Aufsatz 
Aristophanes und Aristoteles oder über ein angebliches Privilegium der alten attischen Komödie
Entstehung
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ihres Zweckes ſich bewußte Thätigkeit, welche ähnlich wie die Natur lediglich auf dieſen Zweck losſteuert und daher jedenfalls in der Hauptſache die Willkür ausſchließt unbeſchadet der Bethätigung der Genialität bei der Geſtaltung des Einzelnen. Das Weſen der Kunſtthätig⸗ keit erſchien ihnen gleichwie das des Eros Uranios*) als eine beſonnene Begeiſterung, eine 0⁴⁵†σσόυσ εαάαάκα. Der Wahlſpruch des wahrhaft genialen helleniſchen Küuſtlers läßt ſich in gewiſſem Sinne durch das Göthe'ſche Wort:Toll, aber klug ausdrücken und es iſt ſicherlich für den Stand der dramatiſchen Kunſt der Hellenen um die Mitte des 5. Jahrhunderts bezeichnend, daß Sophokles gegen ſeinen ehrwürdigen Vorgänger Aiſ chylos die tadelnde Bemerkung äußern durfte: Dieſer übe zwar in ſeiner Kunſt das Rechte, aber er thue es nicht mit vollem Bewußtſein.**)

Und ſoviel iſt nun wohl einleuchtend, daß, wenn einmal von den Alten der Kunſt die Aufgabe geſtellt iſt,**) die den Naturerſcheinungen zu Grunde liegenden Ideen durch Nachahmung in

* Lukian Demoſth. enkom. c. 13. Vergl. auch Briefw. zwiſchen Schiller und Goethe. Nr. 752. 809.

**) Athen. I. 22 a. X. 428 f.

**n) S. Reinkens a. a. O. S. 181 ff, wo auch mit Recht an die Bemerkung von Roſenkranz über Goethe's Auffaſſung erinnert wird:Die Nachahmung der Natur im Sinn eines Batteux als Copiren der empiriſchen Wirklichkeit ward von ihm(Goethe] als der falſche Weg anerkannt, das wahre Ideal der Kunſt zu realiſiren. Die Werke der Natur ſind in ihrer Eriſtenz tauſendfältiger Bedingtheit preisgegeben, welche die Erſcheinung der abſoluten Schönheit in ihnen verkümmert. Die Kunſt ſoll ihre Geſtalten aller gemeinen Bedürftigkeit, aller Abhängigkeit vom Zufall entheben; ſie ſoll die Ewigkeit der Har⸗ monie von Weſen und Form ausdrücken. Sie ſoll naturwahr ſein, nicht als ein Nachſchildern des unmit⸗ telbar Gegebenen, fondern als ein Darſtellen deſſen, was die Natur ſelber hervorzubringen ſtrebt, was ihr aber, in der Kreuzung ſo vieler äußerlicher Bedingungen, völlig zu erreichen verſagt bleibt. So verfuhren die Griechen. Goethe hat überhaupt am Beſten unter den Neueren das Weſen der helleniſchen Kunſt er⸗ faßt.Die Alten, weit entfernt von dem Wahne, daß ein Kunſtwerk dem Scheine nach wieder ein Naturwerk werden müſſe, bezeichneten ihre Kunſtwerke als ſolche durch ge⸗ wählte Ordnung der Theile; ſie erleichterten dem Auge die Einſicht in die Verhältniſſe durch Symmetrie, und ſo wird ein verwickeltes Werk faßlich.Der ächte geſetzgebende Künſtler ſtrebt nach Kunſtwahrheit, der geſetzloſe, der einem blinden Triebe folgt, nach Naturwirklichkeit; durch jenen wird die Kunſt zum höchſten Gipfel, durch dieſen auf ihre niedrigſte Stufe gebracht. Ferner in der Beſprechung von Diderot's Ver⸗ ſuch über die Malerei(B. 29 S. 383 ff.): Diderot geht verkehrter Weiſe darauf aus, Natur und Kunſt zu confundiren, während vielmehr beide in ihren Wirkungen getrennt darzuſtellen ſind(S. 390):Die Natur organiſirt ein lebendiges, gleichgültiges Weſen, der Künſtler ein todtes, aber ein bedeutendes, die Natur ein wirkliches, der Künſtler ein ſcheinbares. Eine vollkommene Nachahmung der Natur iſt in keinem Sinne möglich, der Künſtler iſt nur zur Darſtellung der Oberfläche einer Erſcheinung berufen.(S. 395): Die Natur weißſich in allen Störungsfällen, obgleich oft kümmerlich genug, in ein gewiſſes Gleichgewicht zu ſetzen und beweiſt dadurch auf das Kräftigſteihre lebendige, productive Realität, während die Kunſt nauf ihrem höchſten Gipfel keine Anſprüche auf lebendige, productive und reproductive Realität macht, ſon⸗ dern die Natur auf dem würdigſten Punkte ihrer Erſcheinung ergreift, ihr die Schönheit der Proportionen ablernt, um ſie ihr ſelbſt wieder vorzuſchreiben.Die Natur ſcheint um ihrer ſelbſt willen zu wirken, der Künſtler wirkt als Menſch, um des Menſchen willen, er gibtdankbar gegen die Natur, die auch ihn hervorbrachte, ihr eine zweite Natur, aber eine gefühlte, eine gedachte, eine menſchlich vollendete zurück. Soll dieſes aber geſchehen, ſo muß das Genie, der berufene Künſtler, nach Geſetzen, nach Regeln

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