Aufsatz 
Historia critica poesis Graecorvm elegiacae / Nicolavs Bachivs
Entstehung
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schen Gnade rühmen und preisen können. Denn wenn du unsern Fürsten stark machest, so ver- »mag kein Feind etwas wider ihn; wenn du uns treu machest, so kann uns nichts von der Liebe scheiden; wo du regierest, wird die Last klein und die Frucht hundertfältig. Insonderheit laſs für diese Schulgemeinde, o Herr, das heutige Fest eine unversiegbare Ouelle deines himmlischen Se- gens, eines nach allen Seiten hin geordueten gesetzlichen Zustandes werden. Mogen alle ihr an- vertrauten Rnaben und Jünglinge von Tag zu Tage reiner und aufrichtiger erkennen, dafs nur durch wahrhaftige Frömmigkeit, treuen Gehorsam, lautere Sittlichkeit, gewissenhaften und redlichen Fleifs dein Reich immer weiter über die Erde verbreitet und dauernde Glückseeligkeit unter den Menschen gesliftet werden kann. Halte fern von unserer IIeerde alle räudigen Schafe, deren Gift nicht bloſs Krankheiten des Leibes erzeugt, sondern was weit verderblicher den innersten Rern, die Seele zugleich ansteckt, das Licht der Erkenntnis verdunkelt, das reine Feuer des Glaubens aus- löscht, die zuverlæſsige Hoffaung auf Unsterblichkeit abstumpft und das heiligste aller menschlichen »Güter grausam aus dem IIerzen reifst die Liebe. Deshalb wache du, o Herr, über Lehrenden »und Lernenden, dafs sie nimmer ihrer Pflicht vergessen und unerschütterlich festhalten an dem »Wahlspruch unserer frommen in dir ruhenden Væter: Alles mit Gott, niehts ohne Gott! Das »wollest du geben, allgütiger und allbarmherziger Vater im Himmel, um deiner unendlichen Liebe »willen durch Jesum Christum unsern Herrn und Heiland und durch den Beistand des heiligen »Geistes. Amen.

Darauf hielt der Gymnasiallehrer Dr. Franke die Lateinische Festrede, worin er unter beson- derer Rücksicht auf das eben unter uns frisch aufblühende Studium der Griechischen Litteratur*) die Wohlthaten dankbar hervorhob, welche die Regierung SErREI IIonnrr unserer Bildungsanstalt seit- her aufs huldreichste hat angedeihen lassen.

Am 25. 24& 25 September hatte die Privatprüfung und Censur in Verbindung mit Vortræ- gen und Gesängen der Schüler statt. Unter andern sprach der Primaner Lomb iber das Leben undl die Geisteswerke des Cornelius Tacitus, Gustav IIupfeld äber die beiden ältesten Deutschen Gediiehte.

Den 4 Februar 1340 wurde das Andenken an den Schöpfer des Deutschen Schulwesens HInAnAxus Mæunus und die von ihm unter RAnr dem Grofsen gestiftete Schule öffentlich gefeiert: nachdem der Choral IEie schœn leucht uns der Morgenstern von allen Schülern gesungen war, hielt Raspar Lomb einen von ihm selbst ausgearbeiteten Vortrag äber den Einfluss des Christenthums auf Deut- sehe Litteratur und auf Deutsehes Sehulwesen; Jakob Gegenbauer trug eine neuhochdeutsche metri- sehe Bearbeitung von Siegfrieds Tod nach der Nibelungennôt vor; aufserdem deelamierten Schüler aus allen Classen, abwechselnd mit vierstimmigen Gesängen.

Durch hœchste Beschlüsse vom 3 April und 16 October v. J. wurde die Zulassung der Can- didaten des Gyinnasiallehramtes Julius Hartmann& Thomas Bormann zu ihrer praktischen Aus- bildung bei dem hiesigen Gymnasium genehmigt. Sodann geruhten Sun HIonErr durch hoœchstes Reseript vom 25 September den Iilfslehrer TFranz Jakob Sehell zum ordentlichen Lehrer des G;- mnasiums mit einem Jahrgehalte von 300 Thlrn. gnædigst zu bestellen; wogegen unterm 16 Oetober der Ililfslehrer Gies mit der Linstweiligen Verschung einer Lehrstelle ain Gymnasium zu Cassel be- auftragt wurde.

*) Bei dieser Gelegenheit wollen wir an ein inhaltsschweres Wort PRrEDRIGus des Grofsen erinnern, welcher auf einen nichtswürdigen Antrag seichter Opscuranten kurz und bündig resolvierte: Aber vom Griechischen

und Lateinischen geh ich durchaus nicht ab bei dem Unterriehte der Schulen.