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erlangen, und dann hatte Karl ihn selbst noch ermahnt, erst den Erfolg der Belagerung Ofens abzuwarten, da sein Erscheinen in Regensburg gegen Ende des Reichstages voll- kommen genüge. Der mißglückte Sturm machte jedoch sein persönliches Eintreten für die so schnell wie möglich aufzubringende Unterstützung dringend notwendig, zumal ein Ver- such, Mitte Juni Ofen durch Verrat zu nehmen, ebenfalls gescheitert war. Bereits einen Tag nach seiner Ankunft fand eine Versammlung aller Reichsstände statt, bei der Katholiken und Protestanten sich gemeinsam in ihren Räten eingefunden hatten; in Hinblick auf die Notlage ließ der Kaiser um die sofortige Beratung der eilenden Hilfe bitten, gleichzeitig ersuchte er, um auch sein Entgegenkommen zu beweisen, die Stände um Vorschläge über die Herstellung von Frieden und Recht. Im Fürstenrat brach aber ein derartig heftiger Sessionsstreit zwischen den Protestanten und Katholiken aus, daß eine Beratung nicht zustande kam. Man kann den Frankfurter Gesandten die Erbitterung nachfühlen, mit der sie dem Rate dies unliebsame Ereignis mitteilten, das sie als eine Plage Gottes ansahen, da der Türke jetzt mit einem so gewaltigen Heere heranrücke. Resignierter faßten die Augsburger Gesandten den Streit auf; ihnen war es ein alter Mangel, der der deutschen Nation schon oft genug geschadet habe. Um so eifriger bemühte sich jetzt Ferdinand, der von nun an durchaus als das treibende Moment bei den folgenden Verhandlungen erscheint, die Reichshilfe zu erlangen. An demselben Tage hatte er noch eine mehrstündige Unter- redung mir seinem Bruder, aber die Annahme der Augsburgischen Gesandten, daß die Beratungen den folgenden Tag wieder aufgenommen werden würden, bestätigte sich nicht. Zwei Tage stockten sie vielmehr vollkommen, währenddessen Karl und Ferdinand mit ihren Räten die Angelegenheit eifrig erörterten. Das Ergebnis ihrer Beratungen war, daß am 25. Juni Ferdinand einen Versuch machte, ob er persönlich mehr erreichen würde. In beweglichen Worten ließ er den Reichsständen durch seinen Vizekanzler Ginger die Not Ungarns schildern und an erster Stelle um die sofortige Bereitstellung wenigstens der eilenden Hilfe ersuchen, damit hierdurch die drohende Entsetzung Ofens noch verhindert werden könne, an zweiter ließ er um die beharrliche Hilfe ersuchen. Eine gemeinsame Beratung herbeizurufen, gelang ihm allerdings nicht, er setzte es aber trotz des Wider- standes der Katholiken durch, daß man der Erörterung der eilenden Hilfe, wenn auch nur unverbindlich, näher trat. Eile tat not, denn immer bedrohlicher lauteten die Nachrichten aus Ungarn, die Ferdinand unverzüglich den Ständen mitteilen ließ. Nach Zzweitägiger Beratung trafen, nachdem die beiderseitigen Versuche, eine gemeinsame Antwort herbei- zuführen, gescheitert waren, die Antwort der Protestanten wie der katholischen Kurfürsten und Fürsten ein, denn die katholischen Städte hatten sich, da sie sich wieder zurückgesetzt fühlten, von ihnen getrennt und übergaben besonders dem Kaiser ihre Antwort. Die katho- lischen Fürsten erklärten unter der Voraussetzung, daß inzwischen im Reiche Friede und Recht erhalten und gehandhabt werde, ihre Bereitwilligkeit, dem König drei, im Notfall auch vier Monate einen halben Romzug, d. h. 10,000 Mann zu Fuß und 2000 Reiter für die eilende Hilfe zu bewilligen; auch die Beratung der beharrlichen Hilfe wiesen sie nicht zurück. Im Gegensatz hierzu war die protestantische Bewilligung der eilenden Hilfe in der Stärke eines halben Romzuges für vier Monate an die Erfüllung der alten Wünsche ge- bunden; für die Leistung weiterer Unterstützung hatte man sich die Forderung der Städte nach einer neuen gleichmäßigen Anlage, wie sie jetzt die katholischen Städte in ihrer be- sonderen Erwiderung an Ferdinand schon für die eilende Hilfe verlangten, ganz zu eigen gemacht, der beste Beweis, wie sehr man auf protestantischer Seite sich bemühte, eine


