Aufsatz 
Die Feier des fünfzigjährigen Jubiläums des Königlichen Realgymnasiums zu Wiesbaden am 30. und 31. Mai und 1. Juni 1895 / von H. Breuer
Entstehung
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den betreffenden Tagen in dem Konferenzzimmer der Anstalt tagte, zum Empfang und zur Führung der Gäste auch die gern bereiten Schüler mit herangezogen wurden, bedarf kaum der Erwähnung. Zur Ausstattung der Speisekarten beim Festessen und der PFestschrift erbot sich Herr Maler Frankenbach, was sehr dankbar angenommen wurde. Alles sollte bis zum 15. Mai erledigt sein; über den Fortgang der einzelnen Arbeiten wurde in jeder Sitzung be- richtet und Auskunft erteilt.

Des weiteren wurde bestimmt, dals die Generalprobe der Festaufführung am Mittwoch den 29. c. für die Schüler der fünf untern Klassen frei sein, für die übrigen Teilnehmer 50 Pf. kosten sollte; zur Hauptaufführung haben die Schüler der vier oberen Klassen freien Zutritt, die übrigen zahlen 1 Mark. Ein Exemplar der Festschrift erhalten die Schüler umsonst, die übrigen Teilnehmer gegen Zahlung von 1 Mark. Eine Festkarte(incl. der Festschrift) zu allen Fest- lichkeiten kostet 3 Mark, aufserdem die Karte zum Festessen 3,50 Mark und die Karte zur Rheinfahrt incl. trockenem Couvert auf dem Niederwalde 6,50 Mark. Endlich konnten durch das sehr freundliche Entgegenkommen der Königl. Theaterintendanz Karten zum ersten Parquet und II. Rang Vorderplätze à 2 Mark und durch die Güte der verehrlichen Kurdirektion Karten zum Gartenfeste mit Feuerwerk à 50 Pf. zur Verfügung gestellt werden.

Unterdessen hatte auch der Turnverein der Schüler unter seinem Obmann Walther aus Ia recht fleilsig geübt und alles vorbereitet, desgl. der Musikverein unter Leitung des Ober- primaners Dyckerhoff aus Biebrich. Die einzelnen Klassen beschafften sich Klassenmützen und zierliche Fähnchen in den Klassenfarben mit eingestickter Klasse und der Jahreszahl 1895. Für die Festaufführung der Schüler war Wallensteins Lager gewählt worden, und Herr Hof- schauspieler Bethge vom Königl. Theater liels sich mit bekannter Hingebung bereit finden. mit Hülfe des Herrn Prof. Leifs für die einzelnen Rollen die geeignetsten Kräfte auszuwählen und das Ganze in vielen Proben tüchtig einzuüben. So wurde überall rüstig geschafft; die Ehrengäste wurden benachrichtigt und um geneigte Teilnahme ersucht. in den Zeitungen jeweilige kurze Andeutungen und förmliche Einladungen veröffentlicht, Programme für die einzelnen Teile mit Liedern etc. entworfen und versandt, für die Ausschmückung der verschiedenen Fest- lokale gesorgt u. s. W., so dals zur festgesetzten Zeit alles pereit war.

1. VOrPfeler am S30. Mal.

Endlich war der erste Festtag erschienen, und ein herrliches Frühliagswetter trug nicht wenig zur Feststimmung bei; der Unterricht wurde schon morgens um 10 Uhr geschlossen. Die Ehre der Eröffnung der ganzen Feier war den Turnern zu teil geworden, denen der Männer- turnverein in anerkennenswertem Entgegenkommen seine prächtige Turnhalle an der Platterstralse unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte. Während also hier die Turner antraten und ihre kleid- same Tracht anlegten, versammelten sich die übrigen Schüler gegen 2 ½ Uhr vor dem Schullokale und zogen dann mit Musik an der Spitze unter wehenden Fahnen in Begleitung der Lehrer zur Platterstralse 16. Und nun lasse ich den Chronisten des Rheinischen Kuriers sprechen:

Zahlreich waren auch die Freunde und früheren Schüler der Anstalt erschienen, und ein Kranz schöner Damen schenkte den Jüngern Jahns die Ehre ihrer Gegepwart und ihr ganzes Interesse. Und sie verdiente es auch, die wackre Jünglingsschar, die aus Liebe zur Turnkunst