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geben, wo es gilt, ein Trauerspiel, wie die Athalie oder den Britannicus von Ra- cine, der Jugend des deutschen Gymnasiums darzubieten.„Die höchste Lyrik findet sich in dem Hymnus in der Athalie von Racine,“ vgl. N. Jahrbb. f. Phil. u. Pädag. 54. Bd. 2. Hft. Novbr. 1848.
So sehr auch Molière Meister im Lustspiel ist, so steht doch unbestritten der leichte soccus dem schweren cothurnus nach, und die Sprache kann ich nicht als die vorzüglichere gelten lassen, welche die meisten und erheblichsten Schwierigkeiten im Verständniss bietet, weshalb ich den alten Vorwurf, den man der franz. Sprache angeblich wegen„zu grosser Leichtigkeit“ hier und da hat machen wollen, ebenso unbegründet als unstatthaft finde. Ver- dient vielleicht Vater Homer weniger gelesen und berücksichtigt zu werden, als Sopho- kles oder Aischylos, weil seine Sprache leichter zu verstehen ist?
Aus dem Schreiben des Herrn Oberlehrer Dr. Zange, Lehrer der franzäsischen Sprache und Literatur am Gymnasium zu Sondershausen, theile ich nachstehende, die erste Abthei- lung der ersten Lieferung unseres Handbuchs betreffende Beurtheilung wörtlich mit, wie folgt:
„Einverstanden mit dem Plane des Ganzen, kann ich der Ausführung des ersten Heftes nur meinen ungetheilten Beifall zollen, und werde die Einführung desselben kräftigst befürworten.— Bei einmaligem Durchlesen des ersten Heftes ist mir durch- aus nichts Ungehöriges aufgestossen; im Gegentheil bin ich durch manche recht erfreuliche und geschickte Bemerkung überrascht worden. Sollte bei weiterer Prü- fung mir irgend etwas auf- oder einfallen, so werde ich es Ihnen unumwunden
mittheilen.“
Was nun die äussere Einrichtung unseres Handbuches betrifft, so vereinigen sich die Wünsche vieler Collegen, z. B. des Herrn Director Dr. Weber in Cassel, des Herrn Prof. Barbieux in Hadamar, und Anderer mehr, die ich nicht alle namentlich aufführen will, in dem Wunsche des Herrn Dr. Proels in Freiberg, wörtlich lautend, wie folgt:
„Die Benutzung Ihres Handbuchs würde gewiss sehr erleichtert werden, wenn Sie dasselbe zwar immerhin als Ganzes, dabei jedoch so erscheinen liessen, dass die sieben Abtheilungen auch einzeln käuflich wären.“
Um diesem allgemeinen Wunsche meiner werthen Collegen zu entsprechen, habe ich beim Verlagsbuchhändler Alles gethan, was ich thun konnte; das Resultat aber lautet kurz: „oleum et operam perdidi.“
Plaut. Poen. J, 2, 119.
Es ist nun Sache der Gymnasien, d. h. der Directoren derselben, mit dem Verleger in weitere directe Unterhandlungen zu treten: diese dürften vielleicht ein günstigeres Ziel er- reichen, als ich, der ich nur mit Mühe die Einrichtung durchgesetzt habe, dass der Druck der sieben Abschnitte so eingerichtet werden muss, dass jeder Abschnitt, als ein selbststän- diges Heft, allein gebunden werden kann, wenn es verlangt wird. So viel als Einleitung. lch lasse nun Proben aus den sechs ersten Abschnitten folgen, und komme damit, wie be- reits oben erwähnt worden ist, dem von vielen gelehrten, der französischen Sprache kundigen Männern und Pädagogen geäusserten Wunsche nach, welche mich dazu wiederholt und im Interesse der Wissenschaft, sowie in dem der deutschen Gymnasien so dringend und so be- stimmt aufgefordert haben, dass ich mich der Erfüllung so vielseitig an mich ergangener Bitten und Wünsche zu unterziehen bewogen fühle.


