Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Regensburger Reichstages vom Jahre 1541
Entstehung
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gingen die Nachrichten dahin, daß die Türken seiner Ansicht nach dies Jahr mehr eine Flottenunternehmung als einen Landangriff gegen Ungarn vorzuhaben schienen; trotzdem hatte Laski aber auch nie verfehlt, Ferdinand zur Gegenwehr zu ermahnen, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Die Ermahnungen waren überflüssig gewesen, denn der König hatte schon vorher sich selbst bemüht, mit Unterstützung seiner Länder möglichst zahlreiche Truppen aufzubringen, da er selbst die Offensive ergriffen hatte, um Ofen den Türken wieder zu entreißen; ebenso hatten Vertreter seiner Landschaften und dann er selbst Contarini noch vor Beginn des Reichstages gebeten, sich bei dem Papst um Hilfe für ihn zu verwenden. In Regensburg war darauf der päpstliche Legat von dem Bischof von Agram im Namen der ungarischen Stände sogar angegangen worden, Karl dahin zu be- wegen, die Religionsangelegenheiten einstweilen bei Seite zu stellen und seine ganze Auf- merksamkeit der türkischen Angelegenheit zuzuwenden, ein Ansuchen, das Contarini mit umso größerer Berechtigung ablehnen konnte, als die Nachrichten aus Ungarn für Ferdinand günstig lauteten und die geplante Eroberung Ofens in den Bereich der nahen Möglichkeit gerückt zu sein schien. Da berichtete Laski in denselben Tagen, in denen Karl die Aus- sichtslosigkeit seiner religiösen Einigungsverhandlungen einsehen mußte, als feststehende Tatsache, daß der Sultan persönlich mit einem gewaltigen Heere im Juni nach Ungarn aufbrechen werde. Für Ferdinand mußte diese Meldung ein Antrieb mehr sein, Ofen, dessen Belagerung er am 3. Mai ernstlich begonnen hatte, vor der Ankunft dieses Entsatzheeres zu nehmen; bereits Ende Mai hoffte man in Regensburg ebenso wie auch Ferdinand auf die baldige Kunde von der Eroberung Ofens. Jedoch bitter sollte man sich getäuscht haben; der Sturm am 2. Juni war vergeblich, die Angreifer büßten ihn mit einem nicht unerheb- lichen Verluste von Toten und Verwundeten. Dazu kamen immer neue Nachrichten von Laski, daß ein starkes türkisches Heer Ende Juni zum Entsatze Ofens heranrücken würde.

Unter diesen Umständen blieb Karl nichts anderes übrig, als mit allem Ernst sich der türkischen Angelegenheit zuzuwenden. Freilich, er selbst konnte Ferdinand nicht helfen; waren doch bereits seine Vorbereitungen und Rüstungen für die Algierische Expedition soweit vorgeschritten, daß, selbst wenn er es gewollt hätte, er sie nicht mehr rückgängig machen konnte. Da Ferdinand hierdurch auf sich allein angewiesen blieb, mußte Karls Hauptaugenmerk darauf gerichtet sein, die deutschen Stände zur energischen Unterstützung seines Bruders zu veranlassen. Und da war die wichtigste Frage, wie die Protestanten sich zu dieser Hilfeleistung stellen würden. Einerseits war es klar, daß sie wie früher auch die jetzigen für sie so günstigen Umstände benutzen würden, um möglichst viel Vorteile für sich herauszuschlagen, andererseits war es ebenso ohne weiteres einleuchtend, daß an eine energische Bekämpfung der Türken ohne ihre Unterstützung nicht zu denken war. S0 galt es für Karl einen neuen diplomatischen Waffengang mit den Protestanten; es mußte sich zeigen, ob er, nachdem er eben im Kampfe mit den Protestanten und Katholiken zusammen unterlegen war, hier wenigstens, wo er es nur mit ihnen allein zu tun hatte, ihrer Meister wurde.

Mit der Türkengefahr hatte sich bereits der schmalkaldische Bundestag zu Naum- burg beschäftigt, und es war dort von den Schmalkaldnern beschlossen worden, nur gegen Zusicherung eines beständigen Friedens und gleichmäßigen Rechtes Hilfe zu leisten, d. h. sie verlangten äußere Sicherstellung gegen etwaige Angriffe wegen ihrer Religion und dann Neubesetzung des Kammergerichtes in protestantischem Sinne, das eben dank seiner Be- setzung neue Prozesse gegen die Protestanten anhängig gemacht hatte. Dementsprechend