einzog.„Wie de Gaul, so de Mann“, rief der Kaiser, als er den noch immer hervor— ragendsten unter den evangelischen Fürsten stolz und kraftvoll einziehen sah. 1542 wirft Ph. den letzten erbitterten Gegner des Protestantismus in Norddeutschland, den Herzog Heinrich von Wolfenbüttel-Braunschweig, in kurzem Kampfe nieder. Noch 1544 ist er zu Speyer durch seine feurigen Reden, durch seine vornehme, glänzende Hofhaltung die Seele des Ganzen, so daß der florentinische Gesandte heim berichtet,„der Landgraf ist bei den Deutschen wie ihr Gott angesehen.“ Drei Jahre später aber stehen sich Philipp und der Kaiser im Felde als Feinde gegenüber, und Philipp, von seinen Bundesgenossen ver- lassen, muß zum ersten Male zum Schutz des eigenen Landes wie ein Bezwungener zurückkehren, dem Kaiser so zum Sieg bei Münlberg a. d. Elbe verhelfend. Jetzt sieht sich Philipp genötigt, den Frieden mit dem Kaiser anzustreben. Fast allein stehend muß er sich den schwersten Bedingungen fügen: unbedingte Unterwerfung, fußfällige Bitte um Verzeihung, Schleifung aller hessischen Festungen, Zahlung einer grossen Geldsumme. Am 19. Juni 1547 liegt Philipp in Halle vor Karl V. auf den Rnieen! Der Arglose er-— hebt sich wie von einem Alp befreit, wohl befremdet ihn die Nichtdarreichung der kaiser- lichen Hand, doch folgt er ohne Bedenken zu einem Festmahl bei Herzog Alba— um von diesem gefangen genommen zu werden. Die ganze welsche Tücke hat sich hier geoffenbart. Als Gefangener wird er umher geschleppt, geradezu grausam behandelt, in Mecheln, Holland, dauernd eingekerkert, in schwacher Stunde qualvoller Einsamkeit zum Eingehen auf das Interim von 1548 veranlasst,— sein Land freilich verstand den Zwang und folgte nicht—, bis endlich, endlich am 4. September 1552 infolge der Niederlage des Kaisers in Tirol und des Passauer Vertrags die Befreiungsstunde schlug. Ach, andere Fürsten waren soweit evangelisch gewesen, als es die Interessen ihrer Hauspolitik erlaubten; Philipp hatte das Martyrium auf sich genommen. Alles Grosse aber fordert Märtyrer. Und nun sehen wir noch Philipp bei seinem Einzug in Kassel. Er war den Rhein aufwärts gezogen, kam von Süden durchs Hessenland und vergalt hier dem Heinz von Lüder, dem Festungskommandanten von Ziegenhain, in weithin bekannt gewordener Weise seine Treue. Sonntag, den 12. September 1552 während des Gottesdienstes reitet er in seine geliebte Hauptstadt ein. Vor der Martinskirche steigt er vom Ross, ein Bürger verkündet im Gotteshause die Wiederkehr des Landesfürsten. Die Menge eilt hinaus, der Anblick des schneeweiss gewordenen Fürsten zwingt sie zu Tränen. Schweigend betritt der Landgraf die Kirche, er geht auf das Grabmal seiner Gattin Christine zu, er weiss, dass der Gram um ihn ihr das Herz gebrochen, still betet er da. Als er sich erhebt, begrüsst ihn der Dekan Melander, und endlich löst sich der Bann im vielhundertstimmigen „Herr Gott, dich loben wir!“ Am 25. September feierte ganz Hessenland jubelnd das Fest der Befreiung seines Fürsten. Der schwer geprüfte, abgeklärte Fürst widmet den Rest seines Lebens völlig noch dem inneren Ausbau seines Landes. Die alten Leiden- schaften für Spiel und Jagd sind verschwunden; das rasche Zufahren ist vorbei. Das Ziel seines Kämpfens sieht er noch erreicht im Religionsfrieden zu Augsburg 1555. Fortan sind Evangelische und Katholiken in Deutschland gleichberechtigt. Nie verliess ihn der Helfermut gegenüber den Evangelischen aller Länder. 1562 sehen wir hessische Reiter- regimenter bei Dreux für die Hugenotten kämpfen, die Philipp ausserdem mit 100 000
Aufsatz
Zum vierhundertjährigen Geburtstage Philipps des Großmütigen : Rede, gehalten am Königlichen Gymnasium zu Rinteln am 12. November 1904 / von ... Braunhof
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten


