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Zeit von Einfluß geweſen iſt. Es müßte alſo— ſeine Realität einmal vorausgeſetzt— mit dem Ableben des Dichters jedenfalls erloſchen ſein. Denn wenn auch die Nachfolger des Ariſtophanes, die Vertreter der mittleren und der neuen attiſchen Komödie, deren Schöpfungen uns leider nicht erhalten ſind, gewiſſe Stücke jenes Dichters, wie glaubwürdig berichtet wird,*) zum Muſter genommen haben, ſo kann doch aus den zerſtreuten Fragmenten ebenſowenig wie aus den indirecten Zeugniſſen der Nachweis erbracht werden, daß dieſe ſpäteren Dichter in irgend einem Falle die ſtrengen Anforderungen der antiken dramatiſchen Technik entſchieden vernachläſſigt d. h. Stücke ohne allen einheitlichen Plan, ohne eine gewiſſe Cauſalitätsverknüpf⸗ ung, ohne gleichmäßige Characteriſtik der Perſonen u. a. dgl. geliefert hätten. Im Gegentheil der Contraſt zwiſchen dieſer jüngeren Komödiengattung und dem, was man auf Grund der über⸗ lieferten Stücke für ariſtophaniſche Kunſtleiſtung ausgab, galt gerade in Rückſicht auf die formale Compoſition bisher gemeiniglich als ein recht erheblicher**).
Er ſoll unter anderm auch aus dem bekannten Fragment des Antiphanes*x) mit Evidenz hervorgehen, worin derſelbe über die ſchwierige Lage der Komödiendichter klagt. Glückſelig zu preiſen ſind die Tragiker, ruft er aus. Ihre Stoffe ſind dem Publikum wohlbekannt. Sie brauchen nur den Namen Oidipus zu nennen, ſo weiß auch ſchon ein Jeder, worum es ſich handelt. Desgleichen bei dem Namen Alkmaion, Adraſtos u. A. Wer kännte nicht die Sippſchaften dieſer Heroen und ihre Thaten. Und wenn wirklich einmal der Geiſt jene Künſtler verläßt und ihre Sache ſo verfahren iſt, daß ſie nichts mehr zu ſagen wiſſen, dann helfen ſie ſich mit der Theatermaſchine. Wir aber, wir armen Komödiendichter, beſitzen keinerlei derartige Hülfsmittel. Bei uns muß Alles erſt nagelneu erfunden werden: die Namen, die Vorausſetzungen, die augenblickliche Lage der Dinge, der Umſchlag, der richtige Anfang u. ſ. w. Eine kleine Un⸗ terlaſſungsſünde in einem von dieſen Punkten und das Stück iſt verloren.
Wenn man aber dieſe Stelle dahin ausgelegt hat, Antiphanes hebe hier mit vollem Be⸗ wußtſein hervor, daß die jüngere Komödie mehr Sorfalt auf die künſtleriſche Behandlung des Stoffes verwende als die alte, ſo war dies unbedingt über das Ziel hinausgeſchoſſen. Nicht um einen Gegenſatz zwiſchen alter und neuerer Komödie, ſondern zwiſchen Tragödie und Komödie
*) Bergk a. a. O. prolegg. I 10. XII 1. 10.
*) Bode Geſch. der dramatiſchen Dichtkunſt II S. 395 bezüglich der mittleren Komödie:„Dazu kam, daß die Beſchränkung des Chores, für welchen die reicheren Bürger Athens nicht mehr die Koſten beſtreiten wollten, die Dichter zwang, die Stelle der perſiflirenden Chorgeſänge und der Parabaſen durch eine mehr organi ſche Ausbildung und Verknüpfung der Scenen zu erſetzen u. ſ. w.“ K. O. Müller Geſch, d. griechiſchen Litteratur. Breslau 1857 II S. 266:„Die Siciliſche Komödie ging in ihrer kunſtreichen Ausbildung der Attiſchen um ein Menſchenalter voraus, und doch iſt der Uebergang zu der ſogenannten mittleren attiſchen Komödie leichter vom Epicharm als von Ariſtophanes, der ſich ſelbſt in dem Stücke, das dahin neigt, ſehr unähnlich erſcheint.“ Und ebend. S. 279 f.
*) Bei Athen. VI. p. 222.


