Aufsatz 
Aristophanes und Aristoteles oder über ein angebliches Privilegium der alten attischen Komödie
Entstehung
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Vor allem ſcheinen die Pythagoräer, welche die Welt als ein wohlgegliedertes, harmoniſch geordnetes Ganzes, als einen 6%% anſahen und das die Welt zuſammenhaltende Formen⸗ princip auf Ordnung, Maß und Ebenmaß zurückführten, auch die Elemente des Schönen in die Begriffe der Begrenzung, der Ordnung und des Ebenmaßes verlegt zu haben.*)

Auf Sokrates läßt ſich wohl eine Aeußerung in einer der xenophonteiſchen Schriften**) zurückführen, welche in der Ordnung einen Hauptfactor der Schönheit der Dinge nachzu⸗ weiſen verſucht.***)

Insbeſondere aber müſſen hierbei die nicht ſehr zahlreichen) Bemerkungen des Platon und Ariſtoteles in Betracht gezogen werden, von denen der letztere jedenfalls als Vertreter des Höhepunktes der helleniſchen Aeſthetik anzuſehen iſt. Wenn nun auch die ariſtoteliſche Kunſt⸗ theorie ebenſo wie die platoniſche, ſoweit ſich nach den uns erhaltenen fragmentariſchen Nach⸗ richten urtheilen läßt, nicht von dem Begriff des Schönen, ſondern von dem der Nachahmung ausgegangen iſt, wenn auch bei dieſen Philoſophen der Begriff des Schönen von dem des Guten und des Wahren nicht durchweg ſcharf und beſtimmt abgegrenzt erſcheint, und wenn auch (namentlich bei Platon) eine Reihe ſcheinbarer oder wirklicher Widerſprüche in ihren ethiſch⸗ äſthetiſchen Grundanſchauungen dem Forſcher hemmend in den Weg tritt, ſo galt ihnen doch zweifelsohne die Schönheit als das wichtigſte Geſetz der Kunſt.

Als weſentliche Merkmale des Schönen ſund zugleich des Guten] bezeichnet aber Platon:. Maß und Ebenmäßigkeit, Ordnung und Vollendungz er ſieht in demſelben überhaupt die höchſte formelle und ideelle Vollkommenheit. Jene Momente bilden bei ihm die Grundſage der Weltordnung, inſofern der Schöpfer nach der ihm vorſchwebenden Idee des voll⸗ kommenſten Weſens das urſprüngliche Chaos ebenmäßig und harmoniſch gegliedert hat, ††) ſie bilden auch die Grundlage des organiſch gegliederten Staatsweſens und in beiden Fällen ſind ſie die Urſache des Wohlgefallens, das durch jene Gebilde bewirkt wird; ſie erſcheinen end⸗

*) Ariſtot. Metaph. XIV. 6. 1093 b 11. Eudorus bei Simpl. Phyſ. 39 m.

**) Oikon. VIII. 3 ff.

***) Die Anſicht der Stoiker über das Weſen der Tugend, daß ſie nämlich in der Conſequenz, in der inneren Uebereinſtimmung des menſchlichen Handelns beruhe, ſcheint mit ihren äſthetiſchen Begriffen von dem hohen Werth der Ordnung und Uebereinſtimmung, der Harmonie und Symmetrie in den Werken der Natur und der Kunſt in Zuſammenhang zu ſtehen. ſ. Ed. Müller II. S. 190 ff. Im Einverſtändniß mit dieſer Anſicht der Stoiker ſagt Cicero de off. I 28: Ut enim pulchritudo corporis apta compositione membrorum movet oculos et delectat hoc ipso, quod inter se omnes partes cum quodam lepore con- sentiunt, sic hoc decorum, quod elucet in vita, movet approbationem corum, quibuscum vivitur, or- dine et constantia et moderatione dictorum omnium atque factorum.

) Ed. Müller a. a. O. G. Teichmüller Ariſtotel. Forſchungen II. Th. Ariſtoteles Philoſophie der Kunſt. Halle 1869. S. 124 ff. Zeller Geſch. der griech. Philoſophie II. 605. J. H. Reinkens Ariſtoteles über Kunſt beſonders über Tragödie. Wien 1870.

) Phileb. 64. e. Polit. 284 a. Tim. 87 ʒc. Soph. 228 a. Tim. 29d 30 c. Ebendaſ. 33 b. G

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