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noch in Regensburg zu sein und den Reichstag mit Rücksicht auf die geplante Expedition nach Algier so schnell wie möglich zu beenden. Hieran wurde er jedoch durch einen heftigen Gichtanfall gehindert, der ihm insofern wenigstens gelegen kam, als er es ihm ermöglichte, den Protestanten noch von hier aus nicht nur die gewünschten Geleitsbriefe zu geben, sondern auch ein Mandat' zu erlassen, durch das er die Suspension der Acht gegen Goslar und Minden wie den Stillstand aller Prozesse, die gegen die Protestanten am Kammergericht schwebten, anordnete. Trotzdem er sich immer noch sehr angegriffen fühlte, brach er doch am 5. Februar auf, um seiner Zusage gemäß um den 20. dieses Monats in Regensburg einzutreffen und durch seine Ankunft die säumigen deutschen Stände zu desto schnellerem Erscheinen zu veranlassen. Auch auf dem Wege nach Regensburg bemühte sich Karl, den Protestanten zu zeigen, daß er durchaus von friedlichen Gesinnungen gegen sie erfüllt sei. Von Heidelberg, wo er den Kurfürsten zu persönlichem Erscheinen ver- anlaßte, ritt er am 11. Februar in der protestantischen Reichsstadt Schwäbisch-Hall ein, wo man seiner Ankunft nicht ohne eine gewisse Furcht entgegensah im Hinblick auf die strengen Edikte und Hinrichtungen, die Karl eben erst in den Niederlanden verfügt hatte. Karl jedoch zeigte sich gnädig und leutselig, ohne der Religion mit einem Worte zu ge- denken. Auch in Nürnberg, wo er am 16. Februar eintraf und wo er mit großer Feierlich- keit empfangen wurde, gegen die seine einfache schwarze Kleidung nur um so mehr ab- stach, vermied er es sorgfältig, die religiösen Gefühle der Protestanten zu verletzen. Sehr befriedigt von der glänzenden Aufnahme, die er hier gefunden hatte, und voller Hoffnung. etwas Ersprießliches auf dem Reichstag erreichen zu können, langte er, dem man die über- standene Krankheit noch ansah, am 23. Februar in Regensburg an, wo er aber trotz seines ermahnenden Schreibens von Speier aus, in dem er die Fürsten dringend zum persönlichen Kommen aufgefordert hatte, von diesen, von dem Bischof von Regensburg abgesehen, nur die Herzöge Ludwig von Baiern und Heinrich von Braunschweig antraf.
Da die Stände in den folgenden Tagen nur sehr langsam und spärlich eintrafen, sah Karl sich genötigt, am 1. März ein weiteres Schreiben ausgehen zu lassen, in dem er entsprechend seiner mündlichen Xußerung den Mainzischen Gesandten gegenüber darauf hinwies, daß er trotz seiner Krankheit rechtzeitig hier eingetroffen sei, und in dem er sofortiges Erscheinen verlangte. Obwohl im Laufe der ersten Tage des März die Stände Zahlreicher erschienen und bezeichnenderweise grade viele geistliche Fürsten, so reichte ihre Zahl immer noch nicht aus, um den Reichstag eröffnen zu können. Karl zog es daher vor, für einige Tage nach Straubing zur Jagd zu reiten, um sich dort von der kaum überstan- denen Krankheit zu erholen. Endlich, in der zweiten Hälfte des März, trafen mehr Reichs- stände ein, aber immer noch zu Karls großem Verdruß langsam genug, der den Reichstag gern so schnell wie mõglich eröffnet und ihn ebenso schnell wieder geschlossen hätte, um nach Algier zu eilen. Aber er hatte eben nicht mit der Langsamkeit der deutschen Stände gerechnet. Nichts ist dafür bezeichnender als die Bemerkung der Cölner Gesandten, die, als sie endlich am 3. April, also über einen Monat zu spät, anlangten, wohlgemut ihren Herrn berichteten, sie seien grade zur rechten Zeit, nicht zu spät und nicht zu früh, eingetroffen.
Zwei Tage darauf eröffnete der Kaiser den Reichstag durch eine Proposition, in der er als Hauptaufgabe die religiöse Einigung hinstellte, während er die notwendige Be- kämpfung der Türken und die deshalb zu leistende Reichshilfe erst in zweiter Linie er- wähnte: um das erste Ziel zu erreichen, schlug er den Ständen gleichzeitig vor, ihm die


