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geregelt wird, ſo daß keines derſelben von ſeinem Platze verrückt werden kann, ohne daß der ganze Organismus leidet. Dieſes Geſetz fordert alſo den Cauſalnexus zwiſchen den ein⸗ zelnen Theilen der Handlung;*) es ſchließt die dem Stoffe des Dramas fremdartigen Cpiſoden aus, aber ebenſo auch die Lückenhaftigkeit in der Aufeinanderfolge, das unvermittelte Aneinander⸗ reihen der Theile. Die Ordnung bewirkt, daß die Einheit zur Ganzheit**) wird. Der drama⸗ tiſche Dichter muß daher bei der Zuſammenfügung der einzelnen Theile ſeines Stoffes auf die Forderungen der Nothwendigkeitoder der Wahrſcheinlichkeit(d. h. des Erfahrungs⸗ mäßigen, Natürlichen) achten,***) ſo daß die Geſammthandlung in einer ununterbrochenen, von Willkür und Zufall nicht beeinflußten Entwicklung verläuft. Nur ſo kann den idealen Schöpfungen des Genius die wichtige Eigenſchaft deer Naturwahrheit gewahrt werden. Selbſtverſtändlich gilt dieſes Geſetz für die verflochtenen Mythen ebenſo gut wie für die ein fachen. Hier wie dort müſſen willkürlich eingefügte, den Cauſalitätszuſammenhang unter⸗ brechende Epiſoden als kunſtwidrig und verwerflich angeſehen werden.
3. Symmetrie, welche den Umfang und die Größe der einzelnen Theile der Handlung regelt,†) derart daß ſie zum Ganzen in dem richtigen Verhältniß ſtehen und nicht etwa durch unverhältnißmäßiges Hervorragen oder Zurücktreten als ſelbſtändige Gebilde erſcheinen, wodurch leicht Störung und Ablenkung bei der Betrachtung des Ganzen verurſacht würde. Sie ver⸗ bietet alſo dem Dichter die Bevorzugung einzelner Theile der Handlung auf Koſten anderer oder des Ganzen d. h. das übermäßige Ausſpinnen der an ſich zuläſſigen Epiſoden; ſie ver⸗ langt, daß die einzelnen, nach dem Geſetz der Ordnung an⸗ und ineinander gefügten Scenen ſich auch äußerlich als ebenmäßig gegliederte Theile des Ganzen zu erkennen geben.ſ†) Sie trägt weſentlich dazu bei, dem Kunſtwerk den Character der Einheit zu wahren und in dem Beſchauer jene„Luſt an der Harmonie“ zu wecken, von welcher Leibnitz ſagt, ſie ſei ein Entzücken der Seele, die nicht weiß, daß ſie zählt. † ††)
a. 33— b. 8.— cf. c. 18 1456 a. 24.— c. 23. 1459 a. 24.— c. 24. 1460 a. 20— 26.— c. 17. 1455 a. 22.— Hierher gehört auch Platon Phaidr. 264 b. und der lucidus ordo des Horaz Ep. II. 3. 40 ff. *) Teichmüller a. a. O. II. S. 248 bezieht es nur auf die geregelte Folge von Anfang, Mitte und Ende. **) Metaph. IV. 26. 1023 b. 26. ***) Vergl. Reinkens Ariſtoteles über Kunſt S. 274 ff.
†) Etwas unklar Teichmüller a. a. O. II. S. 249:„Die Symmetrie regelt die Größe der Handlung, daß ſie nicht zu klein und nicht zu groß ſei, ſondern ihr Maß empfange innerlich aus der Nothwendigkeit oder Wahrſcheinlichkeit menſchlicher Ereigniſſe und ſubjectiv aus der Faſſungskraft unſerer Aufmerkſamkeit und Fantaſie“.— Vergl. Problem. XVII. 1. a. o. a. O.— Platon Phaidr. 264 c. ſ. oben S. 19 Anm.*.
ti) Winckelmann Vorläufige Abhandl. u. ſ. w. IV.§. 7 bezeichnet als die zwei vornehmſten Be⸗ griffe der Schönheit„die Einheit und die Einfachheit harmoniſch mit einander verbunden und in den Theilen gleichförmig vereinigt.“— Vgl. Geſch. der Kunſt IV. 2.§. 22.
†rr) Trendelenburg a. a. O. S. 326.


