Aufsatz 
Proben aus dem Handbuche der französischen Sprache und Literatur / vom Prof. Dr. Braunhard
Entstehung
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Uebrigens findet die Ansicht des Herrn Dr. Stevenson, keine politischen Reden aufzu- nehmen, eine Widerlegung in der Ansicht des Herrn Professor Barbieux in Hadamar. Die- ser Gelehrte sagt in seinem Gutachten an mich:

In dem dritten Abschnitte sind Sie meinem längst gehegten Plane zuvorgekom- men; ich hatte nämlich vor, eine Sammlung von parlementärischen, juristischen und academischen Reden für Secunda und Prima zu veranstalten, welche durch Ihre Auswahl wohl entbehrlich wird.

In Betreff der Commentation erklärt sich Herr Dr. Stevenson wörtlich, wie folgt: Möchte sich doch endlich eine andere Manier finden, als die von Conr. von Orelli, Hoche, Kissling und Anderen. Es ist durchaus nothwendig, dass, wenn die neueren Sprachen das Ansehen behaupten wollen, zu dem sie endlich mit Recht gelangt sind, sie nicht stiefmütterlich behandelt werden, und dass dieselbe Tiefe und Gelehrsamkeit sich in den Commentaren finde, wie dieses den Werken der Alten schon längst zu Theil geworden ist.

Mit dieser Ansicht des Herrn Dr. Stevenson bin ich vollkommen einverstanden, und ebenso billige ich das, was Herr Dr. Stevenson über Vinet sagt:

Zuletzt will ich bemerken, dass die zu Basel erschienene Chrestomathie des in der literarischen sowol, als in der theologischen Welt so bekannten, leider jetzt verstorbenen Vinet jedenfalls als Richtschnur für das Werk des Herrn Dr. Braun-

hard dienen könnte, da der Verfasser darauf eingegangen ist, eine allen Bildungs- stufen entsprechende Chrestomathie zu liefern; und die Erfahrung hat hinlänglich bewiesen, dass der Zweck durchaus nicht verfehlt worden ist. Die Anmerkungen, welche derselbe Verfasser beigefügt hat, besonders zu Gunsten der deutschen Stu- direnden, sind wahrlich ein Muster, ein leider seltenes Muster der Art und Weise, wie die neueren Sprachen in höheren Bildungsanstalten getrieben werden sollen.

Wir hoffen, dass eine unparteiische Vergleichung unseres Handbuches mit der Chresto- mathie von Vinet** ein günstiges Resultat für ersteres gewähren werde; dazu kommt der billige Preis unseres Handbuches: 1 ½ Thlr. im Wege der Subscription, während die Chresto- mathie von Vinet das Dreifache kostet, ohne dem Gymnasiasten irgend wie Entschädigung oder Ersatz für das zu bieten, was der siebente Abschnitt unseres Handbuchs leisten wird.

Aus dem Gutachten des Herrn Prof. Barbieux hebe ich noch folgenden Punkt hervor:

Ueberhaupt möchte es gut seyn, für die höchste Stufe recht schwierige Stücke und Stellen auszuwählen, aus frühteren Zeiten, wie aus der neuesten Pariser Literatur.

So gern ich auch diesem Urtheile des Herrn Prof. Barbieux ganz beitreten möchte, so kann ich es doch nur theilweise: allerdings sollen, wo möglich, die schwierigsten Sachen aus der neuesten Pariser Literatur, sofern dieselben für das deutsche Gymnasium passen, mitgetheilt werden, allein für die ältere französische Literatur vermögen wir Gleiches nicht zu leisten: das würde die Gränzen unseres Handbuches überschreiten. Auch kann ich mich nicht davon überzeugen, dass derAvare von Molidre vor dem herrlichen Kunstproduct, welches wir in der Athalie, tragédie de Racine, besitzen, deshalb den Vorzug verdiene, weil das Verständniss desselben schwerer und schwieriger ist. Ohne den hohen Werth der Molicre'schen Dichtung irgend wie zu verkennen, kann ich ihr doch da keinen Raum

* Carerfoe ει frangaise ou Choir de Morcecaeea tirés des meilleurs écrivains frangais. Quvrage destiné à servir d'dpplication méthodique et progressive à un cours régulier de langue française: par A. Vinet. Bale chez J. G. Neukirch. 1843.;

* Sofern der Raum dieser Blätter erlaubt, einen Abschnitt aus der Chrestomathie von Vinet, nebst dem Commentar von Vinet und dem unsrigen, mitzutheilen, soll es geschehen.