Gerade diejenige Partie, welche in zuſammenhängender Darſtellung von dem Weſen, dem Zweck, den Mitteln und den Theilen der Komödie gehandelt zu haben ſcheint, iſt verloren gegangen. Nichtsdeſtoweniger ſind die wenigen directen Aeußerungen über die Komödie, welche ſich heut⸗ zutage noch vorfinden, für unſere Frage von entſcheidender Bedeutung, falls man ſie nur mit vorurtheilsfreiem Auge betrachtet.
Ariſtoteles bemerkt, daß die Anfänge der Komödie in den altherkömmlichen Phallosliedern wurzelten; von dieſen habe man ſie ſozuſagen durch Stegreifverſuche allmählig losgelöst.*) Aber bezüglich der früheſten Entwicklungsphaſen, welche nun im weiteren die Productionen des komiſchen Chores durchlaufen hatten, vermochte ſchon dieſer älteſte Vertreter der litterarhiſtoriſchen For⸗ ſchung ſich keine genügende Aufklärung zu verſchaffen.**) Er fand zwar die Namen komiſcher Dichter erwähnt von dem Zeitpunkt an, wo dieſe Kunſtart die Elementarſtufe der Stegreifver⸗ ſuche wirklich überwunden und eine deutlichere dramatiſche Geſtaltung angenommen hatte, allein die Details über ihre techniſche und ſtoffliche Fortbildung durch einzelne hervorragende Meiſter, wie ſie ihm z. B. für die Tragödie vorlagen, waren nicht mehr aufzutreiben. Nur über einen Punkt vermag er beſtimmte Auskunft zu geben.
Die Kunſt einen Komödienſtoff dramatiſch anzulegen und dichteriſch zu geſtalten, ſtammt aus Sicilien. Epicharmos und Phormis übten dieſelbe zuerſt. Sie ſetzten„an die Stelle des früheren Poſſenſpiels das regelrechte Drama.“**r*) Unter den Attikern aber verließ zuerſt
gar nicht abzuſehen, warum er dieſe Reinigung bei der Komödie nicht viel nachdrücklicher noch erwähnte als bei der Komödie“! Man vergl. auch S. 74, wo(in allzu wohlfeiler Nachbeterei der unhaltbaren Leſſing'⸗ ſchen Behauptung, daß die uns erhaltene ariſtoteliſche Poetik für ein ebenſo unfehlbares Werk anzuſehen ſei wie die Elemente des Euklides) die auf den Nachweis der gründlichen Verderbniß dieſer Schrift ge⸗ richteten Bemühungen ſo vieler unſerer tüchtigſten Gelehrten kurzweg als„einfältige Faſelei“ bezeichnet werden.— Ein beſonnenes Urtheil über die muthmaßlichen ariſtoteliſchen Anſichten von der Komödie gibt dagegen Zimmermann Aeſthetik I. S. 114f. *) Poet. c. 4. 1449 a. 8. Vergl. Athen. XIV. 622. X. 445.
⸗x) c. 5. 1449 a 37.
r) Th. Bergk Griech. Litter. in der Halliſchen Encycl. I. LXXXI. S. 372; de rell. com. att. p. 266 sq. 276 sd.— K. O. Müller Dorier II. 354ff.— Grysar de Doriensium comoedia p. 71 sq.[Die abweichende Auffaſſung von Lorenz Leben und Schriften des Koers Epicharmos. Berlin 1864, die ſich zum Theil auf Meineke hist. cr. p. 589 ſtützt, kann als beſeitigt angeſehen werden, vergl. Vahlen Sitzungsber. der k. k. Ak. Wien(1865) hiſt. phil. Cl. 50, S. 298])— In Uebereinſtimmung mit Ariſtoteles berichtet ein Grammatiker bei Bergk prolegg. III. 5 über die Kunſtfertigkeit des Epicharmos. Auch ſtellt er ihn an die Spitze der alten Komödiendichter. Von Krates erwähnt er zwar§. 8 nicht das 249640 uu⁵ous motsi, wohl aber ein anderes dem Epicharm entlehntes Characteriſticum.(Athen. X. 429 a). Und daß das Excerpt des Grammatikers in§. S ſehr lückenhaft iſt, beweiſt ſeine Bemerkung über Pherekrates§. 9, wo das Wörtchen ab bezeugt, daß in dem Originalbericht, welcher dem Excerptor vorlag, über den unmit⸗ telbar vorher behandelten Krates ähnliches berichtet worden ſein muß, mithin an der Uebereinſtimmung zwiſchen dieſer Quelle und Ariſtoteles durchaus nicht zu zweifeln iſt.— Uebrigens hat Neſemann zur form. Gliederung der altatt. Kom. Progr. Liſſa 1868 S. 15 unnöthigerweiſe dem Kratinos das Verdienſt des Krates vindiciren wollen. Die Angabe des Schol. z. Ar. Ritter 537 ſteht nicht im Widerſpruch mit Ariſtoteles.
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