Beiträge
zur Geschichte des Regensburger Reichstages vom Jahre 1541.
Von Oberlehrer Dr. Heidrich.
Als Karl V. am 14. September 1540 von Brüssel aus das Ausschreiben zu einem Reichstage erließ, der am 6. Januar 1541 in Regensburg zusammentreten sollte, um in erster Linie eine endgültige Vergleichung in der Religionsfrage herbeizuführen, war es ihm mit der Ausführung dieses Planes, soweit sie wenigstens von ihm abhing, voller Ernst. Wie schon so oft vorher, waren es auch jetzt wieder die politischen Ereignisse, die ihn zwangen, eine friedliche Einigung mit den Protestanten zu suchen. Ein gewaltiger Bund schien gegen ihn im Winter 15399440 im Werke zu sein, dessen Mittelpunkt der Herzog von Cleve war und der nicht nur den Schmalkaldischen Bund und den König von England, sondern auch die deutschen katholischen Fürsten umfassen sollte. Dazu drohte ein neuer gewaltiger Angriff der Türken, so daß Karl, wollte er seine Krone nicht in Gefahr bringen, den Protestanten entgegenkommen mußte. Wenn auch freilich infolge der zu großen Ver- schiedenheit der Interessen aus diesem Bunde nichts wurde, so blieb auch noch gegen Ende des Jahres 1540 Karls Lage immer noch bedenklich genug; denn das Verhältnis zu Frankreich ver- schlechterte sich zusehends, wie es am besten die Vermählung der Nichte des französischen Königs, Johanna von Navarra, mit dem Herzog von Cleve zeigte, und vor allem lauteten die Nachrichten über die Türken immer bedrohlicher, so daß bei dem Kaiser aller Wahrscheinlichkeit nach schon zu Beginn des Jahres 1541 der Plan feststand, noch in diesem Jahre den Zug nach Algier zu unternehmen. Bemühte er sich auch, diese Absicht zunächst noch in tiefes Dunkel zu hüllen, so tauchten doch bald Vermutungen auf, daß Karl sich in Regensburg nicht lange aufhalten und bald nach Italien ziehen würde, für den Kaiser ein Grund mehr, sich grade jetzt die Gunst der Protestanten nicht zu verscherzen. Vielmehr tat er alles, um ihnen klar zu zeigen, daß an seinem guten Willen, die religiöse Verptändigung herbei- zuführen, nicht zu zweifeln sei.
Zwar zu dem ursprünglich angesetzten Termine, dem 6. Januar, konnte er selbst in Regensburg nicht erscheinen; als er aber am 18. Januar in Speier ankam, war es ur- sprünglich seine Absicht, bereits am 24. Januar aufzubrechen, um Ende desselben Monats
Die vorliegende Abhandlung ist nur der erste Teil einer größeren Arbeit, die unter dem Titel „Beiträge zur Geschichte der Reichstage von 1541— 46“ in Jahresfrist erscheinen Ssoll. Infolgedessen habe ich hier, um diese Schrift nicht zu umfangreich werden zu lassen, die Quellenbelege und erläutern- den Anmerkungen fortgelassen, ebenso fehlt die Einleitung. Ich bringe vielmehr nur den darstellenden Text. Hinweisen will ich nur noch darauf, daß ich für die folgende Darstellung abgesehen von dem
gedruckten Material auch eine Reihe von Archiven benuzt habe, und zwar die Archive von Bamberg, Berlin, Brüssel, Cöln, Frankfurt, Memmingen, München und Würzburg.


