Aufsatz 
Aristophanes und Aristoteles oder über ein angebliches Privilegium der alten attischen Komödie
Entstehung
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drücken: daß man nicht mit Unrecht an jenen Stücken dielogiſche Faßlichkeit und Popu⸗ larität vermißt habe! Handelte es ſich nun hierbei um einen Dichter, der als der Begründer ſeiner Kunſtgattung am Anfang einer längeren Entwicklungsperiode erſchienen wäre und den Standpunkt des noch unbeholfenen Experimentierens(der ſogenannten Stegreifverſuche) reprä⸗ ſentirte, ſo wäre kein Wort über die ganze Sache zu verlieren. Da aber gerade im Gegen⸗ theil Ariſtophanes an dem Ende einer ſolchen Periode auftritt und nach beſtimmten Zeugniſſen des Alterthums die höchſte Stufe derſelben erreicht hat, da er ferner kein Romantiker, ſondern ein durch und durch helleniſcher Dichter war und mithin ſchon von Natur aus ſich ohne Frage dazu angetrieben fühlte, die künſtleriſchen, beſonders die techniſchen Errungenſchaften ſeiner Vorgänger und ſeiner Geuoſſen auf dem Gebiete des Dramas zu verwerthen und zu vervoll⸗ kommnen, da er ſodann bei ſeinen Angriffen auf gewiſſe Tragiker eine ungewöhnliche Schärfe und Feinheit des äſthetiſchen Urtheils an den Tag legte, und da endlich einzelne Partien ſeiner Ko⸗ mödien ein ganz eminentes dramatiſches Compoſitionstalent verrathen, mitunter ſogar eine bis in die geringfügigſten Einzelheiten durchgeführte Eurythmie beſitzen, ſo verdient jener ſeltſame Widerſpruch denn doch die ſorgſamſte kritiſche Prüfung. Eine ſolche iſt ihm aber bisher noch nicht zu Theil geworden.

Auf die Nothwendigkeit einer eingehenden Erörterung dieſer Frage hinzuweiſen, war der hauptſächlichſte Zweck der kürzlich von mir veröffentlichtenUnterſuchungen, in denen zugleich die wie mir ſcheint einzig rationale Löſung in ihren Grundzügen vorgelegt wird.*) Dieſe Löſung beſteht in der aus einer Reihe von Einzelunterſuchungen gewonnenen Erkenntniß, daß die uns überlieferten ariſtophaniſchen Komödien nicht mehr ihre urſprüngliche, vollkommene Geſtalt beſitzen, ſondern in ſpäterer, nachklaſſiſcher Zeit überarbeitet und umgeformt ſind. Vier Stücke lieferten das vorläufige Beweismaterial für dieſe Auffaſſung.

Zunächſt die Wolken, welche in neueſter Zeit faſt unbeſtritten als eine in der überlieferten Faſſung durchaus unfertige und mangelhafte Umarbeitung des urſprünglich in Athen aufgeführten Stückes angeſehen wurden, eine Umarbeitung, welche man bisher freilich auf Grund der Ausſage eines byzantiniſchen Grammatikers dem Ariſtophanes ſelber beilegen wollte, die aber, wie ſich bei tieferem Eindringen in die ganze Sachlage ergibt, in Wahrheit weder von Ariſtophanes noch von dem vorgeblichen, ad hoc aus der Luft gegriffenenpietätvollen Nachlaßordner herrühren kann.

Sodann der Plutos, an welchem die Erklärer von jeher das Ungleichartige und Unver⸗ einbare der Beſtandtheile der vorliegenden Bearbeitung ſo deutlich wahrnahmen, daß ſie ihn wenigſtens als Uebergangsſtück zwiſchen zwei verſchiedenen Kunſtperioden des griechiſchen Luſtſpiels characteriſierten. Auch der ſehr ſchroffe Wechſel von guten und ſchlechten Partien war der Aufmerk⸗

*) S. oben S. 7 Anm.**.