Aufsatz 
Aristophanes und Aristoteles oder über ein angebliches Privilegium der alten attischen Komödie
Entstehung
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der Recenſent ſich wohl auch, was man in dieſem Falle von einem Kritiker doch verlangen kann, nach der urkundlichen Beglaubigung dieſesPrivilegiums der Formloſigkeit umgeſehen? Hat er ſeine Aechtheit eingehend geprüft? Ich fürchte nein.

Ich meinerſeits habe wenigſtens, bevor ich gegen daſſelbe auftrat, eine kleine vorläufige Prüfung unternommen und mir über die Gründe, welche zu einer Nichtbeachtung deſſelben be⸗ rechtigen, in der Hauptſache einen Ueberblick verſchafft. Kompetente und denkende Forſcher zu der nämlichen Prüfung der geſammten bisherigen Beurtheilungsweiſe der ariſtophaniſchen Komödien anzuregen, war gerade der wichtigſte, ganz beſtimmt hervorgehobene Zweck) meiner erſten Veröffentlichung, vie freilich bei ihrer ſkizzenhaften, mehr andeutenden und auf die Abſteckung des ganzen Terrains der Forſchung gerichteten Anlage keine eingehenden theoretiſchen Erörter⸗ ungen, ſondern ſogleich einzelne practiſche Nachweiſe über den wahren Urſprung jenes Priri⸗ legiums bringen ſollte. Daß dies dem Recenſenten nicht klar geworden, daß er, was ich als unbegründete Annahme zu erſchüttern verſuche, mir mit leichtem Herzen als Thatſache entgegen⸗ ſchleudert, iſt zwar eine bedauerliche, jedoch innerhalb der Recenſionslitteratur unſerer Tage keineswegs vereinzelte Erſcheinung.

Um indeſſen dem wenn auch nur in formeller Hinſicht zu begründenden Vorwurf einer mangelhaften Methode zu begegnen, will ich hier meine theoretiſchen Gründe für die Nichtbeach⸗ tung des angeblichen Privilegiums kurz zuſammenfaſſen.

Ich behaupte alſo gegen den Recenſenten:

I. Meine Definition der Komödie iſt keine willkürlich erſonnene, ſondern eine in den Kunſtanſchauungen des Alterthums wohl begründete.

II. Das angebliche Privilegium der alten attiſchen Komödie, kraft deſſen dieſelbe mit einem ganz beſonderen, den allgemeinen Anforderungen der alten Kunſtlehre auf's ſchroffſte widerſprechenden Maßſtab zu meſſen ſei, hat niemals als ſolches exiſtirt.

I.

Welche Forderungen die antike Kunſtlehre im Allgemeinen an ein wahres Kunſtwerk ſtellen mußte, darüber kann eigentlich Niemand im Zweifel ſein. Denn obſchon in den auf uns gekommenen Bruchſtücken der theoretiſchen Schriften des Alterthums nur eine ſpärliche Zahl von Anhaltspunkten ſich findet, ſo genügt doch eine einfache Zuſammenſtellung der wichtigſten von dieſen ſcharf ausgeprägten Trümmern, um dem von der Gedankenbläſſe der modernen äſthetiſchen Doctrinen nicht ernſtlich angekränkelten Beurtheiler ſofort die richtigen Geſichtspunkte an die Hand zu geben. Ordnung und Ebenmaß gelten ziemlich unbeſtritten als die eigen⸗ thümlichen formalen Geſetze aller geiſtigen und materiellen Gebilde des helleniſchen Volkes; für

*) A. a. O. Vorrede S. III. V. Eine Anzahl anerkennender Aeußerungen von Seiten verſchiedener Gelehrten, worunter auch wirkliche Kenner des Ariſtophanes, bürgt mir übrigens dafür, daß dieſer Hauptzweck erreicht werden wird.