das inſtinktive Treffen des Guten(erruxi«) der vollkommenen, mit Ueberlegung(eu⁵ᷣον) ge⸗ übten Tugend;*) es iſt geradezu als das Gegentheil derſelben, als Kunſtwidrigkeit anzuſehen. Jener Naturalismus, jenes rein inſtinktive Schaffen iſt nach Ariſtoteles nur in der Periode der erſten Entwicklung der Kunſt unbedingt anzuerkennen, in welcher beſonders begabte Naturen durch ſogenannte Stegreifverſuche allmählich auf die Erkenntniß der wahren Geſetze und Formen der Kunſt(xννιμαα⁴α, 2⁷0) hingeleitet werden.**) Der ganze Entwicklungsgang geht in der Regel nur ſchrittweiſe von ſtatten. Das Schwierigſte und darum auch das Verdienſtvollſte iſt hierbei der Anfang,***) das Ausſprechen des erſten Wortes. Das Uebrige ergibt ſich(natürlich unter der Vorausſetzung, daß das Samenkorn auf den frucht⸗ baren Boden einer künſtleriſch begabten Volksnatur gefallen iſt) gewiſſermaßen von ſelber. Die Erfahrung entſcheidet, ob ein Verſuch gelungen ſei oder nicht. So oft aber wirklich beſſere Formen und Geſetze zu dem Vorhandenen hinzuerfunden ſind, erlangen ſie eine all⸗ gemeine Geltung. Damit wachſen und veredeln ſich auch die Ideale. Durch allmähliches Hinzufügen und durch Reflexion über die guten Errungenſchaften und die Fehlgriffe gelangt man nicht allein zu einer feſten Technik, zu einer practiſchen Fertigkeit, ſondern auch zu dem klaren Bewußtſein von dem ächten Ideal, zu dem rationalen Kunſtgeſetz †), welches nun⸗ mehr einen entſcheidenden Einfluß ausübt und dem überquellenden Strome des Genius die noth⸗ wendigen Schranken ſetzt. Auch aus der gelegentlich hingeworfenen, höchſt merkwürdigen Aeußerung des Ariſtoteles: daß die Kunſt nicht überlege, †ff) läßt ſich vielleicht entnehmen, wie hoch er den abſoluten Werth und die Wirkungskraft der auf jenem Wege gefundenen allgemeinen Kunſtgeſetze anſchlägt, da ſie hier neben die zweckmäßige Wirkſamkeit der ſchaffenden Natur ge⸗ halten werden. Jedenfalls gelten ſie ihm als feſte Axiome der Technik, an denen nicht gerüt⸗ telt werden darf, welche zwar der Phantaſie und der Erfindungsgabe des Künſtlers, beſonders bei der Auffaſſung und Ausführung des Einzelnen, einen genügenden Spielraum laſſen, welche aber gleichzeitig ſeinen Genius mit eiſerner Strenge unter ein heilſames Joch beugen, da er ohne daſſelbe ſeine Kraft zweck⸗ und erfolglos vergeuden würde. Nun erſt nach einem längeren Ent⸗ *) Eth. Nikom VI. 10.— Eth. meg. II. 8.— Eth. Eudem. VII. 14. ſ. Teichmüller a. a. O. I. 127 II. 429 f.— *) Poect. c. 4. 1448 b. 20— 27.— c. 4. 1449 a. 9— 15.— c. 5. 1449 a. 24.37— b. 4.— c. 14. 1454 a. 9— 13. **) De Soph. el. XXXIV. vgl. Polit. 2. 1253 a. 30.— Teichmüller a. a. O. II. S. 384 ff. vergl. auch Goethe: Diderot's Verſuch über die Malerei. B. 29. S. 393. 399 u. a.— Briefw. zw. G. und Schiller 490. 726. †) Eth. Nikom. VI. 4. 1140 a 6— 10.— cf. Poet. c. 1. 1447 a 19.— Polit. I. 13. 1260 a. 18.— Rhet. I. 1. a. o. a. O.— Metaph. I. 1. 981 a. o. a. O. rr) Phyſ. II. 8. 199 b. 28.(199 a 21)— Vergl. Teichmüller a. a. O. II. S. 392 ff., wo zur Erläuterung herbeigezogen wird: Metaph. I. 1. 981. a. 15.— vergl. Poet. 9.— Reinkens Ariſtoteles über Kunſt. S. 294 ff. weiſt in eingehender Erörterung nachdrücklich darauf hin, daß die Kunſt— nach der Meinung des Ariſtoteles— über ihre Zwecke allerdings nicht rathſchlage(wohl aber über die Mittel zur Erreichung der Zwecke), inſofern der Künſtler keine ſeiner Kunſt fremden Zwecke ſetzen dürfe und überhaupt nicht die Wahl zwiſchen mehreren Zwecken habe.— Vergl. Bernays Grundz. der verl. Abh. d. Ariſt. über d. Wirk. der Trag. S. 144.— Uebrigens hat es ſeine Bedenken, die Stelle auch außerhalb der Naturwiſſenſchaften zu verwerthen.
Aufsatz
Aristophanes und Aristoteles oder über ein angebliches Privilegium der alten attischen Komödie
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