Aufsatz 
Aristophanes und Aristoteles oder über ein angebliches Privilegium der alten attischen Komödie
Entstehung
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die feſtgeſchloſſene Reihe der Ausſagen der griechiſchen Aeſthetiker und Litterarhiſtoriker, die in der alten Komödie ſeit Krates, reſp. Kratinos eine der Formloſigkeit der Urſprungsperiode ent⸗ wachſene, der Tragödie völlig ebenbürtige und nach deng Regeln der dramatiſchen Technik ange⸗ legte Kunſtform ſehen und die den Ariſtophanes ohne jede nennenswerthe Einſchränkung für den Meiſter derſelben erklären.

Auf der anderen Seite die wenigen auf unſere Zeit gelangten ariſtophaniſchen Komödien etwa der vierte Theil der urſprünglichen Geſammtzahl meiſtens Stücke, auf welche jene Urtheile ſchlechterdings nicht paſſen und welche vom Standpunct der alten Kunſtlehre aus ge⸗ wiß nicht als dramatiſche Kunſtwerke bezeichnet werden können.

Hier gibt es keine Vermittlung. Die Ausflucht einiger Neueren, daß Ariſtophanes die kunſtge⸗ rechte Dichtungsweiſe ſeiner Vorgänger wieder verlaſſen und ſich auch als Dramatiker gleichſam willenlos der tollen Laune der dionyſiſchen Feſtluſt hingegeben habe, iſt abſurd; die Behauptung aber, daß Ariſtoteles die alte attiſche Komödie wegen der ihr zukommenden Ausnahmeſtellung, wegen ihres Privilegiums der Regelleſigkeit und formalen Willkür, in ſeiner Theorie gar nicht berückſichtigt habe, iſt geradezu falſch; das Alterthum wußte von einem ſolchen Privilegium überhaupt Nichts. Man muß ſich einfach entſcheiden, ob hier die indirecte oder die directe Ueberlieferung für maßgebend zu halten iſt; die Entſcheidung kann aber nicht anders ausfallen als zu Gunſten des Ariſto⸗ teles und des antiken Urtheils überhaupt. Denn es iſt nicht allzu ſchwierig vermittelſt einer maßvollen kritiſchen Prüfung, die an der Hand der Fundamentalſätze der antiken Kunſtlehre die überlieferten Stücke analyſirt, zu zeigen, daß einzelne Partien derſelben jenen Lehren vor⸗ trefflich entſprechen, daß aber die Geſammtfaſſung, die Totalität der angeblich ariſtopha⸗ niſchen Komödien nicht von einem Dichter herrühren kann dem Ariſtoteles den Rang eines wirklichen dramatiſchen Künſtlers zuerkannt hat, um ſo weniger, da es neben dieſen inneren Gründen auch durchaus nicht an äußeren Zeugniſſen der Unächtheit mangelt.

Derartige Nachweiſe ſind in meinenUnterſuchungen bereits vorgelegt. Daß dort in allen Einzelheiten das Richtige getroffen wäre, bin ich weit entfernt zu glauben. Bei mancher dieſer kritiſchen Zerlegungen mag etwas zu weit gegangen, bei mancher nicht die volle Con⸗ ſequenz der Sachlage hervorgehoben ſein; dafür war es ein erſter Verſuch. Die Grundan⸗ ſchauung von der Verderbniß der überlieferten Stücke ſcheint mir aber die allein richtige.

Wohin dieſelbe führen muß, kann freilich nicht zweifelhaft ſein. Die Erkenntniß, daß wir ſtatt der ächten Komödien des Ariſtophanes nur zuſammengeflickte Trümmer und Umarbeitungen beſitzen, wird Vielen herb und unerträglich dünken. Darf aber die Wiſſenſchaft vor der Aner⸗ kennung einer Wahrheit zurückſchrecken, weil dieſelbe althergebrachte Vorurtheile und liebgewordene Täuſchungen etwas unſanft bei Seite ſchiebt?

Darüber wird es möglicherweiſe eine Zeit lang viel Verwirrung, viel Aufregung geben. Aber auch die Klärung der Anſichten kann darnach nicht ausbleiben. Und das letzte Wort hat am Ende doch der 1ννννυνπτς τπι ç0 ĩ₰ꝙ.