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ſamkeit der Beurtheiler nicht entgangen.*) Daß ſich aber auch zwei gänzlich verſchiedene Grund⸗ gedanken faſt durch das ganze Stück hindurch nachweiſen laſſen, hatte man noch nicht bemerkt.
Ferner die Wespen, bei welchen jeder Unbefangene beim erſten Durchleſen erkennen wird, daß dieſes Stück in zwei völlig heterogene und auf's lockerſte aneinander gereihte Hälften zerfällt und daß nur die erſtere dem Namen einer Wespenkomödie entſpricht, ein Umſtand, auf den z. B. ein angeſehener franzöſiſcher Ueberſetzer, Poinſinet de Sivry, ſich beruft, wenn er die zweite Hälfte als nicht zu dem Thema der erſteren gehörig geradezu wegläßt.**)
Endlich die Vögel, das Paradeſtück„unſeres“ Ariſtophanes, das glänzendſte Denkmal ſeiner„hyperromantiſchen Qualität“,***) an welchem hinſichtlich ſeiner ganzen Compoſition zu rütteln alle diejenigen für eine Art von Frevel erklären möchten, welche ſich nun einmal mit der vollſtändig begriffloſen und unbegreifbaren, in den bunteſten Farben romantiſcher Ueberſpannt⸗ heit ſchillernden Urtheilen der Neueren zufrieden gegeben haben, zugleich aber ein Stück, bei dem es ſich wie kaum bei einem zweiten ſchon längſt als ein Ding der Unmöglichkeit heraus⸗ geſtellt hat, für ſeine jetzige Form einen einfachen, faßbaren Grundgedanken nachzuweiſen. †)
In allen dieſen Fällen fand ſich eine Reihe von Anhaltspunkten, theils äußerer, theils innerer Natur, durch welche ſich die Annahme einer hier ſtattgehabten, tief eingreifenden Ueber⸗ arbeitung, reſp. Contamination evident nachweiſen oder einſtweilen wenigſtens in hohem Grade wahrſcheinlich machen ließ.
Einer der leitenden Geſichtspunkte bei dieſer ganzen Unterſuchung war natürlich die Rück⸗ ſicht auf die ſtrengen Regeln der antiken Kunſtlehre. Um dies in der Kürze anzudeuten, war von mir in der Vorrede(S. IV.) die Frage aufgeworfen worden:„ob es denn angeſichts der rühmenden Urtheile des Alterthums und der faſt abſoluten Vorzüglichkeit vereinzelter Partien innerhalb der überlieferten Stücke nicht erlaubt ſei, an die alte Komödie überhaupt etwas höhere formale Anforderungen zu ſtellen als an eine zuſammenhangsloſe Poſſe oder an ein wirres und widerſpruchsvolles romantiſches Zaubermärchen, ob es demgemäß nicht erlaubt ſei, wenigſtens in Bezug auf die einheitliche Compoſition, auf das Princip des 0rε 65ον dv 570», auf die Ein⸗ heit des Mythos, wie dies alles ja auch in dem horaziſchen denique sit quidvis simplex
*) K. O. Müller Geſchichte der griech. Litter. Breslau 1857. II. S. 253. Vgl. meine„Unterſuchungen“ I. S. 110. Zu den daſelbſt bereits angeführten litterarhiſtoriſchen Urtheilen muß nachträglich hinzugefügt werden das von M. Rapp a. a. O. S. 259 f.:„Es verlohnt ſich nicht der Mühe, das Stück zu analyſiren“ —— da im Ganzen„ein dramatiſcher Gehalt nicht anerkannt werden kann u. ſ. w.“
**) S. meine„Unterſuchungen“ I. S. 174.— Auch Racine in ſeiner Nachbildung des Stückes benutzt nur die erſte Hälfte.
***) M. Rapp a. a. O. S. 257.
†) Außer den von mir a. a. O. I. S. 144 ff. ſchon mitgetheilten Proben iſt etwa noch zu erwähnen die Verlegenheitsphraſe bei Du Méril Histoire de la comedie ancienne. Paris 1869 I. p. 378:„Les Oiseaux représentent aussi le Peuple athénien, non plus en fonction sur la place publique, mais dans sa vie intime, avec Pinconsistence et la mobilité de ses idées, son besoin d'agitation et de mouvement, son ouverture d'esprit aux impulsions mauvaises.


