Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Regensburger Reichstages vom Jahre 1541
Entstehung
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hatten auch die Schmalkaldener sofort in ihrer Antwort vom 90. April auf Karls Proposition ihre Zustimmung zu einer Hilfe von der Erfüllung dieser beiden Wünsche abhängig gemacht. Zunächst allerdings hatte diese Forderung praktisch noch nichts zu bedeuten, da, wie erwähnt, während der Monate April und Mai die Türkenfrage hinter der Religionsfrage ganz zurücktrat. In Fluß kam diese ganze Angelegenheit erst Anfang Juni, als, wie oben erwähnt, einmal die Aussichten Karls auf die religiöse Vergleichung gescheitert und dann durch den mißlungenen Sturm vom 2. Juni Ferdinands Hoffnung auf die Eroberung Ofens wenn auch nicht ganz geschwunden, so doch stark herabgemindert war, namentlich da an dem bevor- stehenden Anmarsch der Türken nicht mehr zu zweifeln war.

Die Ereignisse überstürzten sich jetzt förmlich in den folgenden Tagen. Noch bevor Karl von dem Mißgeschick seines Bruders etwas wußte, knüpſte er, als er am 8. Juni den Ständen das Regensburger Buch übergab, zum Schluß die Bitte daran, jetzt auch die weiteren Artikel der Proposition zu beraten, und zwar vor allem die Türkenhilfe und Friede und Recht. Den folgenden Tag erschien vor den Reichsständen eine ungarische Gesandtschaft, deren Sprecher Frangipani die Not Ungarns mit derart lebhaften Farben schilderte, daß er einen Teil der Fürsten bis zu Tränen rührte. Der Eindruck seiner Rede wurde noch gesteigert, als Karl die neuen Nachrichten über den mißlungenen Sturm aus Ofen verlesen ließ. Dem Bittgesuch der Ungarn schloß sich am selben Tage noch ein Vortrag einer österreichischen Gesandtschaft an, die ebenfalls flehentlich um Hilfe bat. Hierauf trat diese Frage jetzt gegenüber der religiösen durchaus in den Vordergrund, wenn- gleich die Verhandlungen über diese letztere sich noch bis in den Juli hineinzogen. Beide Parteien, Katholiken wie Protestanten, mußten jetzt Stellung zu ihr nehmen. Betreffs der ersteren durfte Karl hoffen, daß sie sich mit Rücksicht auf die Notlage der Hilfe gegenüber nicht ablehnend verhalten würden, und mit einiger Ubertreibung wußte Norone bereits wenige Tage nach dem Ersuchen Karls zu berichten, daß die Katholiken zur Unterstützung sehr bereit seien. Viel wichtiger aber war für den Kaiser die Stellungnahme der Protes- tanten. Gemäß den Naumburger Beschlüssen einigten sich die Schmalkaldener noch am 13. Juni dahin, ohne die Gewährung von beständigem Frieden und gleichmäßigem Recht keine Hilfe zu leisten und in dieser Angelegenheit für einen Mann zu stehen. Einen Tag darauf, am 14. Juni, ließ Karl, der am 9. Juni erst im allgemeinen um Beratung auch dieser Angelegenheit ersucht hatte, durch den Pfalzgrafen Friedrich, der sich nicht nur bei Karl, sondern auch bei den Ständen eines großen Ansehens erfreute, einen ausführlicheren Vor- trag den Ständen über diese Angelegenheit halten, und zwar den Protestanten und Katho- liken gesondert, um auf diese Weise den Sessionsstreitigkeiten zwischen den einzelnen Fürsten, die auch hier schon die Verhandlungen unliebsam gestört hatten, möglichst vorzu- beugen. Karl ließ jetzt in erster Linie um eine eilende Hilfe bitten, an die sich dann eine beharrliche anschließen sollte; gleichzeitig hiermit ließ Ferdinand, dessen Ankunft sich infolge der ungarischen Ereignisse noch verzögert hatte, eine Schrift durch seine Räte überreichen, in der er die gleiche Bitte aussprach. Die Antwort der Protestanten erging bereits den nächsten Tag und fiel wie zu erwarten aus; sie erklärten sich im allgemeinen zur Unterstützung bereit, machten aber ihre Leistung von der Erfüllung ihrer beiden For- derungen abhängig.

Im Gegensatz zu dieser schnellen protestantischen Antwort verzögerte sich die der Katholiken, und zwar grade wegen des Ausbruches von Sessionsstreitigkeiten, allerdings nicht unter den Fürsten, wie Karl gefürchtet hatte, sondern wieder zwischen den Fürsten