Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Regensburger Reichstages vom Jahre 1541
Entstehung
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daß diese ihren cignen Weg gehen und so eine neue Partei entstehen würde, mit der er zu unterhandeln habe.

In dieser schwierigen Lage war es ein Glück für ihn, daß er in Naves einen Mann besaß, der, wie sich später zeigen sollte, zur Unterhandlung mit den Städten und zur Ver- mittlung der Gegensätze vorzüglich geeignet war. Schon am 11. April, wo der Zwist zwischen den Fürsten und Städten bereits ausgebrochen war, berichten die Würzburger Gesandten, daß Naves von Karl und Granvella viel herangezogen werde und Helds Ge- schäfte übernommen habe, und tatsächlich wurde er im Mai an dessen Stelle kaiserlicher Vizekanzler. Auch auf fürstlicher Seite war man schon auf ihn aufmerksam geworden, und man bemühte sich, die Fürsprache des bereits einflußreichen Mannes durchVerehrungen: zu gewinnen. In demselben Schreiben vom 11. April fragten die Würzburger Räte bei ihrem Herrn an, ob er Naves eineVerehrung tun lassen wolle. Die Antwort des Bischofs fiel zustimmend aus, aber ausdrücklich verlangte er auch, daß sie Naves die Förderung seiner Angelegenheiten recht warm ans Herz legen sollten. Tatsächlich überreichten sie ihm auch im Namen ihres Herrn 70 Goldgulden, die er mit großem Danke annahm, wie er übrigens drei Jahre später in Speier, als ihm der Landgraf 1000 Gulden für seine Be- mühungen in der Braunschweigischen Angelegenheit zu Gunsten der Protestanten anbot, trotz anfänglichen Sträubens diese schließlich nicht zurückwies. Mit der Annahme dieser Geldsumme stellte er sich in Gegensatz zu Granvella, dem von dem Würzburger Bischof ebenfalls in Regensburg eineVerehrung zugedacht war, die in mehreren Fäßchen des besten Frankenweins nebst einem vergoldeten Trinkgeschirr im Werte von über 100 Gulden bestand. Den Wein allerdings nahm er an, das Trinkgeschirr wies er energisch zurück, wie er es später auch in Augsburg mit barem Gelde tat.

Am 27. April begann in Regensburg das Colloquium, aber nur zu bald sollte sich zeigen, daß die Frankfurter Gesandten mit ihrer Besorgnis, daß nicht viel ausgerichtet werden würde, Recht behalten sollten. An Karls gutem Willen zweifelten die Protestanten auch jetzt noch nicht, aber von ihm hing, wie es die Frankfurter Gesandten schon vor dem Beginn des Gespräches klar erkannten, die Entscheidung nicht ab, sondern diese lag in Rom, und sie fiel gegen ihn aus. Kein Wunder, daß jetzt auch auf protestantischer Seite, wo man ja von dem Colloquium nie viel erhofft hatte, die Stimmung vollkommen um- schlug; man wäre jetzt am liebsten des ganzen Gesprächs überhoben gewesen, ja, es tauchte sogar schon der Verdacht auf, daß es nur ein Scheinhandel sei, mit dem man sie hinziehen wolle. Schließlich mußte auch Karl Mitte Mai einsehen, daß sein Werk jetzt im Grunde géèénommen gescheitert sei, wenn sich die religiéösen Verhandlungen auch noch längere Zeit hinzogen; vergebens waren alle seine Bemühungen und sein persönliches Eintreten gewesen, und es war keine Übertreibung, wenn er seiner Schwester schrieb, daß er hier derart mit Geschäften überladen sei, daß er oft nicht aus- noch einwisse. Schweren Herzens entschloß er sich daher, diesen Plan, wenn auch noch nicht ganz, bei Seite zu schieben, da er in der Folge noch versuchen mußte und wollte, aus dem Schiffbruch wenigstens einiges zu retten, und neben ihm jetzt die zweite Angelegenheit, zu deren Erledigung er den Reichstag berufen hatte, energisch in Angriff zu nehmen, nämlich die Reichsunterstützung gegen die Türken.

Umso notwendiger wurde jetzt die Erörterung und möglichst schnelle Beschluß- fassung dieser Frage, als die Meldungen, die Ferdinand von seinem Unterhändler Laski aus Konstantinopel über die Türkengefahr erhielt, immer gefährlicher lauteten. Ursprünglich