Aufsatz 
Aristophanes und Aristoteles oder über ein angebliches Privilegium der alten attischen Komödie
Entstehung
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möglichſter Vollkommenheit darzuſtellen, dasWeſentliche, Allgemeine, Ewige, Ideale, das in den einzelnen Dingen und Verhältniſſen zur Erſcheinung kommt oder beſſer: zur Erſcheinung kommen ſoll, bei der Nachahmung der Erſcheinungen mehr hervorleuchten zu laſſen, als es der Natur ſelber bei ihren Schöpfungen möglich iſt,(nicht, wie A. W. Schlegel meinte, gleich der Natur ſelbſtändig ſchaffend und organiſirend lebendige Werke zu bilden, die nicht erſt durch einen fremden Mechanismus, wie ctwa eine Pendeluhr, ſondern durch eine innewohnende Kraft, wie das Sonnenſyſtem, beweglich ſind und vollendet in ſich ſelbſt zurückkehren) daß alsdann eine bloß auf Willkür und Zufall begründete Thätigkeit beiſpielsweiſe eines Dichters dem

handeln, die ihm die Natur ſelbſt vorſchrieb, die ihr nicht widerſprechen, die ſein größter Reichthum ſind weil er dadurch ſowohl den großen Reichthum der Natur als den Reichthum ſeines Gemüths beherrſchen und brauchen lernt[Kant:Genie iſt die angeborene Gemüthsanlage(ingenium), durch welche die Natur der Kunſt die Regeln gibt.](S. 398): Das Vermiſchen von Natur und Kunſt iſt die Hauptkrank⸗ heit, an der unſere Zeit darniederliegt.Der Künſtler muß den Kreis ſeiner Kräfte kennen, er muß inner⸗ halb der Natur ſich ein Reich bilden; er hört aber auf, ein Künſtler zu ſein, wenn er mit in die Natur ver⸗ fließen, ſich in ihr auflöſen will.(S. 401:) Darin aberliegt einer der größten Vortheile der Kunſt, daß ſie dasjenige dichteriſch bilden darf, was der Natur unmöglich iſt, wirklich aufzuſtellen. So wie die Kunſt Centauren erſchafft, ſo kann ſie uns auch jungfräuliche Mütter vorlügen, ja es iſt ihre Pflicht. Die Ma⸗ trone Niobe, Mutter von vielen erwachſenen Kindern, iſt mit dem erſten Reiz jungfräulicher Brüſte gebildet. Ja in der weiſen Vereinigung dieſer Widerſprüche ruht die ewige Jugend, welche die Alten ihren Gott⸗ heiten zu geben wußten.(S. 413):Der Künſtler ſoll nicht ſo wahr, ſo gewiſſenhaft gegen die Natur, er ſoll gewiſſenhaft gegen die Kunſt ſein. Durch die treuſte Nachahmung der Natur entſteht noch kein Kunſt⸗ werk, aber in einem Kunſtwerke kann faſt alle Natur erloſchen ſein, und es kann noch immer Lob verdienen. Hierher gehören auch die Erörterungen inder Sammler und die Seinigen(beſonders der VI. Brief) und in dem GeſprächUeber Wahrheit und Wahrſcheinlichkeit der Kunſtwerke(30. B.) z. B. S. 397:daß das Kunſtwahre und das Naturwahre völlig verſchieden ſei, und daß der Künſtler keineswegs ſtreben ſollte, noch dürfe, daß ſein Werk eigentlich als Naturwerk erſcheine, undnur dem ganz ungebildeten Zuſchauer kann ein Kunſtwerk als ein Naturwerk erſcheinen. S. 399:Ein vollkommenes Kunſtwerk iſt ein Werk des menſchlichen Geiſtes, und in dieſem Sinne auch ein Werk der Natur. Aber indem die zerſtreuten Gegenſtände in eins gefaßt und ſelbſt die gemeinſten in ihrer Bedeutung und Würde aufgenommen werden, ſo iſt es über die Natur. Es will durch einen Geiſt, der harmoniſch entſprungen und gebildet iſt, aufge⸗ faßt ſein, und dieſer findet das Vortreffliche, das in ſich Vollendete, auch ſeiner Natur gemäß. Ueber die Entwicklung der Goethe'ſchen Kunſtanſchauungen gibt einige allgemeine Geſichtspuncte Danzel Goethe und die Weimariſchen Kunſtfreunde in ihrem Verhältniß zu Winckelmann. Geſ. Aufſ. S. 118 ff.; über ihre Verwandtſchaft mit ſeiner Naturtheorie: Zimmerm ann Aeſthetik I. S. 369 ff.(Andere hierher ge⸗ hörige Aeußerungen der Neueren führt J. A. Hartung Lehren der Alten über die Dichtkunſt: Hamburg und Gotha 1845 an, z. B. von W. von Hum boldt S. 7 ff., 24 f., 31 ff., 43 f., von Schiller S. 44 f.) Schon Winckelmann hatte übrigens erkannt, daß ſich in den griechiſchen Kunſtwerkennicht allein die ſchönſte Natur, ſondern noch mehr als Natur d.i. gewiſſei dealiſche Schönheiten finden,die, wie uns ein alter Ausleger des Plato lehrt, von Bildern bloß im Verſtande entworfen, gemacht ſind und daß das Urbild der griechiſchen Künſtlereine bloß im Verſtand entworfene geiſtige Natur war. S. Schasler Aeſthet. I. S. 388. 398 ff. Bei Kant(Krit. d. Urth.) findet ſich die Unterſcheidung, daß ‚eine Naturſchönheit ein ſchönes Ding, die Kunſtſchönheit dagegen eine ſchöne Vorſtellung von einem Dinge ſei