Aufsatz 
Aristophanes und Aristoteles oder über ein angebliches Privilegium der alten attischen Komödie
Entstehung
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Auch hier freilich ſind die Angaben des Excerptors, obwohl an ſich wichtig genug, nicht er⸗ ſchöpfend. Er hat, indem er an Suſarion den Kratinos reihte, nach' ſeiner Weiſe mancherlei überſprungen und mancherlei zuſammengezogen(ſ. Exc. III). So iſt z. B. Krates, welchen Ariſto⸗ teles an die Spitze der kunſtmäßigen Vertreter der Komödie ſtellt(ſ. oben S. 33 f.) gänzlich von ihm über⸗ gangen und ſtatt ſeiner Kratinos hervorgehoben worden. Allein dadurch entſteht kein erheblicher Wider⸗ ſpruch zwiſchen beiden Gewährsmännern*). Kratinos hat allem Anſcheine nach, worauf ſchon früher hingewieſen wurde, die techniſchen Neuerungen ſeines ehemaligen Schauſpielers(der überhaupt nur eine ſehr geringe Zahl von eignen Stücken zur Aufführung brachte) ſich angeeignet und konnte als⸗ dann in Anbetracht ſeiner dichteriſchen Fruchtbarkeit, ſeiner ſonſtigen hohen Begabung und na⸗ mentlich ſeiner ungewöhnlichen Popularität von ſpäteren Litterarhiſtorikern mit einigem Rechte ſtatt jenes für den Begründer dieſes Kunſtfaches ausgegeben werden.

Wichtiger aber noch als dieſes iſt die Uebereinſtimmung, welche zwiſchen unſerem Excerptor und dem Ariſtoteles in Bezug auf die Beurtheilung des Ariſtophanes herrſcht. Wie dieſem in der Poetik(ſ. oben S. 43 f.) der Ehrenplatz neben Sophokles eingeräumt wird, ſo erfahren auch von Seiten des Grammatikers ſeine Verdienſte um die ſtrengere Handhabung der künſtleriſchen Re⸗ geln eine hohe Würdigung. Er ſteht auch nach dem Urtheil dieſes Zeugen unzweifelhaft auf dem Höhepunct der kunſtgerechten Entwicklung des komiſchen Dramas und gilt ihm als deſſen würdigſter Vertreter. Bedürfte es nach alledem noch weiterer Belege für unſere Anſicht, ſo könnten als ſolche, abgeſehen von den übrigen rühmenden Ausſprüchen des Alterthums, ſ. oben S. 42, auch die Urtheile anderer Excerptoren angeführt werden, welche ihn z. B. als denvortreff⸗ lichſten Künſtler(IV. 5. dοςαοο zέιννετε) und als denweitaus Begabteſten unter den Komödiendichtern(III. 12. ενφασυέσα⁴ᷣ τπαετιας νπιιαμοαeοων vergl. XIII. 1. XIV. XV.) bezeichnen.

Welche Bedeutung aber dieſe und ähnliche Aeußerungen gewinnen, wenn man ſie und dem dürfte kaum etwas im Wege ſtehen im Lichte der ariſtoteliſchen Kunſtlehre, betrachtet, bedarf keiner weiteren Darlegung.

Auch die Urtheile, welche Ariſtophanes ſelber mit nicht geringem Selbſtgefühl hier und da über ſeine künſtleriſchen Leiſtungen und Beſtrebungen laut werden läßt, müßten in dieſem Zu⸗ ſammenhange noch zu ſeinen Gunſten verwerthet werden. Indeſſen iſt der für diesmal unſerer Unterſuchung zugemeſſene Raum ſchon allzuweit überſchritten. Und der ganze Fall ſcheint auch ohne dieſe Ergänzungen nunmehr ſpruchreif.

Wer heutzutage den Kunſtwerth des Ariſtophanes wahrheitsgemäß beurtheilen will, ſieht ſich zwei einander direct widerſprechenden Autoritäten gegenübergeſtellt. Auf der einen Seite

Tacazryees hereinkommen. Das ſchleppende οzevads erinnert an die Stelle bei Dion Chrys. XXXII. p 391. Die Sache wird einer genaueren Erwägung zu unterwerfen ſein, wenn es ſich darum handelt, nach⸗ zuweiſen, daß diejenigen Komödien des Kratinos, welche in der byzantiniſchen Zeit noch vorhanden waren (vergl. Exc. IX. 8), eine ähnliche Ueberarbeitung wie die des Ariſtophanes erfahren hatten.]

*) Es bedarf daher zunächſt nicht der Annahme, daß hier Koœros verſchrieben ſei für Kodrys.