CRITIUE D'ATHALIE DE RACINE PAR COLIMANN, PESCHIER, LOEVE WEIMAR 29
VII.
Der beschränkte Raum dieser Blätter erlaubt die oben S. 5. Anm.** erwähnte Mitthei- lung eines ganzen Abschnittes aus der Chrestomathie von Vinet, nebst dem Commentar von Vinet und dem unsrigen, nicht. Ich beschränke mich daher in gedachter Weise auf Mittheilung einer Seite(voir Vinet, Tom. ler p. 252— 253.) der erwähnten Chrestomathie, und auf nachträgliche Relation der gelehrten Urtheile, welche drei der französischen Spra- che und Literatur wohl kundige und auf diesem Gebiete der Wissenschaft anerkannten Ruf tragende Männer über die„Athalie“ von Racine in den unten näher bezeichneten Wer- ken veröffentlicht haben, und gewähre damit, obgleich in anderer Weise, einen Ersatz für die Proben, welche der College, der den siebenten Abschnitt übernommen, einzusenden An- stand genommen hat, wie oben S8. 2. erwähnt worden ist.
Herr Dr. E. Collmann,* ordentlicher Hauptlehrer am Gymnasium zu Marburg, sagt in gedachter Beziehung Folgendes:
„Johann Racine machte dem grossen Corneille die Palme des Genies streitig, während Corneille ihm das Verdienst der Vollendung nicht streitig machen konnte. Die Werke Racine's sind vorzugsweise schön, wie die des Sophocles und wie in der Sculptur Venus und Apollo. Nie erhielt ein Mensch von der Natur ein empfindsameres und leidenschaftlicheres Herz, als Racine. Aus sich schöpfte er den Gang und die Sprache aller Gefühle und Leidenschaften oder vielmehr, indem ihn seine Phantasie an die Stelle aller seiner Personen setzte, welche er in Handlung bringt, so identifizirte er sich mit ihnen; er vergisst sich selbst und lässt sich von seinen Lesern vergessen, man sieht nur seine Helden. Von der Lectüre der Alten genährt, erzogen in der Schule von Port Royal, welche die Schule der Frömmigkeit, der Vernunft und des guten Geschmacks war, em- pfänglich für die Liebe und alle ihre Regungen und Köstlichkeiten aus Erfahrung kennend, in einem Zeitalter stehend, wo die grossen Leidenschaften weder ein Aergerniss noch eine Lächerlichkeit waren, und wo der Geist des Ritterthums sich durch die Achtung vor den Frauen ankündigte, an einem Hofe, wo Alles edel, erhaben scheinen musste, und wo es viele Dinge wirklich waren, wo der Anstand und die Würde der Sprache und der Sitten der herrschende Ton waren, der vom Herrscher auf die Unterthanen überging; umgeben von gebildeten und strengen Freunden, welche ihm das Lob nicht entzogen und den Tadel nicht ersparten, entwickelte Ra- cine das herrliche Genie, welches er von der Natur erhalten hatte, in seiner Kraft, und wird die Bewunde- rung, aber auch die Verzweiflung aller derer seyn, welche versuchen werden, seinen Fusstapfen zu folgen. Racine weiss, wie Tacitus, mit stolzen und kühnen Zügen zu malen und sich auf die Stufe der Begeisterung eines alten Propheten und des alten Gesetzes zu erheben. Racine verband die Kunst, die Charaktere zu zeichnen, mit eben so viel Correctheit als Einheit, die Kunst, alle Theile seiner Schöpfung zu verbinden, den Gang zu vereinfachen, das Interesse zu steigern, alle Scenen seiner Tragödien zu beleben. Vorzüglich aber hatte er den Zauber des Styls, er sagte nie zu viel und nie zu wenig, er steht nie über und nie unter seinem Gegenstande, und es herrscht immer eine vollständige Harmonie zwischen den Sachen, welche gethan, und de- nen, welche gesagt werden. Seine besten Werke sind die Iphigénie, Phèdre und Athalie.“.
A. Peschier, Professeur de Litérature française et anglaise à l' université de Tubingue, a publié** sur cette tragédie la critique ci-suivante:
„Nous arrivons à la tragédie biblique, à celle qui donne la mesure du degré de grandeur et d' élévation auquel le génie de Racine pouvait s'élever. Jamais ocuvre n'offrit une conception plus étendue et plus no- ble dans un sujet plus simple et plus stérile en apparence. Un enfant élevé à P'ombre des autels, un prêtre, un vieillard qui conspire noblement pour replacer cet orphelin sur le trône de ses pères; une reine eruelle, achar- née à la perte du dernier rejeton d'un sang qu' elle déteste: voilà les principaux personnages qui se meuvent dans ce sombre tableau. Un éêtre mystérieux, invisible, y est partont présent: Dieu laieméème préside à la marche de l'action; c'est Dieu qu' Athalie vient praver jusque dans son sanctuaire; c'est lui qui a juré d'ané- antir cette créature d'un moment, Ini qui dirige son prétre, lui qui l'inspire, lui qui l'éclaire, Iui qui donne et publie par sa bouche ses augustes décrets.“ 1
„Nourri de la lecture des livres saints, familiarisé avec le langage des Pères de l'Eglise, Racine se sent à l'aise en traitant un sujet biblique. Ses sonvenirs de jeunesse, P'éducation qu'il avait reçue, la pente de son esprit, tont le portait vers les méditations graves et religieuses. C'est du commerce avec les prophètes qu' il rapportait tantòôt ces figures si vives, ces paroles enflammées qui illuminent, qui embrasent les discours du grand prètre, tantôt ces plaintes touchantes de Josabet, écho lointain des accents du psalmiste. Ailleurs on croit entendre la voix terrible du sombre Ezéchiel menaçant Jérusalem d'une catastrophe prochaine, ou des hymnes d'adoration et d'amour, au ces alléluia sublimes dans lesquels Daniel et Isaie publient la gloire et la puissance du Très-Haut.“
„ Uebungsbuch zum Uebersetzen aus dem Deutschen in's Französische etc. von Dr. E. Collmann.— Marburg. 1840. * Dans son Cours de Litérature française. Voir notre programme, pag. 2, note.


