Aufsatz 
Aristophanes und Aristoteles oder über ein angebliches Privilegium der alten attischen Komödie
Entstehung
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ergibt ſich mithin, daß die alten Aeſthetiker und Litterarhiſtoriker dieſen Unterſchied ſehr wohl kannten, auch eine Reihe klarer und beſtimmter Merkmale, mitunter ſogar feinere Nüan⸗ cirungen geltend machten, daß ihnen aber ſo wenig wie dem Ariſtoteles von einer Berechtigung der alten Komödie, ſich über die ſtrengeren Compoſitionsgeſetze der dramatiſchen Kunſt hinweg⸗ zuſetzen, etwas bekannt war. Gedenken ſie doch eines derartigen Privilegiums nicht einmal da, wo dies ſehr ſchwer zu vermeiden war, nämlich bei der Erwähnung gewiſſer ariſtophaniſcher Stücke, welche in ſpäterer Zeit von den Dichtern der mittleren und der neuen Komödie als Muſter für ihre beſondere Kunſtgattung ausgewählt wurden*).

Soweit war das Ergebniß immerhin nur ein negatives. Nun aber ſtoßen wir noch auf eine Angabe von ganz poſitiver Beweiskraft.

Auch innerhalb der alten Komödie ſelber, ſo fährt nämlich der Verfaſſer von Exc. VIII fort(§. 16), müſſe man eine Scheidung vornehmen. Denn die älteſten Veranſtalter von ko⸗ miſchen Aufführungen in Attika Suſarion und ſeine Genoſſen hätten ihre Perſonen ohne rechte Ordnung und ohne Zuſammenhang**) auf die Bühne gebracht und ihre ganze Darſtellung wäre lediglich auf den komiſchen Effect berechnet geweſen. Späterhin aber habe Kratinos die Zahl der Epeiſodien ſwörtl.der Perſonen jin der Komödie***) auf drei feſtgeſetzt, der Regelloſigkeit und Zuſammenhangsloſigkeit(rαεμια) dieſer Darſtellungen ein Ende gemacht und zu der Annehmlichkeit derſelben noch das Moment der praktiſchen Nutzbarkeit gefügt, indem er die Uebelthäter an den Pranger ſtellte und ſo die Komödie gewiſſermaßen als öffentliches Züchtigungsmittel verwerthete. Aber immerhin hafteten auch an ihm noch die Spuren der urſprünglichen Unbeholfenheit und wenn auch nur in ganz geringem Grade der Regelloſigkeit. Dahingegen hat freilich Ariſtophanes in ungleich vollendeterer Weiſe die Komödie nach den Regeln der Kunſt(d. h. natürlich der dramatiſchen Kunſt) behandelt und in Folge davon unter allen ſeinen Kunſtgenoſſen die höchſte Stufe des Ruhmes erklommen.

Sonach läßt der Grammatiker nicht nur die alte Komödie ſich aus der anfänglichen Schwer⸗ fälligkeit in naturgemäßer Weiſe bis zu der ſeiner Meinung nach vollendeten und rühmlichſt be⸗ kannten Technik des Ariſtophanes entwickeln, ſondern er unterſcheidet auch in dieſem Entwicklungs⸗ gange nachdrücklich zwei Perioden: die der Unvollkommenheit oder der Stegreifverſuche und die der techniſchen Vollendung. Den Uebergang zwiſchen beiden bildet ihm Kratinos.****)

*) Exc. I. 8 10. 17.[V. 4] XII 1. 10. Nach IX. 8. VIII. 24 ſtehen ſogar mehrere Dichter geradezu auf dem Boden beider Gattungen. n) Die drakta ſteht hier im Gegenſatz zu der räkes, der geordneten, kunſtmäßigen Geſtaltung des Stoffes. rr) Für n96wma iſt hier wohl unzweifelhaft 2εεο ͤzu leſen, da Ariſtot. Poet. c. 5. jenem Wort⸗ laut des Excerptes ausdrücklich widerſpricht. Vergl. auch Meineke h. cr. p. 50. rrr) Im Einklang mit dem Urtheil unſeres Excerptors über Kratinos ſcheint die Notiz in Exc. II. 1, wo auch die Ungleichmäßigkeit und Ueberladung mancher Scenen hervorgehoben wird. Indeſſen darf man doch auf dieſe Stelle nicht allzu viel Gewicht legen. Daß das II. Exc. an Corruptelen leidet, iſt ſchon von Meineke h. cr. p. 108 u. 55(vgl. Bergk praef. ed. Ar.) angedeutet worden. Hier an unſerer Stelle fragt man verwundert, wie derartige Bemerkungen über formale Compoſition in eine Schilderung der