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Absplitterung der Städte, wie sie bei den Katholiken eingetreten war, zu vermeiden und als geschlossene einheitliche Masse ihre Forderungen zu vertreten.
Karl und Ferdinand konnten mit diesen Antworten ganz zufrieden sein, von allen Seiten war ihnen eine feste Zusage gemacht worden; es galt jetzt nur noch, die Protes- tanten zu gewinnen, was nicht so schwierig schien. Hoffte doch man schon auf protestan- tischer Seite, daß der Reichstag nicht lange dauern werde, ebenso tauchte auf beiden Seiten das Gerücht auf, daß Ferdinand in wenigen Tagen nach Erlangung der Hilfe abreisen werde. Wenn dies Gerücht auch sicher übertrieben war, als ganz unbegründet konnte es nicht erscheinen. War doch unter den Schmalkaldenern trotz des Naumburger Beschlusses und seiner Erneuerung in Regensburg, alle für einen Mann zu stehen und sich in dieser Angelegenheit nicht zu trennen, die Einigkeit nicht mehr so groß. Ganz abgesehen davon, daß man doch auch hier Ferdinands Notlage sich nicht verschließen konnte, vor allem unter den Häuptern des Bundes herrschte in dieser wichtigen Frage keine Einigkeit. Philipp von Hessen, den Karl ja hier durch eine meisterhafte Politik an sich zu fesseln gewußt hatte, war der Leistung der eilenden Hilfe nicht abgeneigt, und dementsprechend hatten seine Gesandten sie auch bei den Bundesmitgliedern, allerdings vergeblich, durch- zusetzen versucht; ebenso war man auf Augsburgischer Seite gewillt, im Falle der äußersten Not dem Könige die geforderte Unterstützung bedingungslos zu gewähren. Im Gegensatæ zu solchen Anschauungen war der Kurfürst von Sachsen entschlossen, grade die Not Perdinands ordentlich auszunützen, um für die Protestanten möglichst günstige Bedingungen durchzusetzen: ebenso waren die Frankfurter Gesandten nicht geneigt, ohne die Gewährung der protestantischen Forderungen die Hilfe zu leisten; es wäre grade, so schreiben sie am 5. Juli, als ob man das Wasser aus den eignen Häusern zum Löschen an anderen Orten gebrauchen wollte, während man ein großes Feuer im eignen Hause zu befürchten habe. Für Karl kam es daher darauf an, diese zwiespältige Stimmung geschickt zu benutzen und zu versuchen, durch ein Entgegenkommen seinerseits auch die noch Widerspenstigen unter den Gegnern zu gewinnen. Zunächst allerdings, in seiner Antwort vom 30. Juni, der sich auch Ferdinand anschloß, bemühte er sich noch, die Schmalkaldener durch den Hinweis auf die dringende Not, die keine Verzögerung mehr dulde, zum Fallenlassen ihrer Bedingungen zu bewegen; mundgerechter suchte er ihnen dies Verlangen dadurch zu machen, daß er sie daran erinnerte, wie er ja den Reichstag auch wegen der Erledigung von Frieden und Recht ausgeschrieben habe und wie er deshalb sofort nach Erledigung der eilenden Hilfe diese Angelegenheit zur Beratung stellen wolle. Nit dieser Zusicherung erklärten sich die Katholiken einverstanden; nachdem sie ihre Geneigtheit zur Hilfeleistung ausgesprochen hatten, baten sie den Kaiser nur noch, vor Schluß des Reichstages diese beiden Punkte zu erledigen, und unterließen es nicht, noch besonders hervorzuheben, daß es gar nicht ihre Absicht gewesen sei, ihm ohne Friede und Recht die Hilfe zu versagen; durch die Aufstellung ihrer Forderung hätten sie ihn vielmehr nur an seine Zusage erinnern wollen- Dagegen beharrten die Protestanten der Hauptsache nach auf ihrer Forderung, indem sie sich auf ihre dahin lautenden Instruktionen beriefen; um aber auch ihrerseits etwas Ent- gegenkommen zu beweisen, machten die Gesandten, in der Hoffnung auf spätere Zu- stimmung ihrer Herren, den Vorschlag, der Kaiser solle bei den Katholiken einen fried- lichen Anstand von 6—8 Jahren zu erhalten suchen, während dessen Dauer das Wormser Edikt nebst dem Augsburger Reichsabschied aufgehoben, die gegen sie anhängigen Kammergerichtsprozesse wie die bereits ausgesprochenen Achtserklärungen suspendiert und


