Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Regensburger Reichstages vom Jahre 1541
Entstehung
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Ernennung von geeigneten Kollokutoren zu überlassen. Zwar war seine Hoffnungsfreudigkeit, die religiöse Vergleichung auch wirklich herbeizuführen, nicht mehr dieselbe wie bei seiner. Ankunft. wozu das langsame Erscheinen der Stände nicht wenig beigetragen hatte, sein Ziel war aber unverrückbar dasselbe geblieben, seinerseits durch möglichstes Entgegen- kommen den Reichstag wieder schnell schließen und von da uüber Italien nach Algier ziehen zu können. Auf protestantischer Seite erkannte man auch Karls guten Willen durch- aus an. Auch Luther gestand zu, daß der Kaiser den Protestanten sehr gnädig entgegen- komme;: ja, es tauchte sogar die Ansicht auf, daß Karl, wenn er nur selbst, ohne jede fremde Beeinflussung, viel vom rechten Glauben gehört und gelesen hätte, er in der Sache des Evangeliums anders handeln würde; noch weiter ging Christoph von Württemberg in seinem Optimismus, der bereits ganz Deutschland der neuen Lehre gewonnen sah. Diese überschwänglichen Hoffnungen waren aber nur vereinzelt; um sie herabzustimmen, trug zunächst Karl selbst bei, der. je gnädiger er sich den Protestanten erwies, umso eifriger sich nach außen hin als treuer Sohn der Kirche zeigte, der alle ihre Gebote gewissenhaft erfullte. Ferner mußte auch die reiche Schar von Bischöfen, die Karl bei der Eröffnung des Reichstags umgab, auch diejenigen, die mit großen Hoffnungen hergekommen waren, stutzig machen, und im allgemeinen kann man sagen, daß man sich auf protestantischer Seite schon vor und zu Beginn der Verhandlungen nur wenig von ihnen versprach. Trotz- dem waren die Protestanten mit ihrer Antwort auf Karls Proposition, die am 6. April von 50 Schreibern abgeschrieben wurde, schneller bei der Hand als die Katholiken. Hatte es schon nicht leicht gehalten, die ersteren zu einer einmütigen Antwort zu bewegen, S0 kam bei letzteren noch erschwerend für eine einhellige Erwiderung der Umstand hinzu, daß unter ihnen der alte Streit zwischen Fürsten und Städten von neuem ausbrach. Dies- mal aber waren es vorläufig nur die katholischen Fürsten. welche die katholischen Städte von der Beratung ausschließen wollten. Da diese außerdem im Gegensatz zu den Fürsten, die dem Kaiser das alleinige Ernennungsrecht der Kollokutoren bestritten, bereit waren, Karls Wunsche zu willfahren, Sso kam es schließlich dahin, daß die Kkatholischen Städte sich von den Fürsten trennten und durch den Cölnischen Gesandten Karl eine besondere Antwort gaben, die sich ganz der der Protestanten anschloß und die Ernennung der Kollo- kutoren dem Kaiser überließ. So war ja der volle Ausbruch des Zwistes zwischen den Füursten und Städten noch vermieden worden, da die protestantischen Städte sich von ihren Fursten nicht gesondert hatten, aber daß die Stimmung zwischen beiden Parteien im ganzen schon gereizt war und das Wiederaufleben des Streites in seinem gesamten Umfange nicht mehr in weiter Ferne zu liegen schien, geht aus dem Beschluß der allgemeinen Städte- versammlung hervor, die am 8. April stattfand. Es wurde zunächst die völlige Einigkeit unter allen Städten, von der Glaubensfrage natürlich abgeschen, festgestellt und dann ein Ausschuß von sechs Städten, nämlich Cöln, Straßburg, Metz, Augsburg. Nürnberg und Konstanz, eingesetzt, der sich mit der alten Streitfrage befassen und über Gegenmaßnahmen beraten sollte. Füúr die protestantischen Fürsten kam es infolgedessen darauf an, ihre Städte nicht durch gleiches schroffes Vorgehen zu verletzen, damit durch ihre Absonderung und Vereinigung mit den katholischen Städten der Schmalkaldische Bund nicht geschwächt werde, was ihnen ja auch während der Dauer des Regensburger Reichstages gelungen ist. Für Karl'war aber durch diese Trennung eine Erschwerung seiner Aufgabe eingetreten, denn es war doch nicht sicher, ob die katholischen Städte auch in allen späteren Fragen mit den Protestanten Hand in Hand gehen würden; er konnte vielmehr für die Zukunft damit rechnen,