pagnons für Deutschland der Erzbischof Albrecht von Mainz und das Handelshaus Fugger waren; dass ein Mord mit Goldgulden vor Gottes Richterstuhl abbezahlt sei, wofern die Kirche diese Gulden einkassiert habe, vermochte selbst der gutmütigste Katholik, der deutsche, nicht lange zu glauben; da waren denn die flammenden Worte des Wittenberger Mönchs von Busse und Glauben zu den Herzen gedrungen mit einer Schnelligkeit und Unaufhaltsamkeit, als„ob die lieben Engelein selbst Boten gegangen wären“. Es kam der Tag von Worms; der Mönch sollte dem Kaiser gegenüber stehen, der Bergmannssohn Martin Luther Karl dem Fünften, in dessen Reiche die Sonne nicht unterging. Wie gross und glänzend war der Zuzug, wie wurde eine Gestalt von allem Volke bewundert: ein Jüngling, sicher den schäumenden Rappen zügelnd, umgeben von ergrauten Räten und Heerführern, gefolgt von einigen hundert stahlblinkenden Rittern! Das war der Hessenfürst Philipp.„Die grauen Bärte, die alten, wohlerfahrenen Männer um ihn her, die sind der beste Schmuck für ihn“, wusste ein Weib aus dem Volke zu sagen. Wie hatte es Philipp innerlich herzugezogen! Noch ganz in katholischen Anschauungen aufgewachsen, nach Wilhelms II., des Vaters, frühem und entsetzlichem Tode— am 11. Juli 1500 an einer damals epidemisch und in furchtbarem Grade auftretenden Krankheit— als Fünfjähriger von der strenggläubigen Mutter Anna von Mecklenburg, Wilhelms zweiter, bildschöner Gattin, wie von der eingesetzten Regentschaft mangelhaft, aber jedenfalls in Treue gegen Rom erzogen, hatte er die Bibel kennen gelernt, mass er an ihr seine Kirche, ihren Geist, ihre Forderungen, und es war in ihm das Gewissen erwacht, von dem er später sagt, dass es für dieses keine Majorität gebe. Ostern 1518, erst 14 Jahre alt, war er von Kaiser Maximilian für reif zum Selbstregieren befunden worden— er weiss späterhin keinen Dank hierfür—, Franz von Sickingens Wort„einen Knaben speist man mit einem Apfel ab“ hatte den stolzen Ehrgeiz des jugendlichen Geistes mächtig angespannt; wie lauscht der für Wahrheit überaus Empfängliche auf Luthers Worte, dicht neben dem die deutlichen Spuren des Geisteskampfes tragenden Mönch stehend! Luther hat's ihm angetan; er sucht den Geisteshelden in dessen Herberge auf. Wohl sind anfangs die Worte scherz-— haft, aber wenn Luther in Worms ein treu gemeintes Wort zu hören bekam, so war es das des Landgrafen beim Abschied:„Habt ihr Recht, Herr Doktor, so helf euch Gott!“ Von diesem Recht war er aber, der Sprecher, so berührt, dass dies wohl die Geburts—- stunde wurde für„den Heros der Reformation“, wenn er auch zur Zeit noch weit entfernt vom Obertritte war.
Stürmisch bewegte Zeit ist es nun, die vielfach das Schwert nicht in der Scheide liess und die volle Tatkraft des jungen Fürsten auch nach der ritterlichen Seite hin zur Entwickelung brachte. Den ohne jeden Grund in das Hessenland einst einbrechenden Franz von Sickingen weiss er bei günstiger Gelegenheit in seiner Hauptveste zu Falle zu bringen; er steht am Lager des sterbenden mächtigen Reichsritters, der ihn vordem so leicht genommen. Die reformatische Bewegung wird umrauscht von den verderblichen Schrecken des Bauernkrieges, der Wiedertäuferkämpfe.
So schneidig Philipps Miteingreifen in der Schlacht bei Frankenhausen am 15. Mai 1525, so milde und weise ist sein Verhalten gegenüber den armen, betörten Bauern, dem Thomas Münzer, der bei aller Aufrichtigkeit doch ein Urbild der Schwarmgeisterei, des Sozialismus


