauernd sind wir an der Arbeit, nicht nur die hohen erzieherischen und praktischen Werte des Werkunterrichts zu heben, sondern auch in stillen Beratungen die Verbindung zwischen dem Werkunterricht und dem wissenschaftlichen Unterricht Zu knüpfen.

Die Erstellung der vielseitigen und vielgegliederten Werkstätten ist ein unvergängliches Verdienst des Vereins, und ehrend sei die Opferwilligkeit aller Mitglieder erwähnt, sei es, daß sie selbst die Geldmittel, Werkzeuge und Material stifteten und stiften, oder andere Gönner durch ihre Beziehungen dazu veranlaßten.

Für die ständige geistige Belebung und Befruchtung des Werkunterrichts und für die finanzie 1 e Durchführung desselben sind die durch den Verein vermittelte fachmännische Beratung und Aufbrin- gung notwendiger Mittel unbedingt notwendig.

Aus den Mitteln des Vereins konnten alle Klassen einen KruzifiXxus in kunstvoller flolzschnitz- arbeit der verschiedensten Stilarten aus der Hand des Frankfurter holzschnitzmeisters Straszewski erhalten.

konnte dank der Vereinsmittel der künstlerische Wandschmu k der Schule in veferner Weise vermehrt werden durch die Laokoon-Gruppe, Michelangelo: Moses und Pietä, Künstler- Steinzeichnungen: Schloß Eltz, Drachenfels, Ordensritterburg Rheden i. W.Pr., Rothenburg 0. I. Johan- nistor in Jena, Schloß Corvey; ferner durch die Rahmung von 33 gestifteten Bildern zur Kunst und Ge- schichte der Rheinlande, sowie von Porträts dreier früherer Leiter der Selektenschule, der Inspektoren Dr. Wedewer(184371), Dr. Becker(1871 81), Dr. Thormann(1881 1905), endlich durch Anschaffung eines Goethe-Bildnisses von J. Stieler.