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v. Contes et Nouvelles, Voyages et Fables.
Le Pécheur et le Carrelet, Légende.
In der Literatur behaupten Fabel und Mährchen ihren Platz eben so gut als Trauer- und Lustspiel den ihrigen; in der Fabel und in dem Mährchen bemerken wir dieselben Zwecke: Unterhaltung und Belchrung, doch mit dem Unterschiede, dass in der gewöhnlich in metrische Form eingekleideten Fabel immer das didak- tische, in dem Mährchen das unterhaltende Element, und zwar in ungebundener Rede, vorwaltet. Indessen fehlt dem guten und ächten Mährchen niemals die Moral.— In Frankreich sind beide, Fabel und Mährchen, eben so gut wie in Deutschland zu Haus, und in neuester Zeit scheint sich der Geschmack der Franzosen auch für deutsche und scandinavische Mährchen entschieden zu haben: das beweisen die dessfallsigen Uebersetzun- gen von Mährchen aus diesen den Franzosen fremden Sprachen in die Landessprache.
Der Fischer un siine Fru.
Dieses bekannte Mährchen findet sich unter den von den Brüdern Grimm gesammelten Kinder- und Hausmährchen. Die Fabel selbst lebt im Munde des Volkes und wird häufig, doch mit einigen Abänderun- gen, erzählt, z. B. vom Männchen Domine(auch wohl Hans Dudeldee) und Frauchen Dinderlinde. Domine klagt über sein Unglück und geht hinaus an den See; da streckt ein Fischchen den Kopf hervor und spricht:
Was fehlt dir Männchen Domine? „Ach dass ich im Pispott wohn'’, thut mir so weh.“Ü“— So wünsch' dir was zu haben.— „Ich will's nur meiner Frau erst sagen.“ Nun geht er nach Haus.— Dinderlinde spricht:„wünsch' uns ein besseres Haus.“— Am See ruft er: „Fischchen, Fischchen, in der See!“ Was willst du, Männchen Domine?
Nun gehen die Wünsche an, aber es sind mehr, erst Haus, dann Garten, dann Ochsen und Kühe, dann Länder, und so fort alle Schätze der Welt. Wie sie sich ausgewünscht haben, sagt das Männchen:„nun möcht' ich der liebe Herrgott seyn, und meine Frau Mutter Gottes.“ Da' streckt das Fischchen den Kopf heraus und ruft:
Willst du sein der liebe Gott? so geh' wieder in deinen Pispott.
Das Motiv von der Frau, die ihren Mann zu hohen Würden reizt, ist gewiss uralt, von Eva und der etru- rischen Tanaquil, von welcher uns Livius im ersten seiner historischen Bücher berichtet, bis zur Lady Macbeth.
Die französische Uebersetzung, welche ein Franzose, Ernest Jean, von dem oben gedachten Mährchen: „der Fischer unsiine Fru“— gegeben hat, veranlasste mich, dieselbe mit dem Original zu vergleichen, welches der französische Uebersetzer fast gänzlich im Stich gelassen hat. Es handelt sich indess hier nicht
um eine Vergleichung der von dem Franzosen gegebenen Uebersetzung, sondern um„Beurtheilung“ der mei- nigen nach dem Original.
Die Ueberschrift des deutschen Mährchens lautet bei Grimm:
Von dem Fischer und siine Fru. Die französische Uebersetzung dagegen gibt:
Le pècheur et le carrelel.
d. h. Platteise, Plattfisch, eine Art Schollfisch. Ich habe dagegen die Ueberschrift, wie folgt, angenommen:
Le Pécheur, sa femme et le carrelet.
Dass nämlich der Fisch wirklich ein Schollfisch oder eine sogenannte Butte ist, beweis't das deutsche Mährchen zur Genüge.
Darin, dass die französische Uebersetzung Pispott durch cabane und bicoque, d. h. schlechte Woh- nung, Nest, wiedergegeben hat, bin ich derselben gefolgt.


