dumtaxat et unum ſo eindringlich als elementarſtes Erforderniß für jede Dichtung hingeſtellt wird, etwas größere Anſprüche an einen helleniſchen Kunſtdichter zu machen.*) Iſt doch neuer⸗ dings hauptſächlich ſeit G. Hermann's, F. G. Welcker's und F. Ritſchl's Hinweiſen auf gewiſſe ſymmetriſch gegliederte Partien des Drama mehr und mehr auch das rein formale Moment, die Gebundenheit an ſtrenge, faſt ſtarre Compoſitionsgeſetze neben dem freieſten geiſtigen Aufſchwung als ein weſentliches Merkmal der helleniſchen Poeſie überhaupt erkannt worden.“
Daß nun jene Unterſuchungen mit ihren ſo weitreichenden Ergebniſſen oder, wie man wohl auch geſagt hat,„mit ihrer revolutionären Tendenz“ auf verſchiedenen Seiten Widerſpruch finden würden, war vorauszuſehen. Gehört doch zu ihrer ſachgemäßen Beurtheilung eine Unbe⸗ fangenheit, welche dem in gewiſſen hergebrachten Vorſtellungen alt gewordenen Gelehrten nicht gerade leicht fallen mag. Und wäre andererſeits die Sache ſo klar, daß ſie ſich wie ein mathe⸗ matiſcher Lehrſatz ſtricte beweiſen ließe, ſo wäre man eben ſchon längſt darauf gekommen. Uebrigens ſind Widerſpruch und Widerlegung zwei ſehr verſchiedene Dinge, und mit der letzteren ſcheint es noch gute Wege zu haben.
Ein Verſuch dazu iſt unter anderm im Philol. Anzeiger IV. n. 1. S. 27 ff. gemacht worden. Es iſt in dieſen Blättern natürlich nicht der Ort für eine eingehendere Würdigung weder der von dem anonymen Recenſenten dort vorgebrachten einzelnen Ausſtellungen, noch ſeines ganzen Verfahrens, insbeſondere der erſtaunlichen Virtuoſität mit der er zwiſchen anerkennen⸗ den und mißbilligenden Ausſprüchen herüber und hinüber ſchwankt, ohne dabei auch nur ein einziges meiner Detailergebniſſe ernſtlich zu erſchüttern. Nur eine ſeiner Einwendungen verdient beachtet zu werden, weil ſie den Anknüpfungspunkt zu einer Weiterführung der Hauptfrage bietet. Der Recenſent vermeint nämlich einen beſonders wuchtigen Streich gegen meine Geſammt⸗ auffaſſung durch folgende Bemerkung zu führen(S. 31 f):„Wehe alſo dem jetzigen Ariſto⸗ phanes, wenn der verf. recht behält. Aber ſeine methode iſt verfehlt, der ganze ſtolze bau ruht auf morſcher grundlage. Mit dem maßſtabe einer ganz neuen willkürlich erſon⸗ nenen und in nichts begründeten definition von der alten komödie, wonach dieſelbe ihr privilegium, ſich über die regeln ſtrenger dramatik hinwegſetzen zu dürfen, verliert, tritt er an den Ariſtophanes heran, und weil derſelbe ſeinen anforderungen natürlicherweiſe nicht entſpricht, ſo zerſtückt, zerreißt, zerfetzt er ihn in einer weiſe, daß man nicht umhin kann, mit dem gemißhandelten mitleid zu empfinden.“
Die Motive, welche dieſen Recenſenten veranlaſſen, meine Ergebniſſe im Großen und Ganzen zu„perhorrescieren“, zerfallen ſonach augenſcheinlich in Regungen des Gemüthes und in Vernunftgründe.—
*) Vergl. m. Unterſ. S. 122:„Auch die ariſtophaniſche Komödie beruht, wenn anders ſie den Namen eines griechiſchen Kunſtwerks verdien te, auf einer wohlangelegten, conſequent durchgeführten, einheitlichen parodiſchen Intrigue, nicht auf jener nebelnden und ſchwebelnden, ideen⸗ und zuſammenhangsloſen Poetaſter⸗ flunkerei, welche namentlich die Romantiker, allerdings auf Grund der wenigen überlieferten Komödien, als ein Charakteriſticum der helleniſchen Poeſie dogmatiſirt haben.“


