Aufsatz 
Zum vierhundertjährigen Geburtstage Philipps des Großmütigen : Rede, gehalten am Königlichen Gymnasium zu Rinteln am 12. November 1904 / von ... Braunhof
Entstehung
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Gulden unterstützte. Der Protestantismus eine einheitliche Macht blieb sein Ideal. Kurz vor seinem Tode, am 21. Oktober 1566, gibt der Landgraf noch seinem Hessenland die neue Kirchenordnung; am 31. März 1567, an einem Ostermontag, starb er im Schloss zu Kassel nach dem Genuss des heiligen Abendmahles, umstanden von seinen ausgesöhnten Söhnen, von seinen ihn verehrenden Räten, ohne Todeskampf, unter dem letzten WortVater in deine Hände befehle ich meinen Geist! Ein damaliger hessischer Dichter klagt:

Im Land ein grosser Riss geschach,

Ein trewen Vatter hatts verlohrn

Wie man sindther wohl hatt erfahrn,

Der arm Mann fühlts teglich mit nott

Und klagt des frommen Fürsten thodt,

Mit Neglen sollt ausgraben gehrn,

Wenns müglich wehr, den altten Herrn.

Zwingli hatte einst über ihn gesagt,der Landgraf ist der erste und einzige aus allen Fürsten, der, ohne hinter sich zu sehen, den Pflug hebt. Philipps Urenkel Wilhelm V. spricht es aus, dassdas Andenken dieses Ahnen ein Erbe sei, welches seine Nachkommen verpflichte, ihr Alles einzusetzen für die Erhaltung der Gewissens- und Staatsfreiheit gegen- über dem Hause Habsburg und der katholischen Liga.

Fast 50 Jahre hat Philipp sein Hessenland regiert. Stehst du an seinem Grabmal in der Kasseler Martinskirche, stehst du an seinem lebensvollen, neuen Denkmal vor dieser Kirche, so trauerst du im Gedanken an die eine Tat, die dir sein Heldenbild trübt; aber du denkst tiefer, du machst dich los von diesem einen Punkt, du überschaust das Ganze, überschaust, was Philipp ohne irgend welchen irdischen Vorteil tat für unser köstlichstes Gut, für unsere evangelische Gewissensfreiheit, und du dankst dem grossen Toten und erflehst für ihn, dass Gott ewig segnen mõöge die Seele, die sich voll erschlossen der Wahrheit:Gottes Wort bleibt in Ewigkeit.