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Es iſt bekannt, daß die ſchon mehrfach erwähnte Lücke der ariſtoteliſchen Poetik durch die in einigen byzantiniſchen Excerpten enthaltenen Nachrichten über das Weſen und die Dichter der griechiſchen Komödie*) eine vortreffliche Ergänzung gefunden hat. Mehrere von dieſen Ex⸗ cerpten beruhen augenſcheinlich auf der Grundlage einer guten litterarhiſtoriſchen Ueberlieferung, d. h. auf den Schriften der Peripatetiker und Alexandriner, ſo z. B. lII u. X**). An einem anderen, XlI, hat Bernays***) mit großem Scharfſinn nachgewieſen, daß es ſchätzbare Trümmer der ariſtoteliſchen Kunſtlehre in erheblicher Anzahl enthält.
Für unſere Frage iſt unter allen dieſen Excerpten zunächſt beachtenswerth das VIII., daſſelbe, welches die wichtigen Nachrichten über die bibliothekariſchen Verhältniſſe zur Zeit der Ptolemäer aufbewahrt hat. Es iſt das umfangreichſte von allen und bietet neben vielerlei Spreu doch auch nicht wenige Weizenkörner. Sein Verfaſſer hat, wie es ſcheint, Quellen benutzt, die der alexandriniſchen Erudition unmittelbar entſprungen waren. †)
Nachdem derſelbe die auch anderweitig ††) überlieferte Erzählung von dem Urſprung der Komödie vorangeſchickt(wonach dieſe aus einer Art von Haberfeldtreiben der attiſchen Bauern⸗ burſchen entſtanden und ſpäter von den Athenern nicht bloß wegen ihrer Ergötzlichkeit, ſondern auch wegen ihres moraliſchen Nutzens aufgenommen und gepflegt worden ſei), folgt ein Abſchnitt (§. 12— 18), der eine Reihe von Definitionen und vergleichenden Characteriſtiken, die griechiſche Komödie betreffend, enthält. In der letzten Hälfte deſſelben(§. 17. 18), welche von den ver⸗ ſchiedenen Arten des Komiſchen handelt, hat Bernays(a. a. O.) gleichfalls einige ächt ariſto⸗ teliſche Beſtimmungen erkannt.
Damit fällt immerhin ein Schimmer von Autorität auch auf die erſte Hälfte(12—16), obwohl durchaus nicht in Abrede geſtellt werden ſoll, daß gerade am Anfang dieſes Abſchnittes viel byzantiniſches Geröll ſich über und zwiſchen die ächten Trümmer geſchoben hat und daß wir es hier zum Theil nur mit zuſammengeleſenen gelegentlichen Aeußerungen alter Gewährs⸗ männer zu thun haben. † ††)
*) Meineke fragm. com. gr. I. p. 531 sq.— Bergk ed. Ar. 1867 prolegg. **) ſ. Bergk a. a. O. praef. zu XI.. *rr) Rhein. Muſ. VIII. S. 583. †) Bergk a. a. O. praef. Zu dem Abſchnitt über die Theile der Komödie(§. 29 ff.) werden als Quelle genannt: Dionyſios, Krates und Eukleides. ††) Exc. W. 1, 2. IX. 2 f. XIII. 7. rrt) Eine eingehende Sonderung derſelben liegt nicht im Bereich unſerer Aufgabe. Nur ein Punkt iſt zu erwähnen. Zunächſt findet ſich hier(§. 12) eine Definition der Komödie. Daß es nicht die urſprünglich ariſtoteliſche ſei, wird man Bernays unbedenklich zugeben, ohne ſie darum mit dieſem Kritiker(a. a. O. 569. Anm. 1.) nun auch für durchaus ſinnlos zu erklären. Die Hauptbeſtimmung derſelben: daß die Komödie die Nachahmung einer Handlung loder wie es XI. 2 heißt einer ſcherzhaften Handlungl ſei, kann mit Fug und Recht als ariſtoteliſch angeſehen werden. Gerade dieſes Moment wird von Ariſtoteles ſo häufig als Kennzeichen des Dramas hervorgehoben, daß es faſt undenkbar iſ, eine ariſtoteliſche Definition der Komödie habe in andrer Form eingeleitet werden können.


