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Werke dessen der mich gesandt hat, so lang es Tag ist; es kommt die Naeht da niemand wirken kann(Joh. 9, 4). Und so müssen denn die Geschosse der Bosbeit und Verleumdung spurlos ab- prallen an dem, der sich stark und sicher fühlt unter dem Schilde Gottes und seine Waffen ge- schmiedet hat auf dem Ambofs der Wahrheit. Für jene verblendeten aufwiegelnden Egoisten aber, welche sich wider uns und unsere Schule an der Wahrheit und Gerechtigkeit versündigen, lafst uns im Namen Jesu beten: Herr, vergib ilmen, denn sie awissen nieht was sie tlhun. Die Zeit wird schon richten wer das Gute ernstlich gewollt; allein erst an seinen Früchten will jegliches Werk erkannt sein: die sollen dereinst Zeugnis ablegen, wie vor der Welt, also vor dem untrüglichen Richter- stuhle Gottes. Das Wirken einer Schule aber ist still und geräuschlos und ihr wahrer Flor, wie die geheime Rraft der unter einem hœheren Willen sich selbst darlebenden Natur, dem sinnlichen Auge kaum bemerkbar; ihr Geist ist langmütig und freundlich wie die Liebe, blaæht sich nicht auf, trachtet nicht nach Schaden, freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sondern freuet sich der Wahrheit. Wenn uun zwar ein seiner Grundidee nach selbständiger, kerngesunder, lebensfrischer Organismus in seiner normalen Entwickelung mancherlei Beeinträchligungen und Stœrungen erfahren kann(denn weleh menschliches Werk ist sonder Makel?), so mufs er hinwieder doch auch die Rraft in sich tragen jeden in sein inneres Triebwerk sich einschleichenden Parasitismus durch die eigenthümliche Energie der ihm zu Grunde liegenden Idee allmælig wieder auszustofsen, alle krankhaften Regungen unmittelbar wieder auszugleichen und sich qureh und aus sich selbst unaufhœrlich zu reorganisieren. Diesem physiologischen Grundsatze gemæſs wird unsere das Ideal der Menschheit wie es Jesus Christus offenbaret bezweckende und mit ganzer Seele erstrebende Schulverfassung nach wie vor gegen jed- wede parasitische Lebensstœrung bräftig ankämpfen, und so lange sie sich vom Geiste Gottes durch- drungen fühlt, alle unberufenen, die innere Metamorphose ihres Eigenlebens beeinträchtigenden An- fechtungen mit grœster Entschiedenheit zurückweisen.
Das eben ablaufende Schuljahr wurde am 3 April 1859 begonnen.
Am 20 August eröffuete der Director die Feier des Geburtstages unseres durchlauchtigsten Rur-
prinzen und Mitregenten mit folgendem Gebet:
„Zu dir, dem Roœnige aller Kænige, dem Herrn der himmlischen Heerschaaren, erheben wir „heut an diesem vaterländischen Feste zuerst unsere HHerzen, daſs du diesen Tag segnen wollest an „uns und allen treuen Unterthanen unseres innigst geliebten Fürsten. Wir danken dir, o Gott, daſs „du bisher den so vcætterlich beschirmet hast, welecher das von dir empfangene Leben an sein Land „dahingegeben zum Opfer der Liebe für uns seine Rinder, die er wie ein treuer Vater seines Volkes „hütet und erhält. Darum bitten wir dich, allgütiger Gott, dafs du dem Vater unseres Vaterlandes „geben wollest nach deiner Weisheit und Gnade was ihm und seinem Volke noth thut. Bewahre »ihn auch ferner in der Rraft des Geistes und in der Fülle der Gesundheit als des Landes festesten „Schirm und sichersten Hort: er sei uns stæts ein Muster der Tugend und Gerechtigkeit und sein „Thron immerdar die Zuflucht Bedrängter und in ihren Rechten Geschmelerter. Regieren ist ein „»schweres Amt: darum hilf du, o Herr, regieren, mache dem Fürsten die Arbeit leicht und schwebe »jhm ühcrall vor mit dem Lichte deiner Weisheit. Schenke ihm und dem Lande, hœchster Lenker „der Welt, den Segen des Friedens und die Liebe seiner Getreuen. Denn du hast dein Wohlge- „fallen an der Liebe und Treue, womit wir wie fromme Rinder an unserm Landesvater hangen. „Vor allem stärke daher in uns unser Pflichtgefühl, fessle uns mit den Banden der Liebe an den „Thron und an die Gesetze des Vaterlandes, belebe in uns alle Tage die Treue, die wir dir, unserm „Fürsten und der vom ihm geordneten Obrigkeit schuldig sind. Diesen Tag aber, den Segenstag „des Vaterlandes, lafs im Rreifslauf der Jahre aber und abermals wiederkehren, und so oft von neuem »die Sonne dieses Festes aufgeht, mœgen wir grœfsere und immer herrlichere Gaben deiner himmli-


