— 9—
und den Städten wegen der Stimmberechtigung. Da auch die katholischen Kurfürsten sich mit den Fürsten über eine gemeinsame Antwort nicht verständigen konnten, so kam es zu drei besonderen Bedenken der Katholiken, die am 17. Juni im Rate verlesen und dann Karl zugestellt wurden, so daß das Reich jetzt, wie es die Würzburger Räte nicht genug beklagen konnten, in vier Teile gespalten war. Trotzdem waren die vier Schriftstücke, So verschieden sie auch in den Einzelheiten waren, doch in der Hauptsache einig, denn aus allen ergab sich einmal in Hinsicht auf die drohende Gefahr die Geneigtheit, die eilende Hilfe zu leisten, ebenso knüpften alle diese Hilfe an die Erfüllung gewisser Bedingungen. Da die katholischen Kurfürsten und noch schärfer die Fürsten verlangten, daß, bevor die eilende Hilfe geleistet werden könne, im Reiche erst Friede und Recht erhalten und gehand- habt werde, so schienen sie sich mit dieser Forderung den protestantischen Standpunkt zu eigen gemacht zu haben, doch es war ein großer Unterschied für den Kaiser, ob er nur die katholische Forderung zu bewilligen hatte, die doch im Grunde nur auf eine Erneuerung des Landfriedens und eine weitere Unterhaltung des Kammergerichtes in der alten Be- setzung hinauslief, oder ob er dem protestantischen Ansinnen sich fügen sollte, das doch nichts anders als„eine dauernde Sicherstellung vor tätlicher und rechtlicher Vergewaltigung“ war. Am meisten näherten sich noch dem protestantischen Standpunkte die katholischen Städte, begreiflich genug, da die Städte ja überhaupt unter der Unsicherheit der ganzen Verhältnisse am meisten zu leiden hatten. Außerdem tauchte für den Kaiser noch eine neue Schwierigkeit auf, als alle Städte, katholische wie protestantische, schon jetzt zu dem Beschluß kamen, die beharrliche Hilfe nur dann zu bewilligen, wenn die Lasten gleich. mäbßiger verteilt würden und deshalb an Stelle der alten Anschläge eine neue bessere Erhebungsart trete. Für Karl kam es zunächst aber darauf an, die Zersplitterung, die die Verhandlungen sehr erschwerte, zu beseitigen und die Stände trotz aller Bedenken wegen des Ausbruches von Sessionsstreitigkeiten zwischen den protestantischen und katholischen Fürsten wieder zu gemeinsamer Beratung zu veranlassen; jedenfalls hatte sich gezeigt, daß es ohne Zwistigkeiten einmal nicht abging, und da mußte ihm eine Verhandlung mit zwei Parteien immer noch leichter und zweckdienlicher erscheinen als eine solche mit vieren. Mit diesem Wunsche nach gemeinsamer Beratung kam er nur einem solchen der katholischen Fürsten entgegen, die bereits aus sich heraus den Beschluß gefaßt hatten, deshalb den Bischof von Brixen zu ihm zu schicken. Nachdem dann Karl am 19. Juni die Stände durch Naves um Beschleunigung ihrer Beratungen ersucht hatte, wobei die Reichs- städte nicht verfehlten, dem Vizekanzler ihre Beschwerden über die Fürsten vorzubringen, erschien am folgenden Tage in kaiserlichem Auftrage wieder Pfalzgraf Friedrich vor allen Ständen wie auch noch besonders vor den Protestanten und verlangte eine gemeinsame Antwort. Die Protestanten erklärten schließlich ihre Bereitwilligkeit, aber nur zu unver- bindlichen Verhandlungen, so daß, wenn ihre Forderungen nicht ihrem Verlangen ent- sprechend erledigt würden, sie zu nichts verpflichtet seien. Ebenso erklärten sie ausdrück- lich, einen etwaigen Mehrheitsbeschluß nicht anerkennen zu wollen. War daher ihre Zustimmung zur weiteren Beratung auch nur eine bedingte, ein Fortschritt war es für Karl immerhin, und er konnte für die Zukunft noch mehr erwarten, als an demselben Tage, Wo er diese Antwort erhielt, Ferdinand in Regensburg eintraf, der als der am meisten Interes- sierte auch am meisten Karl unterstützen mußte.
Ursprünglich hatte man seine Ankunft schon viel eher erwartet, aber einmal hatte er in seinen Ländern noch genügend zu tun gehabt, um von ihnen eine Unterstützung zu


