Aufsatz 
Die Feier des fünfzigjährigen Jubiläums des Königlichen Realgymnasiums zu Wiesbaden am 30. und 31. Mai und 1. Juni 1895 / von H. Breuer
Entstehung
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keine Mühe und Arbeit gescheut und etwas ganz Vollendetes bot. Unter den Klängen der Musikkapelle zogen die Turner in die Halle. Auf das Kommando ihres tüchtigen Turnleiters, des Oberprimaners Walther, stand die Schar wie aus Erz gegossen, so dals ihrem Turn- genossen und Mitschüler Krumbiegel Gelegenheit gegeben war, einen selbstverfalsten Prolog vorzutragen, der in sinnigem Gedenken den Kaiser als den Schirmherrn der Schule und den. Beschützer des Vaterlandes pries, welchem die deutsche Ingend ihre Kräfte widmen wolle. Herr Lehrer Weber liefs nun den Gesangchor zusammentreten, und munter erklang die Weise Frisch voran von Abt Mit groler Exaktheit ging dann ein Stabreigen, dessen Figuren prächtig gelangen, unter Marschklängen in Scene. Die anschliefsenden Eisenstabübungen wurden nicht nach Kommando, sondern nach Glockensignalen ausgeführt. Genau folgte die Schar den Glockenschlägen und dem Beispiele des Vorturners Dyckerhoff, so daſs auch nicht eine ein- zige Uibung milslang. Unter dem Gesange:O Deutschland hoch in Ehren vollzog sich der Abmarsch der Turner u. s. w.« Die folgenden Nummern waren:

III. Riegenturnen mit einmaligem Gerätewechsel.

1. Riege: Vorturner Dyckerhoff I1, Reck Barren.

2. 5 Schäfer, Pferd Reck.

B... Werner I1, Hochsprung Pferd.

4.* Hochheim II, Barren Bock.

5. Sauerland II2, Bock Schaukelringe.

6. 8 Schmidt II?, Schaukelringe Hochsprung.

IV. Turnspiele der Sexta und Quinta.

V. Ubungen an zwei Pferden.

VI. Kürturnen der Vorturnerriege an Barren und Reck. VII. Turnspiel der Obertertia. VIII. UÜbungen im Heben und Tragen von Turngenossen. IX. Gruppe und Abmarsch.

Vor dem Abmarsche dankte der Direktor den Turnern für ihre braven Leistungen, die durch den Umstand, dals sie ganz freiwillige und ohne jede weitere Leitung oder Aufsicht geboten seien, noch einen ganz besonderen Wert erhielten. Wenn sie so nach dem Beispiele der Alten und dem Wunsche unseres Kaisers fortführen sich zu üben und zu stählen, dürfe man vertrauen, dafs sie im Ernstfalle dereinst auch einmal die Thaten ihrer Väter thun würden. Auch sprach der Direktor dem zahlreich erschienenen Publikum seinen Dank für die freund- liche Teilnahme aus, indem der Mut der Schule wachse, wenn sie sich geliebt und vom Beifalle der Eltern getragen sehe.

Viel Zeit war nun nicht mehr zu versäumen, denn um 7 Uhr war bereits der zweite Teil der Vorfeier im grolsen Saale des Kasinos angesagt.Gesellige Unterhaltung. so bescheiden hiels es wenigstens auf dem Programm; in Wahrheit war die Veranstaltung eine musikalisch- dramatische Soirée im besten Sinne des Wortes, so der freundliche Berichterstatter aus dem Wiesb. Tagblatt.